10 Jahre außerklinischer Intensiv Kongress

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Zahl 10
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Bild: kobinet/ht

München (kobinet) Der 10. MAIK (Münchner außerklinischer Intensiv Kongress) am 27. und 28. Oktober 2017 unter der Schirmherrschaft von Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, hatten wieder viele hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland angelockt. Denn die Versorgung außerklinisch beatmeter Kinder und Erwachsener ist längst kein Nischen- oder Orchideenthema mehr. Die Veranstalter zogen nun ein Fazit zu diesem mittlerweile 10. Kongress.

Tagtäglich werden aus den Kliniken Menschen entlassen, die nicht mehr eigenständig atmen können, in der Annahme, die intensivpflegerische und medizinische Versorgung würde dann schon "irgendwie klappen". Dass dem nicht so ist, war eine der wichtigsten Botschaften des zweitägigen interdisziplinären Fachkongresses, bei dem alle Berufsgruppen, die in der außerklinischen Intensivversorgung tätig sind, vertreten waren. Dazu gehören Wissenschaft, Medizin, Pflege, Therapie, Sozialpädagogik, Casemanagement, das Sozialrecht, Krankenkassen, MDK und die Medizintechnik. Letztere führte nicht nur Workshops durch, sondern stellte ihre Innovationen auch auf einer, in diesem Jahr noch größeren Ausstellung vor. Die Kongresspräsidenten Jörg Brambring und Christoph Jaschke, beide gelernte Krankenpfleger und seit fast 20 Jahren Geschäftsführer eines ambulanten Intensivpflegedienste, betonten in ihren Eingangsstatements, wie wichtig es sei, eine Lobby für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu sein und sie in den Kongress einzubinden, heißt es im Kongressfazit.

So haben sie eine Plattform, um nach außen zu kommunizieren, was für sie zu einer bestmöglichen Versorgung gehört. Zum 10. MAIK waren so viele Betroffene wie noch nie gekommen, und wieder gestalteten sie selbst den Kongress als Referent*innen mit. Auch der MAIK Award ging erstmals an eine behinderte Frau, die beatmet wird. Die Preisträgerin Dinah Christine Radtke zählt zu den wohl bekanntesten Behindertenaktivistinnen Deutschlands. Unter anderem nahm sie von 2004 bis 2006 an den Verhandlungen über die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen in New York teil und engagiert sich derzeit für die dringend notwendige Assistenz im Krankenhaus für alle Menschen mit Behinderung.

In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden kam eine Fülle an wichtigen Themen zur Sprache, so die Querschnittlähmung, die neue S2k-Leitlinie, Hygiene, das Sozialrecht, das Sorgerecht, die medizinisch-pflegerische häusliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie deren Übergang ins Erwachsenwerden. Auch Liebhaber von praktischen Übungen kamen in Workshops mit Schwarzlicht, speziellen Techniken des Sekretmanagements oder mit Musikinstrumenten, die in der Musiktherapie genutzt werden, auf ihre Kosten. Für Menschen, die nicht mehr Schlucken können, gibt es inzwischen gute Ansätze, und ein Referent, der nach einem Schlaganfall nur noch mit den Augen zeigen konnte, dass er bei klarem Verstand ist, erklärte den Unterschied zwischen Wachkoma und Locked In. Doch auch modernste Technik wie eine Datenbrille, Gehirn-Computer Interfaces und Exoskelette werden vorgestellt.

Was begeisterte und diese beiden Tage so kostbar machte, waren neben der Fülle an Informationen die vielen persönlichen Begegnungen und Gespräche. Es sei immer wieder beeindruckend, mit welchem Engagement jeder in seinem jeweiligen Arbeitsgebiet tätig ist. Und jeder brauche den anderen, damit ein außerklinisch beatmeter Mensch dann tatsächlich optimal versorgt ist. Dass es daran immer mehr mangele, zumal es viel zu wenig qualifizierte Pflegekräfte und Hausärzte gibt, die in der sog. "Heimbeatmung" bewandert sind, sei eine Tatsache. Hier sei vor allem die Politik gefordert, die die Rahmenbedingungen setzt und ändern müsse, heißt es in dem Bericht.

Den ersten Impuls mit dem Titel "Hilfe, wenn der Boden unter den Füßen schwindet" gab in diesem Jahr Christine Bronner, die Geschäftsführerin und Gründerin der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München AKM. Die Sozial- und Musikpädagogin sowie Therapeutin und Fachfrau für Palliative Care zeigte, wie viele traumatisierte Menschen es gibt und dass sie unbedingt in Krisensituationen aufgefangen werden müssen. Und, das betonte sie ausdrücklich, dass dies für jeden Menschen zu gelten habe, egal aus welchem Land und Kulturkreis dieser komme.

Um die bereits bestehenden Versorgungsengpässe aufzufangen, ist eines der Ergebnisse des Kongresses die Aufforderung an alle Verantwortlichen, mehr miteinander zu kooperieren. So wurde zum Beispiel IDA NRW, eine neue Interessengemeinschaft der Anbieter Außerklinischer Intensivpflege vorgestellt, die neue Wege für eine bessere Versorgung der betroffenen Menschen einschlägt. Beim nächsten MAIK am 26. und 27. Oktober 2018 wird man sicherlich mehr erfahren, wie erfolgreich das Netzwerken an beiden Kongresstagen war.

Weitere Infos gibt's unter www.maik-online.org