Inklusion auch in der Regionalen Schule erfolgreich

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Drei rote Ausrufezeichen
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Bild: ForseA e.V.

Rostock (kobinet) Kinder mit besonderem Förderbedarf, die in der Grundschule inklusiv beschult wurden, erzielen auch an der Regionalen Schule mehrheitlich gute Lernfortschritte. Das weist eine neue Studie der Universität Rostock nach, die von Prof. Bodo Hartke und seinem Forscherteam erstellt wurde. Die meisten der untersuchten Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten in fünften und sechsten Klassen an Rügener Regionalen Schulen konnten in den Schuljahren 2014/2015 und 2015/2016 ihre Lese-, Rechtschreib- und Mathematikleistungen deutlich steigern. Darauf das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur von Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen.

Die in die Untersuchungen einbezogenen Kinder wurden bereits in der Grundschulzeit innerhalb eines Modellvorhabens erfolgreich inklusiv beschult. Die Daten aus Klasse 5 und 6 zeigen, dass das Rügener Modell auch an Regionalen Schulen erfolgreich ist. "Die Lernfortschritte der Rügener Schülerinnen und Schüler belegen, dass das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen gelingt. Die Ergebnisse der Studie bestärken uns daher in der Umsetzung unserer Inklusionsstrategie", sagte Bildungsministerin Birgit Hesse. "Erfreulich an den Daten ist auch, dass die Rügener Regionalen Schulen aktiv das erfolgreiche Grundschulmodell fortsetzen konnten und damit für die meisten Kinder mit besonderen Förderbedarfen gute Ergebnisse erzielt haben. Dies spricht für den auf Rügen eingeschlagenen Weg als eine Möglichkeit, Inklusion erfolgreich zu gestalten", so Hesse.

Das Rügener Inklusionsmodell war im Jahr 2010 gestartet. In diesem Modellvorhaben entwickelten die Rügener Grundschulen gemeinsam mit einer Forschungsgruppe der Universität Rostock Konzeptelemente und Handlungsmöglichkeiten für die inklusive Schule. Nach vier Jahren Modellvorhaben stand fest:

  • Eine frühzeitige inklusive Förderung bei Lern-, Sprach- und Verhaltensproblemen verhindert bei vielen Schülerinnen und Schülern noch schwerwiegendere Auffälligkeiten, die Häufigkeit von sonderpädagogischen Förderbedarf nimmt durch vorbeugende Hilfen ab.
  • Selbst die Kinder mit den schwerwiegendsten Lernschwierigkeiten profitieren von der inklusiven Förderung besser als von einer separaten Beschulung in Förderklassen.
  • Die Leistungsstände der Kinder ohne Beeinträchtigungen waren in der inklusiven Schule zumindest genau so gut wie in Vergleichsklassen, ihr Sozialverhalten hatte sich deutlich verbessert.

Mit dem Beginn des Schuljahres 2014/2015 wurde das Rügener Modell in den dortigen Regionalen Schulen fortgesetzt. Hierzu traf das Bildungsministerium mit den beteiligten Schulen eine Zielvereinbarung, nach der die Schulen die wichtigsten Förderelemente des Grundschulkonzepts übernahmen: individuelle Förderung innerhalb des Klassenunterrichts, ein zusätzlicher gezielter Förderunterricht in den Bereichen Lesen, Rechtschreibung und Mathematik, regelmäßige Lernfortschrittsüberprüfungen, Förderung durch Sonderpädagoginnen und -pädagogen für Kinder mit sehr schwerwiegenden Lern- und Entwicklungsrückständen, Förderplanung im Team und arbeitsteilige Umsetzung des Förderplans durch Regional- und Sonderschullehrkräfte. Zudem wurde eine wissenschaftliche Dokumentation der Umsetzung der Zielvereinbarung und der Lern- und Entwicklungsfortschritte förderbedürftiger Kinder durch eine Forschungsgruppe der Universität Rostock vereinbart. Die nun dem Bildungsministerium und den Rügener Schulen vorgelegten Daten zeigen:

  • Die Regionalen Schulen auf Rügen realisieren ein inklusives Fördersystem mit Elementen wie individualisierte Lernförderung im Deutsch- und Mathematikunterricht, gezieltem Förderunterricht durch Fachlehrkräfte, Lernfortschrittsdiagnostik als auch Förderplanung im Team und Intensivförderung durch Sonderpädagoginnen und -pädagogen.
  • Sowohl die Lese- als auch die Mathematikleistungen der förderbedürftigen Kinder nähern sich dem normalen Leistungsstand von Fünft- und Sechstklässlern an.
  • Die Leistungsfortschritte förderbedürftiger Kinder entsprechen in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Mathematik üblichen Leistungssteigerungen innerhalb eines Schuljahres.

"Modellversuche in anderen Bundesländern endeten oft mit der Grundschulzeit. Insofern liefern die Untersuchungsergebnisse wichtige Erkenntnisse für die Fortsetzung inklusiver Förderung in der Sekundarstufe", erläuterte Prof. Bodo Hartke von der Universität Rostock. "Neben dem insgesamt positiven Gesamtergebnis finden sich in der Studie auch Hinweise auf noch offene Fragen inklusiver Förderung. So konnte eine kleine Gruppe von Kindern identifiziert werden, bei denen ausreichende Lernfortschritte in einzelnen Förderbereichen ausbleiben. Diese Fälle sollten weiter analysiert werden, um die Förderung betroffener Kinder weiter zu optimieren", betonte Hartke.

Bildungsministerin Hesse dankte allen beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen auf Rügen für die geleistete Arbeit und dem Forscherteam der Universität Rostock für die wissenschaftliche Begleitung. "Die Ergebnisse der mittlerweile mehr als sechsjährigen Anstrengungen der Rügener Schulen sprechen dafür, die neue inklusive Praxis wissenschaftlich zu dokumentieren und auszuwerten. So wissen wir besser, was erfolgsversprechend ist und welche bisher ungelösten Herausforderungen noch vor uns liegen", sagte Hesse. Nachdenklich stimmen die Ergebnisse über Kinder, die in einzelnen Förderbereichen noch nicht ausreichend von dem inklusiven Fördersystem profitieren. Die Gründe hierfür müssten geklärt werden, um Lösungsansätze zu entwickeln.

Lesermeinungen zu “Inklusion auch in der Regionalen Schule erfolgreich” (1)

Von kirsti

Irgendwie beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl bei den folgenden Aussagen zur Inklusion aus dem obigen Text:

• „sowohl die Lese- als auch die Mathematikleistungen der förderbedürftigen Kinder nähern sich dem normalen Leistungsstand von Fünft- und Sechstklässlern an.
• Die Leistungsfortschritte förderbedürftiger Kinder entsprechen in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Mathematik üblichen Leistungssteigerungen innerhalb eines Schuljahres.“

Es ist zwar schön, dass sich die Leistungen der „förderbedürftigen Kinder“ dem „normalen Leistungsstand“ angleichen.

Aber bleibt da nicht der Eindruck bestehen, Inklusion sei gleichzusetzen mit Anpassung an den sogenannten „normalen Leistungsstand“?-

Für mich bedeutet Inklusion „Aushalten von Unterschieden“- sowohl im Verhalten als auch im Leistungsniveau. Wenn Inklusion Anpassung an Normalität bedeutet, hat die „Inklusion“ ihren eigentlichen Sinn verloren.

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