Behinderte fordern Barrierefreiheit

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

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Bild: Aktion Mensch e.V.

Bochum (kobinet) Die Arbeitsgemeinschaft "Behinderte in Bochum" hat kürzlich für die Barrierefreiheit des Theaters der Stadt demonstriert. Nach einem Aufruf auf einer bekannten Social-Media-Plattform, trafen sich dazu in der vergangenen Woche knapp ein Dutzend Bochumer Bürgerinnen und Bürger vor dem Kulturhaus Thealozzi ein, um gegen die fehlende Barrierefreiheit des Theaters zu protestieren.

Hintergrund dieser Aktion war die Aufführung eines Stückes mit dem Namen “Inklusionsgefahr. Schwere Kost gut gewürzt” in einem Theatersaal der nicht barrierefrei erreichbar ist. Das Kulturhaus Thealozzi soll nach eigenen Angaben bei der Stadt Bochum einen Antrag gestellt haben um die bauliche Barrierefreiheit herstellen zu können, einen Aufzug einbauen zu lassen und somit allen kulturbegeisterten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt wenigstens den Zugang zu ermöglichen. Bisher ist jedoch nichts geschehen. Die Verantwortlichen der Stadt haben nicht gehandelt.

Die Aufführung eines Stückes welches sich zur Aufgabe macht das Thema Inklusion in die Breite der Gesellschaft zu tragen, in einem Theatersaal im ersten Obergeschoss, welches nur über eine große Treppe zu erreichen ist, empfinden viele mobilitätseingeschränkte Bürgerinnen und Bürger als Hohn. Auch ließen die Homepage und das Werbematerial jedwede Transparenz in der Kommunikation hinsichtlich der Erreichbarkeit der Räumlichkeiten missen. Die, nach Bekanntwerden des Protest-Aufrufs etwa drei Stunden vor der Aufführung, auf den Internetseiten des Thealozzi Theaters auftauchende Information, man sei leider noch nicht barrierefrei, aber es käme jeder rein, denn zusammen habe man bisher immer geschafft alle rein zu bekommen, ist hierbei nur ein müder Trost.

Die Zeiten in denen sich Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen die Treppen rauf und runter tragen lassen müssen, sind ein für alle mal vorbei. Offensichtlich ist das Menschenrecht Behinderter nach Art. 30 der Behindertenrechtskonvention auf gleichberechtigte Teilhabe mit anderen am kulturellen Leben, der Stadt entweder nicht bekannt, oder schlichtweg egal.

Inklusion betreffe schließlich nicht nur Rollstuhlfahrer, so die telefonische Auskunft des Veranstalters. Dem stimmt auch die AG Behinderte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bochum voll und ganz zu und stellt fest: "Inklusion betrifft Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen aller Arten. Im Kulturbetrieb setzt dies unter anderem flächendeckende Maßnahmen zur barrierefreien Gestaltung von Veranstaltungen mit Angeboten wie Audio-Deskription, Schriftdolmetscher beziehungsweise Gebärdendolmetscher, aber eben auch barrierefreie Zugangsmöglichkeiten voraus. Wenn diese fehlen ist man eben, nicht inklusiv!"

Eine solche Haltung, wie die des Thealozzi Theaters, ist wertet die Arbeitsgemeinschaft als direktes Ergebnis der städtischen Inklusionspolitik. Das Bekenntnis der Stadt Bochum, eine inklusive Stadt sein zu wollen, muss nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft endlich Handlungen nach sich ziehen. Es reicht dabei nicht symbolträchtige Arbeitskreise zu gründen und Ämter zu schaffen, wie die kommunale Inklusionskonferenz und das Amt eines / einer Inklusionsbeauftragten. Auch die einzelnen Dezernate und Akteurinnen und Akteure, wie in diesem Beispiel der Kulturrat, sind gefordert endlich ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und Inklusion in ihrem Verantwortungsbereich umzusetzen. Dabei dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger nicht mit dem Argument leerer Kassen abspeisen lassen. Inklusionsherstellung und -erhaltung ist eine bereichsübergreifende Aufgabe und muss als dauerhafter Posten in den jeweiligen Etatplänen Berücksichtigung finden.

Die Forderung der friedlich und still Protestierenden ist eindeutig. Ohne Transparente und Trillerpfeifen suchen sie das Gespräch um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen: „Wir fordern ein starkes Signal an die Stadt, diesen Missständen endlich ein Ende zusetzen! Schluss mit der Symbolpolitik zur Inklusion! Handelt endlich!“ Dabei haben die Protestierenden der Autorin und Hauptdarstellerin des Stückes die Entscheidung überlassen, entweder die Veranstaltung abzusagen und aus Solidarität mit all denjenigen, die aufgrund der fehlenden baulichen Barrierefreiheit nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, nicht auf die Bühne zu treten, oder aber die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu aufzufordern am Montag bei der Stadt anzurufen und die flächendeckende Herstellung von Inklusion im Kulturbereich zu fordern.

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