Apps, die Sehbehinderte unabhängiger machen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Foto zeigt MyHandicap iPhone App
Foto zeigt MyHandicap iPhone App
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Frankfurt am Main (kobinet) Am 11. Oktober folgten zahlreiche BesucherInnen der Einladung der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ins Frankfurter Nordend. Am Tag der offenen Tür informierten sie sich über die vielseitigen Angebote der Stiftung im Bereich Beratung, Schulung und Freizeit. Besonders groß war das Interesse an Apps, die sehbehinderte Menschen unabhängiger machen.

Laut Schätzungen leben in Deutschland rund 1,2 Millionen blinde oder sehbehinderte Menschen. Allein in Frankfurt sind etwa 10.000 Personen betroffen. Doch trotz Normen und Richtlinien zur Barrierefreiheit, gibt es im Alltag von blinden und sehbehinderten Menschen noch immer viele Hindernisse. Ob lesen, einkaufen, waschen oder die Orientierung in einer neuen Umgebung – für all diese Dinge brauchen wir unsere Augen, heißt es in einer Presseinformation der Stiftung.

Orientierung durch Sprachsteuerung
Der digitale Fortschritt biete Blinden und Sehbehinderten die Möglichkeit, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. App-Entwicklungen tragen dazu bei, dass Blinde sich in ihrem häuslichen Umfeld besser zurechtfinden können. Auf Datenchips gespeicherte Audiodateien helfen unter anderem bei der Auswahl von Kleidung oder einer gewünschten CD. Die neue Version von „MindTags" gehe einen Schritt weiter. Die prämierte App des blinden Juristen und Übersetzers Erich Turner kann nun auch im Außenbereich und künftig in öffentlichen Bereichen eingesetzt werden. So biete die Anwendung Sehbehinderten Orientierungshilfe zum Beispiel in Gebäuden, im Nahverkehr oder an öffentlichen Plätzen. Eine Weiterentwicklung, die Betroffenen dazu verhilft, unabhängiger zu werden, findet die Stiftung.

Die App nutzt Bluetooth-Beacons, ein Sender-Empfänger-Prinzip, für weiter entfernte Übertragungsdistanzen von Daten. Für die Übermittlung im näheren Umfeld setzt MindTags auf NFC-Chips (Near Field Communication) und QR-Codes. Daten, die auf den Chips gespeichert sind, werden von der Sprachfunktion der App wiedergegeben, sobald sich der Nutzer im Umfeld des Datenspeichers befindet. Der Betroffene erhält somit eine Orientierungshilfe und kann gleichzeitig wichtige Informationen abrufen. "Die App sagt mir zum Beispiel, wo sich die Toilette in einem Gebäude befindet oder eine bestimmte Geschäftsstelle. Im Außenbereich könnte sie Sehbehinderten zukünftig ebenfalls helfen und sozusagen wie ein sprechender Stadtplan fungieren", erklärte Turner.

Ausstellung von Hilfsmitteln
Aber es gibt noch viele andere Produkte, mit denen Sehbehinderte ihre Lebensqualität verbessern und dadurch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das liegt auch der Frankfurter Stiftung am Herzen: Passend zum Motto „Den Alltag bei Blindheit und Sehbehinderung besser bewältigen" hat die Stiftung für ihre Gäste eine Ausstellung von Alltagshilfsmitteln durch die Firmen IPD und Baum organisiert. Betroffene konnten sich einen umfassenden Überblick verschaffen und die Produkte direkt mit nach Hause nehmen.

Mit zahlreichen Vorträgen informierten Fachleute der Stiftung über den Klassiker Punktschrift, es gab Informationen zum Thema Licht und Sehrest (Low Vision) und eine Smartphone-Beratung. Ein weiteres Highlight war ein Speckstein-Workshop mit den Materialien Ton und Speckstein, die blinde und sehbehinderte Menschen gut bearbeiten können und natürlich spielte auch die Band Blind Foundation auf. "Wir freuen uns über die positive Resonanz, die wir regelmäßig auf unser Angebot bekommen", so Andreas Enzmann, Vorstand der Frankfurter Stiftung, "das zeigt uns, wie wichtig die Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen ist."

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