Selbstbestimmung ohne Wenn und Aber

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Sigrid Arnade vor der Glaswand mit dem Grundgesetz
Sigrid Arnade vor der Glaswand mit dem Grundgesetz
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) "Die UN-Behindertenrechtskonvention muss überall gelten, auch in der Psychiatrie", so forderte es die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung und ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade auf der Kundgebung des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener (BPE) anlässlich des 17. Weltkongress der Psychiatrie in Berlin. Der BPE machte mit seiner "Demonstration für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie" auf die Verstöße gegen Menschenrechte aufmerksam.

Es bestünden immer noch erhebliche Defizite im Umgang mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Die Verantwortlichen blieben bislang untätig. "Selbstbestimmung bedeutet, selbst zu bestimmen und dabei eine Wahlmöglichkeit zu haben. Aber genau das wird Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen häufig verwehrt, weil sogenannte Expertinnen und Experten meinen, Bescheid zu wissen und über andere Menschen bestimmen zu dürfen. Damit muss endlich Schluss sein", machte Sigrid Arnade in ihrem Redebeitrag während der Kundgebung deutlich. "Wir fordern die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Das bedeutet die volle Rechts- und Handlungsfähigkeit in allen Bereichen. Das bedeutet: keine Freiheitsentziehung aufgrund einer Behinderung. Das bedeutet, dass es keine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung geben darf. Und das bedeutet die Achtung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit von Menschen mit Behinderungen ohne Wenn und Aber."

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) habe sich Deutschland dazu verpflichtet, die Menschenrechte von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu achten und alles zu tun, damit sie auch von anderen Menschen oder Institutionen nicht verletzt werden. Die ISL war gestern mit einem eigenen Symposium auf dem Weltpsychiatriekongress (WPA) vertreten und thematisierte die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Psychiatrie und fragte: "Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?".

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