Was man im Rollstuhl alles kann !

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Beim tag des Rollstuhlsport des Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen
Beim tag des Rollstuhlsport des Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen
Bild: Andreas Geist / BRSNW

Duisburg (kobinet) Der Tag des Rollstuhlsport des Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen war ein Ereignis, dass breit angenommen wurde und eine fröhliche Veranstaltung war. In vielfältiger Weise zeigte der Tag, was auch mit Rollstuhl alles möglich ist.

Beim Tag des Rollstuhlsport auf dem Gelände der Sportschule Wedau herrschte ein fröhliches Durcheinander. „Wo geht es denn hier zu der Eröffnung?“  lautete eine beliebte Frage als am Vormittag die ersten Gäste eintrafen. Bedingt durch einige Parallelveranstaltungen dauerte die Orientierungsphase ein wenig an. Dennoch war die Halle bereits gut gefüllt, als Landessportwart Thomas Börger gemeinsam mit der Veranstaltungsorganisatorin Claudia Geist fröhlich die Runde begrüßte. Dabei schauten die beiden Vertreter des Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen (BRSNW) in erwartungsvolle und neugierig wirkende Gesichter. Gespannt lauschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der kurzweiligen Begrüßung. Im Anschluss daran verteilten sie sich noch recht zögerlich auf die nachfolgenden Workshops. Von nun an hatten die Referentinnen und Referenten aus Vereinen und Sportgruppen das Kommando.

Beim Rollstuhlbasketball war es mit der Zurückhaltung schnell vorbei. Referent Axel Görgens motivierte die Teilnehmenden routiniert. Fortan entwickelte sich ein munteres Treiben. Rollstuhlfahrerinnen aus sämtlichen Altersklassen kreisten in der Halle umher und übten erste Passversuche ein.

Richtig zur Sache ging es auch beim Rollstuhlrugby. Günther Schulze-Stodtbrock von der BSG Bochum hatte die Leitung der Einheit übernommen. Auch hier war das Eis schnell gebrochen und zur Freude des Referenten hat es „ sogar das ein oder andere mal geknallt“, berichtet Schulze-Stodtbrock mit einem Schmunzeln. Unter  leicht erschwerten Bedingungen, denn es stand deutlich weniger Fläche als beim Rugby üblich zur Verfügung, ergab sich aus der Sicht des Übungsleiters dennoch ein „angenehmes Chaos“.

„Für Badminton benötigen wir demnächst dann doch etwas mehr Platz“, sagte Petra Opitz und lachte als sie das Durcheinander in ihrer Halle betrachtet. Sie ist eine der Referentinnen für das Rückschlagspiel und führt ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Luftballons anstelle von Federbällen in ihre Sportart ein. Die Luftballons ermöglichten den Neueinsteigern etwas mehr Zeit bei der noch ungewohnten Koordination des Zusammenspiels von Rollstuhl und Badmintonschläger.

Eine weite Anreise hat die 14jährige Malin auf sich genommen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Noel und Vater Michael ist sie extra aus Thüle bei Paderborn gekommen. „Es ist hier schon ein bisschen so, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt die Ostwestfälin. Sie probierte im Leichtathletik-Stadion Bogenschießen unter Anleitung der BSG Duisburg-Buchholz aus. Zuvor hatte sie eine Runde mit dem Handbike gedreht und dabei noch ein bisschen Sonne getankt. „Es ist schon schön, was man im Rollstuhl so alles machen kann. Vielleicht kann ich bald in einem Verein eine der Sportarten betreiben“, erklärte Malin bestärkt durch die Eindrücke des Tages und spannt konzentriert den nächsten Pfeil in den Bogen.

Wer sich nach der Action beim Basketball, Wheel-Soccer oder dem E-Rollihockey nach etwas Ruhe und Entspannung sehnte, war beim Yoga genau richtig. Referentin Heike Mathias führt ihre Teilnehmenden in „Kundalini Yoga“ ein. In dieser Disziplin können eine Vielzahl der Übungen im Rollstuhl sitzend ausgeführt werden. „Ich selber sah mich für einen Zeitraum mit einer Erkrankung konfrontiert. Daraufhin habe ich an einer Fortbildung im Yoga für Menschen mit körperlicher Behinderung teilgenommen“, erklärte die Referentin einer inklusiven Yoga-Gruppe aus Köln.

Ebenfalls Ruhe und Konzentration erforderte das Sportschießen am Stand des B.S.V. Rheinhausen-Bergheim. Es war neben Boule, Cross-Boccia, Kegeln, Tischtennis und einem Rolli-Parcours eines der offenen Angebote, die über den ganzen Tag getestet werden konnten. Martin Bialasik hat die Gelegenheit genutzt und seinen Rollstuhl auf der Rollstuhlwaage vermessen und testen lassen. Das erfreuliche Ergebnis: Alles ist bestens eingestellt. „Das freut mich sehr, denn dies gibt mir die Sicherheit, bei meinem Sanitätshaus in guten Händen zu sein. Das war in der Vergangenheit nicht immer so“, sagt der Mühlheimer erleichtert und freut sich darauf, beruhigten Gewissens im Anschluss Tanzen ausprobieren zu können.

Die Rollstuhl-Tanzworkshops leiteten Thomas und Eva Hassa. Ein Duo auf zwei Füßen beschreiben sich die beiden selbst. Dabei sitzt Eva Hassa im Rollstuhl und ihr Mann und Tanzpartner Thomas stand ihr gegenüber. Gekonnt machten die beiden deutlich, wie man sich das vermeintliche Handicap Rollstuhl zu Nutzen machen kann. Bernadette und ihr Mann Ulrich aus Moers waren davon angetan, dass vom Walzer bis hin zum Tango offenbar keine Grenzen im Rollstuhltanz gesetzt sind. Wenngleich für die beiden feststeht „wir müssen noch üben, üben, üben.“ Das ist ganz normal erklärt Thomas Hassa, für den die Zeit seines Workshops rasend schnell verging. Seine Frau pflichtet ihm bei „Rollstuhltanzen ist Tanzen und das braucht Übung“.

Üben können Bernadette und Thomas, wie auch alle anderen Teilnehmenden möglicherweise in der Zukunft in einem Verein oder einer Gruppe. Genau dies war die Idee hinter dem Tag des Rollstuhlsports: Möglichkeiten aufzeigen, den Horizont erweitern und die Vielfalt der Rollstuhlsports erleben. Entsprechend zufrieden sind die Veranstalter. Hinsichtlich der Abläufe und der Weitläufigkeit mancher Angebote gibt es durchaus noch Verbesserungsbedarf. Davon wird aber nicht die Erkenntnis getrübt, dass ein solches Schnupperangebot wichtig und hilfreich für alle Menschen ist. Am Ende des Tages bleibt der Eindruck „Was man im Rollstuhl alles machen kann“. Vielleicht bis zum nächsten Tag des Rollstuhlsports.

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