Paritätischer fordert Reform der Alterssicherung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Logo des Paritätischen Gesamtverbands
Logo des Paritätischen Gesamtverbands
Bild: Der Paritätische Gesamtverband

Berlin (kobinet) Einen grundlegenden Kurswechsel in der Alterssicherungspolitik fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband von der nächsten Bundesregierung. In einem 11-Punkte-Programm legte der Verband ein umfassendes Reformkonzept zur Sicherung der Renten und der Verhinderung von Altersarmut vor. Die mit großer Dynamik wachsende Altersarmut sei auch eine Konsequenz der Rentenpolitik seit der Jahrtausendwende. In seiner Analyse zeigt der Verband auf, dass die Wahrscheinlichkeit, im Alter bedürftig zu sein, mit jedem Rentenjahrgang steigt.

Der Verband weist darauf hin, dass die Armut seit 2005 bei keiner anderen Gruppe so stark zugenommen habe wie bei Rentnern und Pensionären. Mit 15,9 Prozent seien sie mittlerweile überdurchschnittlich von Armut betroffen. "Altersarmut ist kein Schatten am fernen Horizont, sondern bereits heute Realität. Es müssen jetzt die Weichen neu gestellt werden, wollen wir Schlimmeres verhindern", warnt Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische schlägt in seinem Konzept insgesamt elf konkrete Maßnahmen für den renten- und alterssicherungspolitischen Kurswechsel vor. Eine erfolgreiche Gesamtstrategie müsse bereits im Erwerbsleben ansetzen und die gesetzliche Rentenversicherung stärken. Die Spannweite der Vorschläge reicht von einer deutlichen Erhöhung des Mindestlohns über die Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent bis zur Reform der Altersgrundsicherung mit einer bedarfsgerechten Erhöhung der Regelsätze.

"Kern unseres Konzepts ist die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Wir fordern die Einbindung aller Erwerbstätigen, eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent sowie die faktische Abschaffung der Riester-Rente“, betont der Verbandsvorsitzende. "Wenn das Rentenniveau weiter sinkt, sind alle anderen Maßnahmen zur Bekämpfung der Altersarmut nur noch Kosmetik“, so Rosenbrock. Selbst wer über 40 Jahre durchschnittlich 2.300 Euro Brutto verdient und Rentenbeiträge einbezahlt hat, habe laut Paritätischer Forschungsstelle bei einem Rentenniveau von aktuell 47,7 Prozent eine Rente kaum noch oberhalb des Grundsicherungsniveaus zu erwarten.

Link zur Broschüre Mut zur Korrektur: Ein alterssicherungspolitischer Auftrag.

Lesermeinungen zu “Paritätischer fordert Reform der Alterssicherung” (4)

Von Axisy537

Hallo Herr Drebes,
schauen Sie sich die Statistik der Rentenversicherung an.
Dann werden Sie feststellen wie niedrig die Renten sind.
Das Herzstück des Sozialstaates wurde ab 2001 ruiniert: SPD und GRÜNE (1998-2005)
und weitere Schandtaten wurden eingeführt: Agenda 2010 und die Folgen daraus.
Deutschland bekam den größten Niedriglohnsektor: weniger Lohn=weniger Rente.
Von der Generation im erwerbsfähigen Alter laufen weiter über 20 Millionen Menschen Gefahr später eine Rente zu beziehen die im Bereich des Grundsicherungsleistungsanspruch liegt.
Kein Land in Westeuropa behandelt seine Kleinverdiener so schlecht wie Deutschland.
In Europa gibt es nur in Litauen, Estland, Slowenien und Deutschland keine Mindestrente.
Der Staat hat eine Bringschuld. Die Regierungen unter Schröder und Merkel haben die Rentenkarre in den Dreck gefahren. Sie haben sich erfolgreich aus der Verantwortung gestohlen, haben den Versicherten viel Geld vorenthalten und tun es heute noch.
Versicherungsfremde Leistungen über 750 Milliarden wurden zweckentfremdet. Zuletzt die Mütterrente, die aus Steuern finanziert werden müsste. Jährlich ca. 6,5 Milliarden. Viele Rentner leben in Armut und weitere werden folgen. Die Erwerbsminderungsrentner werden zusätzlich noch mit einem Abschlag von 10,8 % abgestraft. Sie haben nicht nur mit Krankheiten zu kämpfen, nein der Staat kürzt zusätzlich noch die Renten. Andere Länder wie Österreich haben sich nicht von der lebensstandardsichernden Rente verabschiedet wie Deutschland. Die Lebensstandardsicherung und die Armutsvermeidung sind Bestandteile der österreichischen Rente..
Deutschland als reiches Land hat die Rente teilprivatisiert.
Österreich Rente: 80 % seines Lebensdurchschnittverdienstes
Deutschland ca. 37,5 %
Niederlande: 70 %
Frankreich: 50 % des früheren Gehaltes
Belgien: 60 % des durchschnittlichen Verdienstes.
usw.

Von Sven Drebes

Hallo Axisy53,

es geht mir darum, "Nebenwirkungen" aufzuzeigen, die der Paritätische später selbst zu Recht heftig kritisieren würde. Eine Bürgerversicherung, die nur die Erweiterung des jetzigen Rentensystems auf alle Erwerbstätigen bringt, würde auch monatliche Renten von 5.000 € (und mehr) bedeuten. Eine Erhöhung des Rentenniveaus von 48 auf 53 % würde bei einer Rente von 700 € 72 € mehr bringen, bei einer Rente von 5.000 € aber 520 €.

Deshalb fände ich es gerecht, irgendwo im oberen Bereich einen Schnitt zu machen.


Von Axisy537

Die Forderungen sind längst überfällig und auch gerecht.
Das Rentenniveau kann ausfallen je nachdem wie ich es berechne, was ich raus nehme, was ich rein nehme- somit eine manipulierbare Größe.
Seit der Riesterreform wurde das Wachstum der Renten ganz bewusst vom Wachstum der Löhne abgekoppelt. Die Renten steigen seit dem langfristig ein Drittel langsamer als die Löhne, private Vorsorge sollte es ausgleichen- funktioniert aber nicht. Verantwortlich für diese Rentenpolitik SPD und Grüne. Alle Bundesregierungen seit Schröder haben die Rente weiter ruiniert und jetzt soll es weiter gehen.
Die Rentenkürzungen seit Schröder hatte mit der Demografie nichts zu tun, sondern rein politisch motiviert gewesen. Die „Demografie“ wird benutzt um Verteilungskonflikte zu kaschieren, sie wird missbraucht um ein sinkendes Rentenniveau zu rechtfertigen.
Es grenzt an Volksverdummung immer noch so zu tun, als könnte die absehbar weiter sinkende gesetzliche Renten auch nur annähernd durch betriebliche oder private Vorsorge ausgeglichen werden.
Das deutlich höhere Renten nicht bezahlbar sind ist eine Lüge.
Rund die Hälfte der heute Erwerbstätigen ist im Alter akut von Altersarmut bedroht. Das ist die unmittelbare Folge eines politisch gewollten Zerstörungsprozesses.Statt die Finanzwirtschaft zu subventionieren, muss sich Altersvorsorge auf den Kern konzentrieren: die gesetzliche Rente. Die ist sicher, krisenfest und preiswert. Und sie kann deutlich höher ausfallen, wenn endlich alle einzahlen – auch Politiker, Beamte und Topmanager.

Von Sven Drebes

Das Konzept hat zwei Komponenten, die wenig mit Altersarmut zu tun haben und sogar eher den Wohlhabenden nutzen.

- Erhöhung des Rentenniveaus: Das Rentenniveau ist das Verhältnis der heutigen Rente eines Menschen, dessen Einkommen 45 Jahre lang dem Durchschnitt entsprochen hat, zum heutigen durchschnittlicen Bruttolohn. Über die Renten von Menschen, die (deutlich) mehr oder weniiger verdient haben, sagt es allenfalls näherungsweise etwas. Ein Rentenniveau von 50, 53 oder gar 60 % wird nichts daran ändern, dass Menschen, die nur 50 oder 60% des Durchschnitts verdienen, sehr niedrige Renten bekommen werden. Gutverdiener profitieren dagegen überdurchschnittlich.

- Auch die "Bürgerversicherung", wie der Paritätische sie skizziert, hat eine Schieflage. Wer im Schnitt 10.000 € pro Monat verdient, zahlt zwar rund 2.000 € ein, bekommt dann aber auch 5.300 € Rente, wogegen der Kioskbesitzer, dem im Monatsschnitt 1.000 € bleiben, nur auf 530 € Rente kommt.

Wer wirklich etwas gegen Altersarmut tun will, muss sich vom Grundprinzip der deutschen Rentenversicherung verabschieden, dass die Rente vom vorherigen Verdienst abhängt. Stattdessen müssen Geringverdiener einen Zuschlag bekommen, und spätestens bei Einführung der Bürgerversicherung muss es auch Abschläge für Gutverdiener oder gar eine Obergrenze für die Rente geben.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.