Unabhängige Beratung gesetzeskonform umsetzen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: LIGA Selbstvertretung

Kassel (kobinet) Nachdem zum 31. August die erste Runde für die Antragstellung zur ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes abgelaufen ist, sind nun die Länder und letztendlich der Bund am Zug, zu entscheiden, welche Bewerbungen letztendlich den Zuschlag bekommen. In diesem Zusammenhang fordert die LIGA Selbstvertretung eine gesetzeskonforme Umsetzung, so dass eine wirklich von Leistungsträgern und Leistungserbingern unabhängige Beratung im Sinne des Peer Counseling gefördert wird.

"Wir fordern die Länder und den Bund auf, besonders darauf zu achten, dass die im Bundesteilhabegesetz formulierten Bestimmungen zur ergänenden unabhängigen Teilhabeberatung auch entsprechend umgesetzt werden. Dabei gilt es genau hinzuschauen, welche Bewerbungen wirklich von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängig sind und dass dort, wo Peer Counseling drauf steht, auch wirklich Peer Counseling drin ist", erklärte der Sprecher der LIGA Selbstvertretung, Ottmar Miles-Paul. Vor allem sollten gerade die Länder, die eine Priorisierung der eingagangenen Anträge vornehmen sollen, darauf achten, dass die Landesbehindertenbeauftragten und die Landesbehindertenbeiräte bei der Empfehlung der Länder mit einbezogen werden. Letztendlich habe es aber der Bund in der Hand, die richtige Entscheidung zu treffen, um die gesetzeskonforme Umsetzung der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung umzusetzen. "Wir hoffen, dass auch hier die Bundesbehindertenbeauftragte und die Verbände behinderter Menschen eine Möglichkeit haben, Einfluss auf eine wirklich unabhängige Beratung im Sinne des Peer Counseling nehmen zu können", so Ottmar Miles-Paul. "Denn man reibt sich in diesen Tagen oft die Augen, welche Anbieter von Dienstleistungen für behinderte Menschen derzeit aus voller Brust erklären, wie unabhängig sie sind."

In §32 des Bundesteilhabegesetzes heißt es zur Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung:

"(1) Zur Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängige ergänzende Beratung als niedrigschwelliges Angebot, das bereits im Vorfeld der Beantragung konkreter Leistungen zur Verfügung steht. Dieses Angebot besteht neben dem Anspruch auf Beratung durch die Rehabilitationsträger.

(2) Das ergänzende Angebot erstreckt sich auf die Information und Beratung über Rehabilitations- und Teilhabeleistungen nach diesem Buch. Die Rehabilitationsträger informieren im Rahmen der vorhandenen
Beratungsstrukturen und ihrer Beratungspflicht über dieses ergänzende Angebot.

(3) Bei der Förderung von Beratungsangeboten ist die von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängige ergänzende Beratung von Betroffenen für Betroffene besonders zu berücksichtigen.

(4) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erlässt eine Förderrichtlinie, nach deren Maßgabe die Dienste gefördert werden können, welche ein unabhängiges ergänzendes Beratungsangebot anbieten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales entscheidet im Benehmen mit der zuständigen obersten Landesbehörde über diese Förderung.

(5) Die Förderung erfolgt aus Bundesmitteln und ist bis zum 31. Dezember 2022 befristet. Die Bundesregierung berichtet den gesetzgebenden Körperschaften des Bundes bis zum 30. Juni 2021 über die Einführung und Inanspruchnahme der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung."

Lesermeinungen zu “Unabhängige Beratung gesetzeskonform umsetzen” (3)

Von rollingwolf

Meines Erachtens eröffnet eine unabhängige Teilhabeberatung neue Chancen. Das duch das BMAS geförderte Projekt bietet viele Optionen für Behindertenorganisationen, die bereits Erfahrungen mit peer-counseling haben, bislang aber unentgetlich geleistete ehrenamtliche Beratungen durch qualifizierte und vor allen Dingen bezahlte MA zu ergänzen. Wichtig ist meines Erachtens eine professionelle Begleitung des Projekts. Was wollen wir erreichen, was sind unsere Ziele, wie können wir diese erreichen. Empowerment der Ratsuchenden ist hier das wichtigste Stichwort.

Von kirsti

"Wir fordern die Länder und den Bund auf, besonders darauf zu achten, dass die im Bundesteilhabegesetz formulierten Bestimmungen zur ergänenden unabhängigen Teilhabeberatung auch entsprechend umgesetzt werden…“

Schließe mich dem vorigen Beitrag an, was nutzt eine „Teilhabeberatung“ im Sinne des BTHG dem/den Betroffenen; unabhängig von wem sie beraten werden. Das Bundesteilhabegesetz ist eben kein Bundesteilhabegesetz, das echte Teilhabe ermöglicht. Dies dürfte inzwischen jedem klar sein. Da nutzt auch Beratung von welcher Seite auch immer niemandem.

Die „LIGA Selbstvertretung“ ist in meinen Augen keine „LIGA Selbstvertretung“, die jeden Menschen mit Behinderung bedingungslos vertritt.

Von Behindert_im_System

Zitat:
„In diesem Zusammenhang fordert die LIGA Selbstvertretung eine gesetzeskonforme Umsetzung, so dass eine wirklich von Leistungsträgern und Leistungserbingern unabhängige Beratung im Sinne des Peer Counseling gefördert wird.“

Fordern kann man viel, erhalten wie man immer wieder zur Kenntnis nehmen muss, aber sehr wenig. Wie sich die Schlagzeilen immer wieder erneuern und dass egal in welche Richtung muss man sich doch die Frage stellen, was ist für den einzelnen denn besser, die geförderte Beratung nach Peer Counseling mit anschließendem Rechtsstreit zur Leistungserbringung durch den Leistungsträger, oder die 0815 Beratung durch den Leistungsträger mit gleichem Ergebnis in der Leistungsgewährung? Also bleibt der Rechtsstreit nicht aus und was hat mir dann Peer Counseling genutzt, nichts.

Wie es auch sein mag und die Verfechter des Peer Counseling es auch darlegen mögen, es wird immer der Einzelfall bleiben aus Sicht der Leistungsträger und deren Gehilfen, ob das nun Ärzte oder andere Gruppen sind.

Wenn immer wieder von einer Förderung gesprochen wird, die anscheinend auch für manche wichtig erscheint, dann muss man sich auch die Frage stellen, welchen ernsthaften Nutzen hat dann eine Förderung letztendlich für den behinderten Menschen welcher mit seinem Schicksal der Verzweiflung nahe ist, auch wenn man das Gütesiegel Peer Counseling zum Abschluss der Beratung vielleicht erhält?

Ist dann beim Betreten der Amtsstube aller Ärger vorbei, ich glaube nicht.

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