Inklusion erfordert mehr Anstrengungen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Kopie des Deckblatts des Jahresberichtes zur Deutschen Einheit 2017
Kopie des Deckblatts des Jahresberichtes zur Deutschen Einheit 2017

Berlin (kobinet) Anfang September hat Iris Gleike (SPD), die Ostbeauftrage der Bundesregierung, den "Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2017" vorgestellt. Das 112 Seiten starke Material enthält auch einen Absatz mit Aussagen zur Inklusion. Diese zeigen, dass es bei der schulischen Inklusion langsam vorangeht, die Inklusion im Arbeitsleben jedoch deutliche Rückstände aufweist.

In diesem Zusammenhang wir im Bericht erst einmal hervorgehoben, dass das über viele Jahre hinweg vertretene behindertenpolitische Prinzip der Integration inzwischen durch das in allen Lebensbereichen umzusetzende Prinzip der Inklusion ersetzt wurde. "Während die Integration stärker an die Anpassungsfähigkeit des behinderten Menschen appellierte, will die Inklusion von Anfang an ein gemeinsames System für alle Menschen, ohne dass jemand ausgegrenzt oder stigmatisiert wird.", heißt es dazu erklärend in einer Fußnote des Berichtes.

Die Impulse für diese Entscheidung kamen, wie im Bericht betont wird, vor allem das Inkrafttreten der UN-Behinderten­rechtskonvention (UN-BRK) am 26. März 2009, welche in der Bun­desrepublik und auf Bundesebene mit dem Natio­nalen Aktionsplan der Bundesregierung (UN_BRK 1.0 und NAP 2.0) sowie mittlerweile auch in allen Ländern beschlossenen Aktions- bzw. Maßnahmenpläne zur Umsetzung des UN-Übereinkommens umgesetzt wird.  

Während die Förderquote von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischer Förderung im Bundesdurchschnitt im Schuljahr 2015 /2016 bei 7,1 Prozent liegt, variiert diese Förderquote in den neuen Ländern, wie im Bericht festgestellt wird, zwischen 6,6 Prozent und 10,3 Prozent. Dabei liegt Thüringen mit 6,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt der Förderquote, Sachsen-Anhalt mit 9,2 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern aber deutlich darüber. Insgesamt ist die Förderschulbesuchsquote in den Bundesländern leicht gesunken, der Anteil inklusiv beschulter Schülerinnen und Schüler in allgemeinen Schulen in allen Bundesländern angestiegen. Zusammenfassend dazu stellt der Bericht fest: "Sowohl die Zahl als auch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förde­rung in inklusiven Bildungsangeboten an allgemeinen Schulen haben sich seit dem Schuljahr 2000/01 bundesweit mehr als verdoppelt: 2015/16 wurde in Deutschland etwa jedes dritte Kind (37,7 Prozent) mit sonderpädagogischer Förderung an sonstigen allgemeinbildenden Schulen unterrichtet."

Hinsichtlich der Inklusion von Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben bedarf es, wie der Bericht unterstreicht, "...flächendecken weiterer Anstrengungen...". Die gesetzlich festgelegte Beschäftigungsquote für private und öffentliche Arbeitgeber mit monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen, davon fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen, wurde nicht erreicht. Bei fast gleicher Verteilung auf die alten und die neuen Bundesländer wurde diese gesetzliche Pflicht im Jahr 2015 nur zu 4,7 Prozent erfüllt. Ein Unterschied besteht hierbei jedoch zwischen den öffentlichen Arbeitgebern, die der Beschäftigungspflicht in Ost- und West gleichermaßen nachkamen, sowie den privaten Arbeitgebern, wo die Beschäftigungsquote in den alten Bundesländern bei 4,2 Prozent und in den neuen Bundesländern nur bei 3,6 Prozent lag.

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