Bildungsangebote zum Empowerment

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ellen Kubica
Ellen Kubica
Bild: Ellen Kubica

Mainz (kobinet) Ellen Kubica will durch ihr Engagement u.a. erreichen, dass Werkstatträte und neue Frauenbeauftragte mit einer Fortbildungsreihe zum Empowerment mit Fähigkeiten und Wissen ausgestattet werden, damit sie sich selbst und andere in den Werkstätten und Einrichtungen mobilisieren und selbstbestimmt ihr Recht auf Mitwirkung ausüben können. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit der Mitarbeiterin des Fort- und Weiterbildungsbereichs Campus der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen (gpe) in Mainz, die zukünftig solche und andere Schulungen koordiniert und anbietet.


kobinet-nachrichten: Sie sind bei der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen (gpe) in Mainz für die Planung und Durchführung von Weiterbildungen zuständig. Was machen Sie und die gpe da genau?

Ellen Kubica: Die gpe ist seit über 30 Jahren in den unterschiedlichsten Feldern der Gemeindepsychiatrie aktiv und praktiziert "Leben und Arbeit" mit psychisch beeinträchtigten Menschen. Die verschiedenen Abteilungen der gpe unterstützen Menschen darin, im Rahmen ihrer Möglichkeiten einer (bezahlten) Beschäftigung nachzugehen. Dies kann der Wiedereinstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt, eine Anstellung in einem Inklusionsbetrieb oder eine Beschäftigung in einem der Werkstattbetriebe der gpe sein.

Campus ist der neue Fort- und Weiterbildungsbereich der gpe, den mein Vorgesetzter Volker Holl und ich seit Anfang 2017 neu aufbauen. Wir arbeiten nach dem Motto "Bildung inklusiv" und berücksichtigen von der räumlichen Barrierefreiheit bis zur Seminargestaltung so gut es geht, dass wir Weiterbildung für Menschen mit und ohne Behinderung anbieten wollen. Wie wichtig inklusive und im umfassenden Sinne barrierefreie Lernorte sind, weiß ich als Rollstuhlfahrerin nur zu gut. Zu den Kursen von Campus melden sich zum Beispiel selbst Betroffene und Menschen, die mit Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeiten, für unsere Seminare über psychische Erkrankungen an. Auch ein Seminar zum Achtsamen Umgang ist gleichermaßen wichtig und geeignet für Menschen mit und ohne Behinderung.

kobinet-nachrichten: Sie bieten demnächst ja auch eine bundesweit ausgeschriebene Empowerment-Schulung für Werkstatträte an. Warum ist es wichtig, eine Schulung zu dem Thema zu machen?

Ellen Kubica: Die Empowerment-Schulung für Werkstatträte ist uns wichtig, weil wir wissen, dass die Menschen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung mutig ihre eigenen Interessen vertreten müssen und auch wollen. Aber nicht jede Werkstatt ermutigt ihre Werkstatträte dazu. Wir wollen Werkstatträte (und auch neue Frauenbeauftragte) mit dieser Fortbildungsreihe mit Fähigkeiten und Wissen ausstatten, damit sie sich selbst und andere in den Werkstätten und Einrichtungen mobilisieren und selbstbestimmt ihr Recht auf Mitwirkung ausüben.

kobinet-nachrichten: Wenn man die Kosten für Weiterbildungen ohne Zuschüsse berechnet, sind die zum Teil recht teuer. Können Werkstatträte sich das überhaupt leisten? Oder gibt es da Finanzierungsmöglichkeiten?

Ellen Kubica: Wer Mitglied im Werkstattrat ist, hat das Recht darauf, dass die Werkstatt die Kosten für die Weiterbildung übernimmt. Zu der Fortbildung können sich auch neu gewählte Frauenbeauftragte anmelden. Auch sie haben ein Recht darauf, Fortbildungen zu besuchen und die Kosten von ihrer Werkstatt oder Einrichtung übernommen zu bekommen.

kobinet-nachrichten: Wie schätzen Sie den Bedarf für Weiterbildungsmaßnahmen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein, was ja eine Hauptzielgruppe der gpe ist?

Ellen Kubica: Der Bedarf ist sehr hoch. Psychisch erkrankte Menschen profitieren in hohem Maße von unseren Fortbildungen. Sie lernen sich mit ihrem Leben mit psychischen Erkrankungen konstruktiv auseinanderzusetzen. Leider sind die Einkommensverhältnisse der Menschen alles andere als gut. Viele psychisch beeinträchtigte Menschen haben keinen gesetzlich anerkannten Grad der Behinderung oder Schwerbehindertenausweis und kommen daher oft nicht in den Genuss einer Gebührenermäßigung. Deswegen sind diese Menschen leider von vielen Veranstaltungen ausgeschlossen.

Das Problem kann zumindest bei der Empowerment-Fortbildung für Werkstatträte umgangen werden. Die Werkstatt muss zahlen! Zukünftig werden wir uns auch um Aktion Mensch-Förderungen bemühen, um gerade für Menschen mit Behinderungen und/oder psychischen Beeinträchtigungen Ermäßigungen anbieten zu können.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für den Bereich, in dem Sie tätig sind, wünschen?

Ellen Kubica: Ich wünsche mir, dass Geld oder Barrieren keine Hinderungsgründe dafür mehr darstellen, dass Menschen ihr Recht auf Bildung, egal in welchem Bereich des Lebens, wahrnehmen können.

Für Campus wünsche ich mir, dass unsere (potentiellen) Teilnehmer*innen, also Menschen mit und ohne Behinderung, auf uns zukommen und ihre Wünsche und Bedürfnisse offen ansprechen. Nur so können wir uns weiterentwickeln und qualitativ hochwertige und informative Kurse anbieten. Denn für uns gilt, dass Bildung keine Einbahnstraße ist, sondern immer auch von konstruktivem Austausch lebt.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Link zu weiteren Infos über die Arbeit von Campus

Link zu Infos über die Empowerment-Schulung für Werkstatträte