Der Kampf für Selbstbestimmung lohnt sich

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Martin Hackl
Martin Hackl
Bild: Susanne Göbel

Bad Kissingen (kobinet) Gestern konnte Martin Hackl seinen 53. Geburtstag feiern und auf einige positive Entwicklungen im Kampf um Selbstbestimmung und die richtige Unterstützung zurückblicken. Vor einigen Monaten hatten Martin Hackl und seine Freunde und Verwandten Alarm geschlagen, weil der Bezirk jegliche Kommunikationsassistenz ablehnte. Mittlerweile wurde hier u.a. auch durch die Unterstützung von Oliver Tolmein von der Kanzlei Menschen und Rechte eine vorläufige Einigung erreicht. Das Fazit für Martin Hackl ist daher: "Für seine Rechte kämpfen ist mühsam und kostet unheimlich viel Kraft, aber es ist wichtig und lohnt sich."

"Sauer, sauer und nochmal obersauer", so kommentierte Ingrid Stubenvoll die erfolgte Ablehnung von Eingliederungshilfen für Martin Hackt durch den Bezirk Unterfranken in einem kobinet-Bericht vom 6. Juli 2017. "Mich ärgert der Bezirk Unterfranken, weil er behinderten Menschen wie Martin Hackl mit hohem Pflegebedarf die Teilhabe am Leben einfach abspricht", schrieb damals Ingrid Stubenvoll, die mit Martin Hackl befreundet ist, als Reaktion auf eine mittlerweile länger andauernde Auseinandersetzung für Kommunikations- und Teilhabehilfen mit dem Bezirk Unterfranken. Der Ärger und der Kampf hat sich mittlerweile gelohnt, denn vor allem auch die Interventionen von Oliver Tolmein von der Kanzlei Menschen und Rechte haben letztendlich einen entscheidenden Beitrag für eine Einigung für die Förderung der nötigen Kommunikationsassistenz für Martin Hackl geleistet. Seit August 2017 bekommt er nun die nötige Unterstützung und kann sich dadurch endlich besser mitteilen. Die Regelung gilt vorläufig zwar nur bis April nächsten Jahres, aber aufgrund der nun guten Zusammenarbeit mit dem Bezirk sieht Martin Hackl eine gute Basis für passende Hilfen auch in der Zukunft.

Vor allem die Zusammenarbeit mit Dr. Julius Deutsch des in Berlin ansässigen Vereins kommhelp hat in den letzten Monaten für Martin Hackl einige Türen für eine bessere Kommunikation gebracht. Wenn es darum geht, kreative Lösungen zur Verbesserung der Kommunikation von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu finden, sind Julius Deutsch und kommhelp gute Ansprechpartner. 

Und dann hat Martin Hackl, der sich in den letzten Jahren aus einer großen Einrichtung zu einem Leben in einer kleinen Wohngruppe im Herzen von Bad Kissingen gekämpft hat, noch einen großen Erfolg errungen. Er war einer der ersten behinderten Menschen in Bayern, die über die Stiftung Anerkennung und Hilfe Geld für das ihm entstandene Unrecht und Leid in Behinderteneinrichtungen erhalten hat. Die Aufarbeitung dieser Zeit war für Martin Hackl und seine UnterstützerInnen zwar nicht leicht, aber auch hier hat er nun ein kleines Stück mehr Gerechtigkeit erfahren.