Neues Medizinisches Zentrum in Hannover

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Petra Wontorra
Petra Wontorra
Bild: Tom Figiel

Hannover (kobinet) Petra Wontorra, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen, begrüßt die Eröffnung des Medizinischen Zentrums für erwachsene Menschen mit Behinderungen in Hannover. Das Bruno-Valentin-Institut sei das erste Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) in der Region Hannover, sowie eines der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.

"Der medizinische Fortschritt führt dazu, dass Menschen mit Behinderungen angeborene Beeinträchtigungen öfter und länger überleben. Gleiches kann man auch über später erworbene Beeinträchtigungen sagen, 95 Prozent der Behinderungen werden im Laufe des Lebens erworben. Dies bedarf einer guten Versorgung nicht nur im Kindes-, sondern auch im Erwachsenen-Alter. Die Versorgung in Sozialpädiatrischem Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen richtet sich an diese Zielgruppe. Es fehlt bislang an fachübergreifenden Weiterbehandlungen im Erwachsenenalter. Die Versorgungslücke wird schon lange beklagt", erläutert Petra Wontorra. "Um bestmögliche medizinische Versorgung auch für erwachsene Menschen mit komplexen Behinderungen zu gewährleisten, brauchen wir spezifische Angebote und Expertinnen und Experten, die sich auf schwere Mehrfachbehinderungen eingestellt haben. Nicht jeder Arzt oder jede Ärztin kennt sich mit jeder unterschiedlichen Behinderung und den Auswirkungen auf andere Fachgebiete aus. Und: Nicht jedes Symptom ist einer Erkrankung oder Behinderung zuzuordnen.“

Viele Menschen mit Behinderungen seien im Erwachsenenalter von unterschiedlichen Beeinträchtigungen betroffen. Beispielsweise gäbe es Menschen mit einer Körper- und Mehrfachbehinderung und einer psychischen Erkrankung. In den MZEB‘s werde gezielt auf notwendige Belange eingegangen. Dies sei auch im Sinne der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Die Landesbeauftragte betont daher: "Es fehlen deutschlandweit Zentren, die kompetent 'aus einer Hand' arbeiten. Wir kennen das von Tumorkonferenzen bei krebserkrankten Menschen oder von Konferenzen bei Schmerzpatientinnen und –patienten", betont Petra Wontorra. Die Gesundheitsversorgung müsse auch bei komplexen Behinderungen sichergestellt werden. Erwachsene Menschen mit geistigen und/oder komplexen Mehrfachbehinderungen müssen sich bisher im "Dschungel" der diversen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zurechtfinden. Das sei nicht immer einfach, denn nicht jede Praxis ist barrierefrei und auf die Bedarfe dieser Menschen eingerichtet. Oft scheitert es an einem fehlenden Lift oder einer barrierefreien Toilette. Nicht überall könnten die Menschen in den bestehenden ambulanten Strukturen ausreichend versorgt werden oder es existiere regional keine ausreichende Versorgung. Manche Erwachsene möchten sich vielleicht eine kompetente Zweitmeinung einholen. Als Voraussetzung für eine gute medizinische und therapeutische Versorgung müssen die Umweltbedingungen an die Bedarfe von erwachsenen Menschen mit schweren Behinderungen angepasst sein, dazu zählen: Barrierefreier Zugang zu Ärztinnen und Ärzten sowie zu Therapeuten/Therapeutinnen, Leichte Sprache oder Methoden der Unterstützten Kommunikation, Blindenschrift oder die Möglichkeit, Gebärdensprachdolmetscher/Innen zu nutzen und weiteres. Dies alles ist nur selten in den Praxen gegeben, betont die niedersächsische Landesbehindertenbeauftragte.

 

 

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