Kunst zum Anfassen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Tastbild
Tastbild "Die Tür" von Werner Heldt
Bild: Claire Krahulec

Berlin (kobinet) Erstmalig in Deutschland wird die Dauerausstellung eines Kunstmuseums für blinde und sehbehinderte Menschen eigenständig zugänglich sein. Das teilten der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und die Berlinische Galerie mit. Über zwei Jahre wurde daran gearbeitet, die Sammlungspräsentation „Kunst in Berlin 1880–1980" mit Tastmedien, Leitsystem und einer Museums-App auszustatten, um ein inklusives Kunsterlebnis zu schaffen. Eine Erweiterung durch Angebote in Deutscher Gebärdensprache oder Leichter Sprache ist für die kommenden Jahre geplant.

Im Oktober 2017 geht die blinden- und sehbehindertengerechte Präsentation der Ausstellung in den Praxistest. Sieben Tastmodelle, eine inklusive App-Tour mit 17 Stationen zu wichtigsten Werken sowie über 300 laufende Meter taktiles Bodenleitsystem: Mit diesen Angeboten entsteht ein Museumserlebnis mit mehreren Sinnen, das behinderten und nicht behinderten Menschen offen steht. Vermittlungsmedien, die den Tastsinn ansprechen, stehen damit gleichberechtigt neben dem Einsatz neuester Technologien.

Zweidimensionale Highlights der Berlinischen Galerie – wie etwa „Der synthetische Musiker" von Ivan Puni und „Die Tür" von Werner Heldt – wurden taktil umgesetzt. So unterschiedliche Materialien wie Filz, Textil oder Holz vermitteln einen plastisch-stofflichen Eindruck des Originals.

Die neue, inklusive App kann bequem auf dem eigenen Smartphone genutzt und mit automatischer Auslösung gesteuert werden. Neben spannenden Hintergrundinformationen bietet sie spezielle beschreibende Texte, die eine genaue Vorstellung vom Original geben. Die App gibt zudem Orientierungshinweise, die in Kombination mit dem Bodenleitsystem einen eigenständigen Ausstellungsbesuch ermöglichen.

Mit dem selbständigen Zugang für blinde und sehbehinderte Menschen setzt das Haus schrittweise die Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention um, die den Ausstellungsbesuch „ohne fremde Hilfe" als Menschenrecht vorsieht. "Da gerade in unserer vielfältigen Gesellschaft unterschiedliche Zugänge zu Kunst und kulturellen Einrichtungen von großer Relevanz sind, verstehen die Kooperationspartner ihre Initiative ausdrücklich als inklusiven Ansatz", wird in der Pressemitteilung betont.

Mehr auf www.dbsv.org/museum.html

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