Landesweites Netzwerk in Baden-Württemberg gefordert

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Emoji Inklusion
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Bild: Aktion Mensch e.V.

Tübingen (kobinet) Die Netzwerk-Konferenz Inklusion hat ein landesweites Netzwerk der Selbstvertretungen von Menschen mit Behinderungen in den Städten und Gemeinden gefordert. Bei der ersten Netzwerk-Konferenz Inklusion Baden-Württemberg trafen sich im Tübinger Sparkassen Carré mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg. Unter dem Motto “Vor Ort aktiv für Barrierefreiheit und Teilhabe“ versammelten sich Aktive aus der Selbstvertretung, kommunale Behindertenbeauftragte und Mitarbeitende von Einrichtungen.

Die wichtigste Forderung aller Teilnehmenden ist der Aufbau eines landesweiten Netzwerks mit einer zentralen Anlaufstelle zur Unterstützung der Arbeit von Behindertenbeiräten und anderen Formen der Selbstvertretung vor Ort. Auf diese Weise sollen die Selbstvertretung nach dem Prinzip „Nichts über uns ohne uns“ gestärkt und Menschen mit Behinderungen an Beteiligungsprozessen in Städten und Gemeinden im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention eingebunden werden.

Diese Forderung gaben die auf der Konferenz versammelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Landesbehindertenbeauftragte Stefanie Aeffner mit auf den Weg nach Stuttgart. Sie betonte in ihrem Abschluss-Statement die Bedeutung dieser Beteiligungsprozesse. Sie versprach gemeinsam mit einer Planungsgruppe das Thema weiter voranzutreiben. Sie hatte zuvor den ganzen Tag an der Konferenz teilgenommen und insbesondere auch in die Workshops am Nachmittag intensiv mit hineingehorcht.

Viele Menschen setzen sich in ihren Städten und Gemeinden aktiv für Barriere-Freiheit und Teilhabe ein. Hier leben die Menschen und erfahren in den täglichen Lebensvollzügen Ausgrenzung oder Teilhabe, Fremdbestimmung oder Selbstbestimmung. Menschen mit Behinderung wissen am besten, wo vor Ort (und anderswo!) der Schuh drückt, wo Barrierefreiheit entwickelt werden muss, was es braucht damit teilhabe verwirklicht werden kann. Beides sind unverzichtbare Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben! Daher bedarf es vor Ort kommunalpolitisch aktive und unabhängige Interessenvertretungen sowie behinderungsübergreifende Selbstvertretungsstrukturen. 

Im Einzelnen soll das Netzwerk zukünftig folgende Anliegen aufgreifen:
Sie soll eine zentrale Anlaufstelle steht den Aktiven vor Ort bei vielen Vorhaben, Fragen und Anliegen zur Seite. Beispielsweise fördert sie durch eine informative, interaktive Internetseite den Austausch zu guten Beispielen und erfolgreichen Strategien. Besonders gewünscht waren auch, dass aktuelle Informationen zu den Fördermöglichkeiten von inklusiven Projekten im kommunalen Bereich weiter gegeben werden. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit soll gemeinsame Anliegen aufgreifen und bekannt machen. Dabei muss auf eine diskriminierungsfreie Sprache und Bildauswahl von Menschen mit Behinderung in den Medien geachtet werden.

Als wichtig wird zudem das Einfordern von finanziellen Ressourcen für Empowerment und die Arbeit vor Ort erachtet. Beteiligung von Menschen mit Behinderungen – und insbesondere von Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen und Autistinnen und Autisten - ist ohne die Finanzierung beispielsweise von Fahrdiensten, Übersetzungen in Deutsche Gebärdensprache wie auch von auch Schulungen in Selbstvertretung und zu den politischen Strukturen in der Kommune nicht wirksam und nachhaltig sicher zu stellen.

Die Konferenz wurde von FORUM & Fachstelle INKLUSION in Tübingen, Club für Behinderte und ihre Freunde in Tübingen und Umgebung, Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart und Lotsinnen-und-Lotsen-Netzwerk Stuttgart und Umgebung. Sie wurde durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg und die Universitätsstadt Tübingen unterstützt sowie durch die GlücksSpirale gefördert.

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