Förderschule als Bildungsfalle

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Für dumm erklärt. Nenads zweite Chance
Für dumm erklärt. Nenads zweite Chance
Bild: WDR

Der WDR-Film "Für dumm erklärt. Nenads zweite Chance" hat den Medienpreis der Kindernothilfe gewonnen. Bereits zum 19. Mal zeichnete die Kinderhilfsorganisation auf einer Gala in Berlin Journalistinnen und Journalisten aus, die sich in ihren Beiträgen in herausragender Weise mit Kinderrechten und Kinderrechtsverletzungen beschäftigen. In der Sparte TV wurden die Autorinnen Gülseli Baur und Cornelia Uebel für den Film geehrt, der erstmals im Oktober 2016 in der Sendereihe "Menschen hautnah" ausgestrahlt wurde.

Der Film erzählt die Geschichte von Nenad aus Köln, der trotz normaler Intelligenz elf Jahre auf Sonderschulen für Schüler mit geistiger Behinderung unterrichtet wurde. Kurz nach seiner Einschulung war der Junge wegen Lernschwierigkeiten und fehlender Sprachkenntnisse als geistig behindert eingestuft worden. Das Etikett "geistig behindert" wurde er nicht mehr los. Jahr für Jahr schrieben die Sonderschullehrer die Einstufung fort, obwohl aus den Förderplänen erkennbar ist, dass sie den Schüler Nenad für deutlich leistungsfähiger hielten.

Nenad selbst fühlte sich all die Jahre "falsch" auf der Sonderschule und forderte mehrfach die Schule wechseln zu dürfen. Dies wurde niemals in die Tat umgesetzt. Auch die zuständige Schulaufsicht wurde nicht aktiv. Erst kurz vor seinem 18. Geburtstag gelang Nenad mit Hilfe des Kölner Roma-Aktivisten Kurt Holl und mit Hilfe des Elternvereins mittendrin e.V. der Wechsel auf ein Berufskolleg, auf dem er mit Bestnoten den Hauptschulabschluss ablegte. In der Sonderschule "Geistige Entwicklung" hätte er keinen Schulabschluss machen können. Mit einem Abgangszeugnis dieser Schule wäre er auf dem Ausbildungsmarkt chancenlos gewesen.

Seit März dieses Jahres klagt Nenad vor dem Landgericht Köln gegen das Land NRW auf Schadenersatz für seine vermurkste Bildungslaufbahn. Inzwischen wurde ein Gutachter eingesetzt um zu klären, ob das Handeln der Lehrer und der Schulaufsicht rechtlich vertretbar war.

Elternvertreter bezweifeln, dass der Fall Nenad ein Einzelfall ist. Im Dezember des vergangenen Jahres forderte der Verband "Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen" vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrungen mit zweifelhaften Gutachten und Entscheidungen das NRW-Schulministerium auf, die Förderschulen im Land daraufhin zu überprüfen, ob sie falsch eingestufte Schülerinnen und Schüler unterrichten. Das Schulministerium beließ es bisher bei der Anweisung an die Schulen, die jährliche Überprüfung des Förderbedarfs ernster zu nehmen.

Link zum Film (in der Mediathek noch bis 09.03. 2018 verfügbar)

Lesermeinungen zu “Förderschule als Bildungsfalle” (3)

Von kirsti

Schließe mich der Meinung T.N. an, „Integration“ bedeutet nicht, dass man seine Muttersprache vergisst und verleugnet. Integration im Sinne von zwei oder mehreren Kulturen friedlich nebeneinander ist ein Gewinn für alle. Es ist schade, dass einige Integrationsbefürworter, leider auch viele Eltern, deren eigentliche Muttersprache russisch, polnisch, rumänisch ist … mit ihren Kindern ausschließlich Deutsch sprechen, so dass mit der Sprache auch die Kultur der ehemaligen Heimat verloren geht.- Diese Tendenz zur angeblich „guten“ Integration, die auch in den Schulen und von einigen Logopäd*innen gefördert wird, kann ich in unserer Nachbarschaft beobachten.

Von TN

Link zu der Petition, die ebenso Nicht-Sorb/innen und Nicht-Wend/innen unterschreiben mögen und können, siehe https://www.change.org/p/ministerin-ernst-witaj-muss-bleiben-wir-eltern-k%C3%A4mpfen-den-sorbisch-wendisch-unterricht-unserer-kinder

https://sprachennetz.org/2017/05/online-petition-fur-weiterfuhrung-des-sorbisch-unterrichts-in-brandenburg/

Für im Sorbischen sprachliche Neulinge, siehe ebenso der Sorbisch-Rundfunk vom Rundfunk Berlin-Brandenburg: äußerst hörenswert, auch wenn jemand des Sorbischen und des Wendischen nicht sprachkundig ist; einfach die Sprachmelodie, die Aussprache und die Musik ... einfach reinhören und anschauen: https://www.rbb-online.de/luzyca/
https://www.rbb-online.de/radio/sorbisches_programm/sorbisches_programm.html
http://www.niederlausitz-aktuell.de/niederlausitz/65837/petition-zur-rettung-des-sorbisch-und-witaj-unterrichts-in-der-lausitz.html

Von TN

Passt (zugegebenermaßen) inhaltlich nicht ganz zu der oben stehenden Veröffentlichung, aber von mir wird hier dennoch angedockt, da das Thema Bildung generell betreffend und die Verwüstung der Bildung, mit dem bildungsfrevelpolitischen Ticket der sPD

Im Land Brandenburg werden ganze Landstriche von der Bildung abgekoppelt. Die ins Brandenburgische, aus dem Westen (Schleswig-Holstein) importierte (sPD) Frau, die im Land Brandenburg als Bildungsministerin (ihres ehelichen Standes: Olaf Scholzens Ehefrau; ja, genau _der_ Olaf Scholz, der in Hamburg [als OB] regiert) eingesetzt wurde und diesen Posten offensichtlich nur spielt, schafft Sprache und Sprachbildung ab.
Kulturelle Verwüstung der Lausitz inbegriffen.
Frau Bildungsministerin will nicht mehr den Unterricht in wendischer Sprache (Beginn des Wendenlandes südlich von Königs Wusterhausen und bis in den Landkreis Oder-Spree hineinragend) und in sorbischer Sprache (Spreewald, Cottbuser Gegend; geht nach Sachsen über und zieht sich bis in die Bauzner Gegend hin) in den Bildungseinrichtungen (ab den Kindertagesstätten aufwärts) nicht mehr lehren und nicht mehr lernen lassen.
In der DDR war selbst dies ein No-Go, was von der sPD-Bildungstanta jetzt veranstaltet wird. Ein bildungs- und kulturpolitisches Inferno für die Lausitz!
Das letzte Mal wurden in der Weise die Sorben und die Wenden, ihre Kultur und ihr Sosein (übrigens: Hinweis auf die Ansiedlung von Wenden in Berlin im Ortsteil Köpenick des Stadtbezirkes 'Wendenschloß' des Stadtbezirkes Treptow-Köpenick von Berlin) in der Nazizeit verfolgt. Die Sorben und die Wenden gehören zu der Volksgruppe der Slawen und die Slawen wurden in der Nazizeit als Untermenschen verfehmt und ermordet.
Nun schickt sich die ins Brandenburgische, aus dem Westen importierte 'Bildungs'ministerin an, das Sorbische und das Wendische zu eliminieren.
So schafft man auch Ungebildete. Ganz ohne Hilfe der Förderschulen und deren Personal.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.