Kirnitzschtalbahn jetzt auch für Fahrgäste im Rollstuhl

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Runde zur offiziellen Aufnahme der Beförderung von Fahrgästen im Rollstuhl mit der Kirnitzschtalbahn
Runde zur offiziellen Aufnahme der Beförderung von Fahrgästen im Rollstuhl mit der Kirnitzschtalbahn
Bild: LSKS/ds

Bad Schandau (kobinet) Wer als mobilitätseingeschränkter Reisender das landschaftliche schöne Kirnitzschtal der Sächsischen Schweiz bei Bad Schandau kennt, und sich an die historischen Wagen der Kirnitzschtalbahn erinnert, wird nicht nur einmal bedauert haben, dass man mit dieser Bahn nicht mit Rollstuhl mitreisen konnte. Das wird sich nun ändern. Wie das Selbsthilfenetzwerk Sachsen berichtet, wurde Ende August für die Beförderung von Fahrgästen im Rollstuhl freigegeben.

Auf Einladung des Projektes "ÖPNV/SPNV für alle" beim Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Sachsen e.V. (LSKS)und der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) hatten sich zur offiziellen Eröffnung Vertreter der Stadt Bad Schandau, des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, der OVPS und des ÖPNV/SPNV-Projekts im Kurpark Bad Schandau zusammengefunden. In kurzen Statements wurden noch einmal die gemeinsamen, mehr als dreijährgen Bemühungen gewürdigt, die erforderlich waren, um für die älteren und traditionell zum Kirnitzschtal gehörenden Straßenbahnen eine Lösung ohne schwerwiegende Eingriffe in die Landschaft und in die Fahrzeuge zu finden.

Mit Fördermitteln des Freistaats Sachsen gelang letztlich eine Lösung, die es Fahrgästen im Rollstuhl ermöglicht, an den beiden Endpunkten  (Kurpark Bad Schandau und Lichtenhainer Wasserfall) die Straßenbahn an jeweils erhöhten Bahnsteigen und mit durch das Fahrpersonal angelegten Rampen zu erreichen und zu verlassen. Das wurde zum Eröffnungstermin nochmals praktisch geprüft und bestätigt. Ergänzend wurde vereinbart, die zwei unterschiedlichen Rampentypen (Rollrampe beziehungsweisen 
Faltrampe) über eine längeren Zeitraum bez. ihrer spezifischen Gebrauchseigenschaften zu testen.

Die Kirnitzschtalbahn stellt je Wagenzug maximal vier Rollstuhlstellplätze zur Verfügung, die sich auf den Plattformen der Beiwagen befinden. Eine Anmeldung des Fahrtwunsches minimal 24 Stunden vor Fahrtantritt ist in der Regel nur in den Wintermonaten (Regelverkehr ohne Beiwagen) oder bei Gruppenfahrten erforderlich, um den Fahrzeug- und Personaleinsatz anzupassen. Vereinbart wurde, an den Rollstuhl-Stellplätzen noch einige kleine Verbesserungen vorzunehmen (Haltegriffe, Notruftaster in Sitzhöhe) Fahrgäste in/auf E-Scootern können wegen der eingeschränkten Rangier- und Bewegungsfläche auf den Plattformen, der Rampenneigung und den teils heftigen Fahrzeugbewegungen in den Kurverlagen nicht befördert werden.

Weil es aus Sicherheitsgründen kaum ratsam ist, die enge, kurverreiche und schwer einsehbare Straße durch das Kirnitzschtal unmittelbar mit dem Rollstuhl zu befahren, wird mit der offiziellen Beförderungsaufnahme durch die Bahn, so hebt das Selbsthilfenetzwwerk hervor, zugleich für diese Personengruppe eine touristische Attraktion im Gebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz neu erschlossen. Für das Projekt "ÖPNV/SPNV für alle" ist das geschaffene Beförderungsangebot darüber hinaus ein Beispiel dafür, dass es durchaus möglich ist, ältere bzw. tradtionelle Nahverkehrsmittel nutzbar zu machen, auch wenn objektiv nicht alle Kriterien der Barrierfreiheit erfüllt werden können.

 

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.