Hartz IV angepasst

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Ulrich Schneider
Ulrich Schneider
Bild: Paritätischer

Berlin (kobinet) Das Bundeskabinett hat heute eine Anpassung der Regelsätze für Empfänger von  Hartz IV beschlossen. Wohlfahrtsverbände und Opposition kritisierten dies als zu wenig.  Der Paritätische fordert einen Regelsatz von 529 Euro. „Der jetzige Regelsatz ist Ausdruck von kleinlicher Missgunst und armutspolitischer Ignoranz. Diese Bundesregierung hat für arme Menschen ganz offensichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes nicht viel übrig", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Als „in keiner Weise bedarfsdeckend" kritisiert der Wohlfahrtsverband die geplante Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze zum 1.1.2018 um lediglich 7 Euro auf dann 416 Euro. In einer Studie hatte der Verband der Bundesregierung zuletzt manipulative Eingriffe in die statistischen Berechnungen nachgewiesen, die aktuell zu einer massiven Unterdeckung der Regelsätze in Hartz IV führen. Ohne jegliche Korrektur würden die viel zu niedrigen Regelsätze nun schlicht entsprechend der Preis- und Lohnentwicklung fortgeschrieben. Nach den Berechnungen des Paritätischen müsste der Regelsatz für Erwachsene bei sachgerechter Herleitung von derzeit 409 um mindestens 120 Euro auf dann 529 Euro angehoben werden.

„Der jetzige Regelsatz ist Ausdruck von kleinlicher Missgunst und armutspolitischer Ignoranz. Diese Bundesregierung hat für arme Menschen ganz offensichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes nicht viel übrig. Im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung muss zwingend eine Reform der Regelsatzberechnung sowie die Schaffung einer bedarfsgerechten Mindestsicherung verankert sein", fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Insbesondere die Kinderregelsätze seien absolut unzureichend. „Die Erhöhung der Kinderregelsätze um lediglich drei bis fünf Euro sind ein kinder- und familienpolitischer Skandal. Die Bekämpfung von Kinderarmut hat offenbar nur in Sonntagsreden Platz", kritisiert Schneider. Der Paritätische fordert von der kommenden Bundesregierung die sofortige Einsetzung einer Expertenkommission, um die Frage zu beantworten, was ein Kind braucht.

Lesermeinungen zu “Hartz IV angepasst” (4)

Von Behindert_im_System

Die werden sich doch nicht verausgabt haben?

7,00 € geteilt durch 30 Tage = 0,2333333333333333 € und davon muss man dann auch noch für besondere unvorhergesehene Ereignisse 17%sparen, denn die Waschmaschine etc. kann ja mal kaputt gehen.

So hat man dann einen Nettobetrag zum täglichen Verbrauch zuzüglich von 0.03966666666 € mit dieser enormen Erhöhung.

Wann hatten jemals Politiker, Beamte und sonstige des Systems so eine Erhöhung?

Meine Dankbarkeit drücke ich am 24.09.2017 mit dem richtigen Kreuz auf der Bettlerliste aus, da kann man sich sicher sein.

Von Axisy537

Die Mini-Erhöhung des Hartz-IV-Satzes durch die GroKo zementiert die Armut von Millionen Menschen und Familien. Die prozentuale Erhöhung liegt unter der Preissteigerung für Lebensmittel in diesem Jahr. Mit dieser Entscheidung werden auch weiterhin Millionen dazu verdammt, in Armut zu leben. Dass eine Bundessozialministerin von der SPD auch dafür lobende Worte findet, verdeutlicht die Entfernung von Frau Nahles zu den Hartz-IV-beziehenden Personen und den schlimmen Zustand ihrer Partei.
Es geht immer weiter bergab mit der SPD.
Zeit für mehr Gerechtigkeit?

Von kirsti

@ turbolocke
Genau: "Wann hört die Verteilung von oben nach unten auf. Wann bleibt für unten auch mal was übrig. Wann wird nicht nur alles nach oben gesteckt. Wann muss ich/müssen wir keine Angst mehr haben." – Diese Angst auszuhalten, ist unerträglich. Und diese Angst kostet das Leben. Sie ist mehr als nur Geld und das sonstige Pekuniäre; Angst ist Angst und hat was mit Überleben zu tun. Und Leben ist Leben.

Von turbolocke

Die Bundesregierung hat auch für seine Behinderten nicht viel übrig wenn man Zwangspoolen und Zumutbarkeitsregel einführt. Meine Kostenzusage, durch den Staat für die Pflege, wurde jetzt für ein Jahr genehmigt. Danach muss ich Zittern in ein Heim abgeschoben zu werden. Diese Ängste durchzuhalten sind Menschenunwürdig. Nicht nur Hartz 4 ist Menschenunwürdig. Diese Bundesregierung fühlt sich nur für Wirtschaft und Besserverdiener zuständig. Wann hört die Verteilung von oben nach unten auf. Wann bleibt für unten auch mal was übrig. Wann wird nicht nur alles nach oben gesteckt. Wann muss ich keine Angst mehr haben.

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