Diskussion zum Genesungszwang

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Thomas Künneke
Thomas Künneke
Bild: Thomas Künneke

Berlin (kobinet) Die Kellerkinder widmen sich im Rahmen einer Veranstaltung am 28. Oktober ab 18:00 in der Ebertystr.8, in 10249 Berlin dem Thema: "Genesungszwang? Bei dir piept's wohl!" Die Veranstaltung wird auch wieder im Livestream ab 19.00 Uhr übertragen.

"Das was ich bin und was viele Menschen an mir lieben ist auch ein Teil meines Andersseins. Hätte ich gewisse (gesellschaftliche) Erfahrungen, die mein seelisches Hindernis oder Behinderung begründen, nicht gemacht, würde es mich so nicht geben. Viele medizinische, therapeutische und psychosoziale Angebote zielen darauf, mich in eine vorgegebene Norm zu zwingen. Meine Form der Behinderung ist individualisiert und für Lösung wird mir erklärt, bin ich mit meist unter fremdbestimmter Fürsorge durch die Behandler*innen selbst verantwortlich. Für die Gruppe von Menschen mit seelischen Behinderungen werden keine 'Seelenbordsteine' pauschal abgesenkt. Jede*r Einzelne soll sein Anderssein an die gesellschaftliche Norm anpassen. Barrierefreiheit ist für diese Gruppe von Menschen mit Behinderung kein gesellschaftliches Thema. Ich soll gesund werden, mein 'Seelenbein' soll nachwachsen", schreibt der Inklusionsbotschafter Thomas Künneke von den Kellerkindern zur Ankündigung der Veranstaltung.

„Aktuelle Zahlen zur Verbreitung psychischer Erkrankungen in Deutschland bei Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren zeigen (bei Einschluss aller Krankheitsschweregrade), dass nahezu jede vierte männliche (22,0 %) und jede dritte weibliche (33,3 %) erwachsene Person im Erhebungsjahr zumindest zeitweilig unter voll ausgeprägten psychischen Störungen gelitten hat", zitiert Thomas Künneke aus der Zeitschrift Psychiatrischen Praxis 8/2015 Aufgrund dieser Zahlen könnte die Gesellschaft vielleicht schon einmal über Barrieren und deren Beseitigung nachdenken, findet er. "Natürlich führt mein Verhalten manchmal dazu, dass mich meine Außenwelt nicht versteht und Schwierigkeiten hat, einen Umgang mit mir zu finden. Und ich habe den Wunsch mein 'Leid' zu verringern. Aber ihr werdet und ich werde mich mit meinen wundervollen und wunderlichen Seiten erst einmal akzeptieren müssen. Und ich will der bleiben, der ich bin..."

Die UN-Behindertenrechtskonvention spreche von "Anderssein ist das Normale". Das Versorgungssystem orientiere sich in seinen Angeboten an einer "gesellschaftlichen Normfestlegung". "Wir, als Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit seelischen Hindernissen, möchten auf diesen Widerspruch eingehen und für Akzeptanz unseres Andersseins werben", heißt es weiter in der Ankündigung. "Unterstützt unsere Forderungen nach einer BRK-Enquete im Hilfesystem für Selbstbestimmung und Partizipation. Wir brauchen die Unterstützung, behinderungsübergreifend, weil von 'fremdbestimmter Fürsorge' vielen Behinderungsgruppen in stationären und ambulanten Einrichtungen betroffen sind.

Livestream der Veranstaltung unter http://seeletrifftwelt.de/livestream/