Behinderungen erleben

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Desideria C. beim Ein-Hand-Frühstück
Desideria C. beim Ein-Hand-Frühstück
Bild: Carsten Rensinghoff

Witten (kobinet) Das Seminar "Peer Support - Behinderung erleben", der Fakultät für Kulturreflexion - Studium fundamentale der Universität Witten/Herdecke hatte gestern der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben, Behinderung im Alltag einmal selbst zu erleben. In der Shoppingmall der StadtGalerie in Witten konnten die Menschen beim Rollstuhlparcours, beim Spiegelzeichnen oder beim Brötchen schmieren mit einer Hand selbst Erfahrungen mit Behinderung machen.

Auf diese Weise ist es möglich die vielfältigen Barrieren, auf welche Menschen mit Behinderung häufig stoßen, am eigene Leib zu spüren. Bereits beim Spiegelzeichnen bekamen einige Grenzen zu spüren. Hie musste ein Stern nach dem Spiegelbild der Vorlage nachgezeichnet werden und die Probandinnen und Probanden durften nur in den Spiegel schauen. "Die Linien gerade zu zeichnen war eine Herausforderung", stellte die 21  jährige Sarah fest. "Auch die Richtungen richtig einzuschätzen war schwieriger als erwartet" sagte sie.

Beim Einhandfrühstück sollten die Menschen einhändig mit der nicht dominanten Hand ein Brötchen aufschneiden und mit Portionsware, wie es sie in Hotels oder Krankenhäusern oft noch gibt, zubereiten . "Auf jeden Fall sehr schwierig", gestand Leo dabei ein und meinte: "Wäre für mich nichts auf Dauer!" Dem stimmte Simon zu: "Dachte, ich würde mich cleverer anstellen und nicht wie ein Neandertaler."

Schließlich waren die Geschäfte in der StadtGalerie in Witten mit dem Rollstuhl zu erkunden. Hierbei war Jan von der besonders ungewöhnlich Perspektive beeindruckt."In den Geschäften sind alle Werbetafeln viel zu hoch aufgehängt," stellte er fest, "Auch beim Bezahlen wird es richtig schwierig. Aber die Passanten waren alle sehr hilfsbereit." Wie Clemens so haben auch andere hervorgehoben, dass dieser Tag für alle eine spannende Erfahrung war. "Ich habe mit mehr Problemen im Einkaufszentrum gerechnet," gestand er ein, aber, so sagt er: "Wenn man an höhere Regale nicht herangekommen ist, haben schnell Leute ihre Hilfe angeboten. Auch wenn einen mehr Blicke getroffen haben als gewöhnlich habe ich diese keineswegs als unangenehm empfunden."

Diese Veranstaltung im öffentlichen Raum bot auch die  Möglichkeit zu vielen Gesprächen mit Passanten, bei denen auch andere Erfahrungen geäußert wurden. So berichtete eine Frau, die ihren Namen nicht genannt hatte: "Ich habe selbst zwei behinderte Kinder und leider auch viele negative Erfahrungen gemacht. Mein geistig behinderter Sohn wurde gehänselt und ich musste mir bei  meiner zweiten Schwangerschaft Sprüche anhören, wie: -Wieso bekommen Sie weitere Kinder, wenn Ihr Erstes schon behindert ist?- Meine Kinder sind umgezogen und fühlen sich jetzt sehr wohl. Ich freue mich, dass Sie mit einer solchen Aktion für mehr Verständnis in der Gesellschaft sorgen!"

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