Beichtspiegel der Nation

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Corinna Rüffer
Corinna Rüffer
Bild: Irina Tischer

Trier (kobinet) In ihrem Newsletter vor Weihnachten erinnert Corinna Rüffer an Heinrich Böll, der in diesen Tagen seinen hundertsten Geburtstag feiern würde. Er suchte nach einem „bewohnbaren Land", so die Bundestagsabgeordnete der Grünen: Ein unfassbar schwieriges Unterfangen, nachdem der Nationalsozialismus alle Menschlichkeit getilgt hatte.

„Der Beichtspiegel der Nation, falls Sie Ihr Gewissen prüfen möchten, ist das Grundgesetz", zitiert die Abgeordnete (als Ungläubige) den gläubigen Katholiken. Der Schriftsteller, Nobelpreisträger und Teilnehmer der Aktionen in Mutlangen gegen Pershing-II-Raketen hat sehr unter den Anfeindungen seiner Zeit gelitten. "Nun gibt es politisch Verantwortliche, die nicht ihr Gewissen prüfen, sondern viel lieber den 'Beichtspiegel' manipulieren möchten", so Rüffer. "So zielt die anhaltende Forderung der CSU nach einer 'Obergrenze' auf den ohnehin geschundenen Artikel 16 a GG. Scham darüber möge den 'Christsozialen' Söder überkommen, wenn er am Heiligen Abend die Geflüchteten in der Krippe betrachtet."

Lesermeinungen zu “Beichtspiegel der Nation” (6)

Von rgr

Es verhält sich so, wie der bekannte Staatsrechtslehrer Carl Schmitt schon früh prognostizierte. Der Staat - Aufbau und Wirkungsweise. https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt

Von rgr

Für Themen des Gewissens zur Ostdeutschlandpolitik hast Du recht. Angleichung der Löhne, Soli und soziale und kulturelle Mindestausstattungen sind aber keine Dauerbrenner und können sich mit Sicherheit nicht messen.

Das Angebot dürfte nicht mit Jahreseinkommen enden, wie sie bei Geschäftsführern sozialer Einrichtungen üblich sind. Das Angebot an Beichtgelegenheiten fängt dort erst an. Thierse rangiert da am unteren Ende der Möglichkeiten.

Von Behindert_im_System

Zitat:

"Ich stelle mir das so vor, das die Abgeordneten einen vertrauenswürdigen, älteren Mann mit weißem Bart und Hausausweis haben."

Moanst des könnt der Thierse sein?

Von rgr

@Behindert_im_System

Ich stelle mir das so vor, das die Abgeordneten einen vertrauenswürdigen, älteren Mann mit weißem Bart und Hausausweis haben. Der Herr Geheimrat nimmt dann die Beichten entgegen und erteilt Absolution. Anschließend werden die so erhobenen Daten anonymisiert, gesammelt und ausgewertet. Eben katholisch oder analog zu katholischen Praktiken.

Und nun muß Söder zur Beichte. Bätschie!

Von rgr

Grundrechte im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Ein weites, weites Feld tut sich da auf und eine Geschichte des Verfassungsrechtes noch hinzu. Ich hatte das Glück an den Seminaren und Vorlesungen des Juristen, Politikwissenschaftlers und Bürgerrechtlers Jürgen Seifert in Hannover teilzunehmen.

Es hat nur wenige Verfassungsrechtler gegeben, die die Entwicklung des Grundgesetzes über Jahrzehnte so kritisch begleiteten haben. Berufsverbote gegen Linke und die Freiheitlich demokratischen Grundordnung als Gesslerhut des kalten Krieges. Jürgen Seifert ließ nichts anbrennen.

Wir sollten uns öfter und eindringlicher zu Verfassungsfragen verständigen.

Ein frohes neues Jahr, wünscht
der Götz

Von Behindert_im_System

@von Corinna Rüffer
Zitat:

„Der Beichtspiegel der Nation, falls Sie Ihr Gewissen prüfen möchten, ist das Grundgesetz", zitiert die Abgeordnete (als Ungläubige) den gläubigen Katholiken.

Ich wusste noch gar nicht, dass der Deutsche Bundestag beim letzten Umbau den Abgeordneten derartige Möglichkeiten geschaffen hat. Nun würde mich interessieren wer da im Spiegel erscheint und den Bekräftigern und Festigern der Würde des Menschen die Beichte abnimmt? Die Spiegel sind immer schwieriger zu putzen, da das Putzmittel Ehrlichkeit, Würde, Gerechtigkeit und was es noch für Substanzen gibt, immer wieder vom Schadstoff „Heuchelei“ zersetzt wird und dann natürlich der Spiegel sich seinem gegenüber anpasst. Die Zeiten, in welchen wir mit Zeitung den Spiegel putzen sind doch schon sehr lang vorbei und da helfen auch keine Newsletter mehr die Realität anders zu erklären, als wir sie seit Jahrzehnten selbst wahrnehmen.

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