Ziel: Schneverdingen für Alle

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Claudia Kaube
Claudia Kaube
Bild: Claudia Kaube

Schneverdingen (kobinet) In Sachen Inklusion gibt es vor allem im ländlichen Bereich noch viel zu tun. Dass es hier auch einige gute Beispiele gibt, zeigt das Interview mit Claudia Kaube, das kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit ihr führte. Claudia Kaube setzt sich in Schneverdingen im Rahmen eines von der Aktion Mensch unterstützten Modellprojektes für inklusive Kommunen u.a. für ein barrierefreies Schneverdingen für Alle ein.

kobinet-nachrichten: Sie leben in Schneverdingen und engagieren sich dort für Inklusion. Wo liegt Schneverdingen genau und wie lebt es sich dort als Mensch mit Behinderung?

Claudia Kaube: Schneverdingen liegt in der wunderschönen nördlichen Lüneburger Heide, ca. 65 Kilometer südlich von Hamburg. Bekannt ist Schneverdingen für das Ende August stattfindende Heideblütenfest. Die Stadt Schneverdingen hat etwa 20.000 Einwohner. Ich habe seit 2004 Multiple Sklerose, bin aber erst seit Ende 2015 ein Mensch mit Behinderung. In der Stadt bin ich mit meinem Liegefahrrad oder einem Rollator unterwegs. Dabei sind für mich ebenerdige Zugänge oder Rampen an öffentlichen Gebäuden und Geschäften wichtig. Diese sind auch weitestgehend vorhanden. Mittlerweile ist auch unser Bahnhof barrierefrei zugänglich. Gleichwohl kann die Leichtigkeit der Zugänge insbesondere für Rollstuhlfahrer/-innen noch verbessert werden, etwa durch abgesenkte Bordsteine.

Sehr hilfreich für mich ist das spezielle Sportangebot unseres Sportvereins im Reha-Bereich, wo ich an Wassergymnastik und Neuro-Sport teilnehme. Nicht nur Menschen mit Behinderung und ältere Menschen haben die Möglichkeit unseren "Bürger-Bus" zu nutzen, der Schneverdingen mit den umliegenden Ortschaften verbindet. Auch mit meinem Handicap bietet Schneverdingen ein hohes Maß an Lebensqualität.

kobinet-nachrichten: Sie haben sich im Rahmen einer von der Aktion Mensch initiierten Empowerment-Schulung für Mitwirkende in Modellprojekten für inklusive Kommunen einiges vorgenommen, um unter anderem die Barrierefreiheit in Schneverdingen zu verbessern. Was haben Sie vor?

Claudia Kaube: Ein Projekt ist zum Beispiel "Feuerwehr für Alle". Wir haben uns vorgestellt, dass auch Jugendliche mit einem Handicap oder Migrationshintergrund Zugang zur örtlichen Freiwilligen Feuerwehr erhalten. Ein weiteres Projekt sieht die Anschaffung eines mobilen Hebelifts für Rollstuhlfahrer/-innen zur barrierefreien Nutzung des Bewegungsbeckens im Schneverdinger Schwimmbad vor. Eine weitere Überlegung betrifft den Ausbau eines vorhandenen Blockbohlenweges rund um das Pietzmoor, damit auch Rollstuhlfahrer/-innen den Rundweg nutzen können.

kobinet-nachrichten: Sie waren früher langjährig im Gemeinderat aktiv. Wie kann man Gemeinderäte Ihrer Erfahrung nach überzeugen, sich für Inklusion einzusetzen?

Claudia Kaube: Vorab gesagt gilt für Gemeinderäte, was für alle gilt: Am Anfang für ein Engagement in einem bestimmten Bereich muss ein Verständnis und ein Interesse geweckt werden. Ich denke, gerade im Bereich der Inklusion sollte möglichst früh der direkte Kontakt zwischen den Betroffenen und den BürgervertreterInnen hergestellt werden. Die Probleme müssen in den Blick gerückt werden. Viele Nöte von Betroffenen werden erst durch den wiederkehrenden Austausch und den Wechsel der Perspektiven den Weg auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzungen finden. Somit sollten Vereine und Organisationen, die sich im Bereich der Inklusion engagieren, immer auch gezielt die Gemeinderäte über Vorhaben und Probleme informieren.

kobinet-nachrichten: Schneverdingen ist eine von fünf Kommunen, die im Rahmen eines Modellprojektes für inklusive Kommunen durch die Aktion Mensch gefördert werden sollen. Was wünschen Sie sich von solch einem Modellprojekt?

Claudia Kaube: Es wäre wünschenswert, dass wir die Wahrnehmung von Inklusion in den Köpfen vieler BürgerInnen wecken konnten und somit die Bereitschaft für ein Mitdenken und ein Sich-Einbringen in Gang gesetzt werden konnte. Das Ziel sollte auf jeden Fall ein "Schneverdingen für Alle" sein.

 kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.