Cl-Implantation zwangsweise?

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Karin Kestner
Karin Kestner
Bild: Verlag Karin Kestner oHG

Schauenburg (kobinet) Eltern sollen gezwungen werden, ihr Kind CI implantieren zu lassen. Davor warnt heute Karin Kestner. Aufgrund der Anzeige des Chefarztes einer HNO-Klinik soll jetzt eine Richterin über die beidseitige Implantation eines zweijährigen gehörlosen Kindes gehörloser Eltern entscheiden.

Auf ihrer Webseite schreibt die Verlegerin und Gebärdensprachdolmetscherin, dass sich der Chefarzt der HNO-Klinik Braunschweig dazu verstiegen habe, Eltern beim Jugendamt (über eine große Rechtsanwaltskanzlei) anzuzeigen. Das Jugendamt hat den Fall dem Familiengericht übertragen. Am 20.11. 2017 gibt es eine erste Anhörung in einem südniedersächsischen Familiengericht (Amtsgericht).

"Es wird also eine Richterin zum ersten Mal in Deutschland damit auch indirekt über das Schicksal von jährlich ca. 1000 neugeborenen gehörlosen Kindern entscheiden müssen und einen Präzedenzfall schaffen", stellt Kestner fest. Die Konsequenz wäre, dass dann alle gehörlosen Kinder der nächsten CI-Klinik zugeführt würden. Denn, so begründet der Prof. der Klinik - Zitat: „Die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben, die für uns wie für jeden anderen in dieser Position gelten, sehen gerade bei diesen Patienten vor, dass in Fällen, in denen eine medizinische Behandlung gravierenden Einfluss auf die Lebensführung haben kann, weder der Behandler noch die Sorgeberechtigten nur allein und unbegleitet eine Entscheidung treffen, sondern eine fachkundige externe Unterstützung hinzugezogen werden kann.“

Lesermeinungen zu “Cl-Implantation zwangsweise?” (10)

Von kunibert276

Was soll denn dass, solange eine adäquate sichere Kommunikation zwischen Kind und Eltern möglich ist sollte sich der Staat (hier die behandenden Ärzte) aus der Erziehung heraushalten. Sollte sich die Situation im Schulalter ändern kann man sowohl das Kind als auch die Eltern unter Zuhilfenahme entsprechender Kommunikationsunterstützung neu entscheiden lassen.

Solange keine Kindeswohlgefährdung vorliegt ist jede Einmischung des Staates ein schreiendes Unrecht.

Von fdotter

Liebe Leute, Es ist ganz wichtig, eine solche Sache allenfalls rechtlich bis ans Ende durchzuhalten und nicht wegen eines ersten negativen Urteils aufzugeben. D.h. Ihr müsst durch die Instanzen zuerst in Deutschland bis zum Bundesverfassungsgericht. Dann gibt es noch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und die UNO (OHCHR) in Genf (aus Österreich ist nach mehreren Jahren Gerichtsverfahren jetzt die erste Beschwerde einer Gehörlosen dort gelandet). Was allfällige Kosten betrifft: Vorsorgen und schauen, wer z.B. spendet bzw. das Verfahren bezahlt (es gibt auch Prozessfinanzierer). Also: nicht jammern, durchstehen und auch die Verantwortlichen hart angehen, aber ohne sich dem Vorwurf der Hasspostings auszusetzen. Ich stimme TN zu: Da steht die zwangsweise medizinische Behandlung aller möglichen Behinderungen im Raum (das ist übrigens ein gutes Argument gegen die Anzeige).

Von Karin Kestner

Es kann und darf niemanden Außenstehenden geben, der über das Wohl des Kindes entscheidet.
Der Fall liegt nun bei Gericht. Der Richterin bleiben zwei Möglichkeiten. Sorgerechtsentzug für die medizinische Sorge oder den Fall gar nicht richten oder dem Jugendamt, die den Fall ans Geicht gegeben haben mitzuteilen, dass die Eltern entscheiden und sonst niemand. Die Klinik und der Prof. werden die Eltern und das Kind in keinem Falle mehr sehen!

Die Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Eltern haben das Recht auf die Planung und Durchführung ihrer Lebensmodelle und dürfen ihr Leben mit den Kindern gestalten, wie sie es für richtig halten. (Lebensführung)

hier das Bundesverfassungsgerichtsurteil in Auszügen:

"Es „kann keine Kindeswohlgefährdung begründen, wenn die Haltung oder Lebensführung der Eltern von einem bestimmten, von Dritten für sinnvoll gehaltenen Lebensmodell abweicht und nicht die aus Sicht des Staates bestmögliche Entwicklung des Kindes unterstützt (BVerfG, Beschluss vom 19. 11.2014 -1 BvR 1178/14 Rn 29)
Auch die Vorstellung der beteiligten Institutionen (Jugendamt, Ergänzungspfleger) von gelungener Erziehung und Förderung des Kindes darf nicht an die Stelle des Erziehungskonzepts der Mutter gestellt werden, denn dies ist nicht die Aufgabe des staatlichen Wächteramtes."

Dem asnzeigenden Prof. wird aufzuzeigen sein, dass sein Fehlverhalten konsequenzen haben wird.

Karin Kestner

Von TN

P. S.: Mit dem, was von mir als 'Widerfahren in der (korrekt heißt es) Nachkriegszeit (und nicht: Nahkriegszeit) und betrifft die Zeit nach 1945 bis hoch in die 1980er Jahre (1990er? Jahre) bezeichnet wurde, sind Alle angesprochen: Bewegungsbehinderte (Rollstuhlfahrer/innen, Fußgänger/innen, Erkrankte an Lunge, Leber, Niere etc., Ex- und jetzige Heimbewohner/innen aller Altersstufen, BRD, DDR, Jetztzeit und so weiter und so fort), blinde und sehbehinderte Menschen, Menschen, die eine Zeit in der Psychiatrie verbracht haben oder grade dort verbringen.
Mensch, wacht auf! Mensch wachen Sie auf!

Von TN

1) Für die Familie und das Mädchen, das mittels Gebärden spricht.
Weshalb nicht den Arzt ad hoc wechseln?
Stichwort: _Freie_ Arztwahl.

2) Bitte jede/r die Familie und das kleine Kind unterstützen, dem in der Nahkriegszeit Ähnliches im deutschen Medizinsystem widerfuhr.

Von TN

2) @ gj.info t online.de
Der vorherige Leserbrief von mir ist ebenso an Sie, gj.info t online.de, gerichtet. Und der Leserbrief hier ebenso.

Meine Aussage:
Na, politisch rechtslastige Schlagseite scheint Ihre Aussage schon zu haben, indem Sie schreiben: "... Die Eltern sollten darüber stolz sein ein hörendes Kind zu haben. ..."
Dann sind (Ihrer Meinung nach) gebärdende Kinder (das Wort 'gehörlos' mag ich nicht verwenden und verwende es auch nicht) unglücklich, kein Grund, auf sie stolz zu sein? ...
Provokant frage ich Sie:
Möchten Sie eine Singer'sche-Schlagseiten-Diskussion entfachen?

Von TN

@
Sie schreiben: "... Unbedingt sollte auf die Problematik des Kindes hingewiesen werden was für Vorteile es hätte das Kind in einer echten hörenden Welt aufwachsen zu sehen. Die Eltern sollten darüber stolz sein ein hörendes Kind zu haben. ..."
Nein und nein, Sie können die Eltern _nicht_ zwingen, ihr Kind verstümmeln oder mit einem Implantat bestücken zu lassen. Gleichsam müssten Rollstuhlfahrer/innen gezwungen werden, sich nutzlosen! Therapien zu unterziehen und das Exoskelett anzulegen. Auch dies zählt, wie die gewaltsame Einführung eines CI in das Kind, zu groben Körperverletzungen.
Die Ärzteschaft hat wohl *vergessen*, dass sie genauso zwanghaft während des zweiten Weltkrieges vorging, allerdings waren dort die Worte: 'Zum Wohle des Behinderten, wen wir den/die töten." Das war nicht Töten, sondern ein tausendfaches (Er)Morden.

Von gj.info t online.de

Statt einer Zwangsimplantation sollte eine vernünftige und von einer erfahrenen Person die sich in allen Lagen auskennt über die Gehörlosenkultur. Jemand der das Verhalten der Gehörlosen studiert hat und wieso sie eben so sind und wieso die Gehörlosen so auf ihre eigene Welt pochen.
Unbedingt sollte auf die Problematik des Kindes hingewiesen werden was für Vorteile es hätte das Kind in einer echten hörenden Welt aufwachsen zu sehen. Die Eltern sollten darüber stolz sein ein hörendes Kind zu haben. Das müsste eigentlich akzeptabler klingen als ein Kind aufwachsen zu sehen das das ganze Leben mit komplikationen bestückt wird wie es die Gehörlosen erleben und erlebt haben. Kampf um Barrierefreiheit wäre für das Kind kein Thema mehr und bestimmt wird es die Eltern unterstützen in den weiteren Lebensjahren weil es für die frühere Zeit eben keine Möglichkeit gab Gehörlose hörend zu machen.
Also sehr wichtig ist richtige Aufklärung über Vor- und Nachteile.

Von Bleibpositiv

Ich selber bin gehörlos und finde es sehr wichtig, dass die Eltern sich gegen die Bevormundung wehren sollen. Wir sollten sie alle unterstützen. Denn wir müssen verhindern, dass die Macht der Ärzte so groß ist, dass wir nichts dagegen mehr entgegenwirken können. Für mich ist es so, dass alle Kinder so geboren sind und sich ihre körperliche Unversehrtheit erhalten, soweit es keine Bedrohung auf ihr Leben darstellt. Sie müssen mit ihren Schwächen und körperlichen Einschränkungen ohne Wenn und Aber akzeptiert werden. Darum müssen ihre Rechte - also Kinderrechte - unbedingt gewahrt bleiben.

Von TN

Was sagt hierzu die Landesbehindertenbeauftragte von Niedersachsen, Wontorra?
Von ihr habe ich noch nicht einmal hier bei kobinet einen Leserbrief gelesen! Empörend!
Na ja, Frau Wontorra ist wohl eher für die Edelbehinderten, (?)

Und nicht vergessen: Was von dem offensichtlich in den ärztetechnisch polit-geschichtlich rückwärtsgewandten Fußspuren wandelnden Arzt mit dem CI grade gemacht wird, könnte auch andere Behinderte mal betreffen: die zwangsweise Zuführung zur ärztlichen Behandlung!

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