Goldener Rollstuhl auf der CMT verliehen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Logo des ZsL Stuttgart
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Bild: ZsL Stuttgart

Stuttgart (kobinet) Der Höhepunkt der Präsentation des Stuttgarter Zentrums selbstbestimmt Leben (ZsL) auf der Reisemesse CMT ist die jährliche Verleihung des "Goldenen Rollstuhls". Mit ihm zeichnet das ZsL Anbieter aus, die das Reisen für Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen besonders barrierefrei ermöglichen. Dieses Jahr hat das ZsL Stuttgart auf der Showbühne des Südwestrundfunks den "Goldenen Rollstuhl" in vier Kategorien verliehen.

Peter Epp vom ZsL sagte zu Beginn der Verleihung: "Es ist uns ein Bedürfnis, einmal im Jahr denen Danke zu sagen, die sich darum bemühen, dass Menschen mit Behinderung bequem und ohne Sorgen reisen können.“ Friedrich Müller, der 1. Vorsitzende des ZsL, betonte in seiner Ansprache: "Es ist auch heute noch etwas Besonderes, zum Beispiel ein barrierefreies Hotel zu finden."

Der erste "Goldene Rollstuhl“ wurde in der Kategorie "Reisebroschüren und Online-Reiseführer" an das Alpenregion Tegernsee Schliersee Kommunalunternehmen vergeben. "Die Alpenregion Tegernsee Schliersee gilt als eine der schönsten und am besten erschlossenen Tourismusregionen Bayerns und Deutschlands“, sagte Laudator Friedrich Müller. Seit 2016 gibt es nun auch einen Reiseführer zu barrierefreien Angeboten in dieser herrlichen Seen- und Berglandschaft. Das in erster Linie auf Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen ausgerichtete Angebot beschreibt in fünf Unterkategorien ein breites Spektrum barrierefreier Angebote in der Region in den Bereichen Essen & Trinken, Übernachtung, Aktiv sein, Kultur erleben sowie Mobilität & Service. Der Reiseführer ist sehr übersichtlich, und auf Besonderheiten sowie mögliche Einschränkungen hinsichtlich der Barrierefreiheit wird dabei ausdrücklich hingewiesen.

Der "Goldene Rollstuhl" in der Kategorie "Reiseveranstalter und Reisebüros" ging an den Zwingenberger Omnibusbetrieb von Johannes Fischer. Mit seinen für den Transport von behinderten und mobilitätseingeschränkten Menschen ausgestatteten Bussen bietet das Unternehmen insbesondere Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern herausragenden Reisekomfort. Über einen Hublift können die Fahrgäste problemlos in die Busse gelangen. Ein mobiler Deckenlift im Innenraum bringt sie bei Bedarf zu ihren Sitzen. Darüber hinaus sind Gurtsysteme zur variablen Befestigung der Rollstühle verfügbar. Über den Deckenlift ist auch eine geräumige Behindertentoilette erreichbar und somit für die mobilitätseingeschränkten Menschen problemlos nutzbar.

In der Kategorie "Kultur und Freizeit" ging der "Goldene Rollstuhl" an den Thüringer Nationalpark Hainich.
Der Hainich, im westlichen Teil des Bundeslandes Thüringen gelegen, ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Ein großer Teil des Gebiets bildet seit nunmehr über 20 Jahren den Nationalpark Hainich, der dazu beitragen soll, in Mitteleuropa im Laufe der Zeit wieder einen naturbelassenen Urwald entstehen zu lassen. Flora und Fauna des Nationalparks sollen neben Wissenschaftlern auch einem breiten freizeit- und kulturinteressierten Publikum zugänglich sein. In diesem Zusammenhang wurden auch mehrere barrierefreie beziehungsweise barrierearme Angebote geschaffen, die in ihrer Vielfalt einzigartig sind. Unter anderem gibt es den Baumkronenpfad, der insbesondere über einen Aufzug auch für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen weitgehend barrierefrei zugänglich ist. Auf barrierefrei gestalteten Wanderwegen, wie zum Beispiel den Erlebnispfaden Brunntal und Silberhorn, können gerade auch Blinde und Sehbehinderte sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen das Naturerlebnis Wald mit den unterschiedlichsten Sinnen wahrnehmen. "Die Gestaltung der Erlebniswelt eines Nationalparks erscheint als dynamischer Prozess und ist ständigen Veränderungen unterworfen“, resümierte der 1. ZsL-Vorsitzende Friedrich Müller. "Bei der Umsetzung wurde unter oftmals nicht einfachen Voraussetzungen auch die Barrierefreiheit berücksichtigt beziehungsweise Barrieren wurden, wenn möglich, in vielen Bereichen von den Organisatoren reduziert", lobte Müller den Nationalpark Hainich.

Das Schlosshotel am Hainich im thüringischen Dorf Behringen war der Preisträger in der Kategorie "Hotels und Unterkünfte". Es blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück, bevor es nach der Wende und vom mehrmaligen Besitzerwechsel zu einem – zumindest für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen – barrierefreien Urlaubs- und Tagungshotel umgebaut wurde. So wird es zum einen von behinderten Menschen in zunehmendem Maße zum konzentrierten Tagen und Arbeiten genutzt und zum anderen von vielen Erholungssuchenden für kurze oder längere Urlaubsaufenthalte. Für mobilitätseingeschränkte Menschen werden verschiedene Hilfsmittel wie zum Beispiel Pflegebetten, Hebelifter und Rollatoren gegen Aufpreis zur Verfügung gestellt. 18 von 25 Zimmern sind barrierefrei, ebenso die Räumlichkeiten und Flure. Im Schloss selbst gibt es zwei Dauerausstellungen über den nahegelegenen Nationalpark und zur Geschichte der Gegend um Bad Langensalza. Die Ausstellungen sind ebenfalls barrierefrei zugänglich. Das Hotel bietet zudem auch zu verschiedenen Jahreszeiten unterschiedliche Arrangements an, mit denen der Tourist verschiedene Höhepunkte dieser einzigartigen und geschichtsträchtigen Naturlandschaft erleben kann.

Alle Angebote der Gewinner des "Goldenen Rollstuhls" wurden außerdem mit der bundesweit gültigen Kennzeichnung im Bereich Barrierefreiheit "Reisen für Alle" ausgezeichnet. Das Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart hat den "Goldenen Rollstuhl" in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal verliehen.

Das Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) Stuttgart ist eine Beratungsstelle, in der Menschen mit Behinderung arbeiten. Sie beraten Menschen mit Behinderung zu vielen verschiedenen Themen. Wie man mit Behinderung möglichst barrierefrei reisen kann, ist auch eine Fragestellung, der sich die Mitarbeiter*innen im ZsL Stuttgart widmen. Deshalb ist das Zentrum selbstbestimmt Leben bereits seit 20 Jahren regelmäßig mit einem Stand auf der Stuttgarter Urlaubsmesse CMT vertreten. Dort erhalten interessierte Besucher*innen Informationen rund um das Thema barrierefrei Reisen.