Erfahrungen in Rundfunk-Aufsichtsgremien

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: Radio Bremen

Bremen (kobinet) Die Vertreterinnen und Vertreter behinderter Menschen in den Rundfunk- und Fernsehräten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kamen am 12. Januar zum ersten Mal im Funkhaus von Radio Bremen zusammen, um sich auszutauschen. Darauf hat die Pressestelle des Senats der Freien Hansestadt Bremen hingewiesen.

Die Repräsentanten des Bayerischen Rundfunks, von Radio Bremen, SWR, WDR und ZDF würden es sehr begrüßen, wenn bald auch aus den anderen ARD-Anstalten, namentlich dem HR, MDR, NDR, RBB und dem Deutschlandradio, Vertreterinnen und Vertreter behinderter Menschen dazustoßen würden. Hierzu müssen die jeweiligen Bundesländer ihre Rundfunkgesetze oder Staatsverträge ändern, was in Anbetracht von 10,2 Millionen Menschen mit einer Behinderung in Deutschland als geboten erscheint, um zum einen den Belangen dieser Personengruppe ausreichend Gehör zu verleihen, aber auch dem der Besetzung der Gremien zugrundeliegenden Kernanliegen der Meinungsvielfalt zu genügen, heißt es in der Presseinformation.

Die Vertreterinnen und Vertreter behinderter Menschen sprechen sich dafür aus, dass behinderten Menschen in Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Programmangebot der öffentlich-rechtlichen Sender ermöglicht wird. In den letzten Jahren sind hierbei in den meisten Bereichen teils erhebliche Verbesserungen erreicht worden, es ist jedoch noch ein weiter Weg zu gehen, um der Barrierefreiheit weiter Vorschub zu leisten. Kurzfristig fordern die Vertreterinnen und Vertreter behinderter Menschen daher insbesondere:

Mehr Nachrichtensendungen und Talk-Runden mit Gebärdensprachdolmetschern für gehörlose Menschen und mit schriftlichen Sprachinformationen für schwerhörige Zuschauer,

mehr Regionalsendungen in Gebärdensprache und „Leichter Sprache", da diese Beeinträchtigungsgruppen zurzeit insbesondere im Regionalfernsehen kaum mit einem entsprechenden Angebot versorgt werden,

eine deutliche Ausweitung der Quote von Sendungen mit Audiodeskription für sehbehinderte Zuschauer.

Unbedingt notwendig ist in Zeiten von Crossmedialität und Digitalisierung zudem, dass bei der Entwicklung und Verbreitung von Webseiten und Apps die Barrierefreiheit für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen von Anfang an mitgedacht wird, sodass neue Angebote umfassend barrierefrei an den Start gehen. Dies ist leider kürzlich bei der neuen „Audiothek-App" nicht der Fall gewesen. Das nachträgliche Herstellen der Barrierefreiheit ist jedoch nach Ansicht der Behindertenvertreterinnen und -vertreter die schlechtere Lösung und kostet meistens wesentlich mehr Geld.

Mit Blick auf die zurzeit häufig geäußerte Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk beziehen die Vertreter behinderter Menschen eine klare Position: „In Hinblick auf die Programm- und Meinungsvielfalt sind die Öffentlich-Rechtlichen ein unverzichtbarer Garant für die Demokratie; bei der Barrierefreiheit ihrer Programme sind sie auf einem guten Weg und haben im Vergleich zu den Privaten klar die Nase vorn. Trotzdem bedarf es weiterer Anstrengungen, um dem Ziel der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen näher zu kommen. Um dieses zu erreichen, ist es erforderlich, den Prozess ressourcenmäßig abzusichern. Wir appellieren daher an die Politik, im Rahmen der Verhandlungen um die Zukunft des Rundfunkstaatsvertrags dafür zu sorgen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierfür mit ausreichenden Finanzmitteln ausgestattet wird."

"Das Treffen hat gezeigt, dass es noch einiger Anstrengungen bedarf, um die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen voranzubringen. Die nachhaltige Weiterentwicklung barrierefreier Angebote ist ein Prozess, für den es einen langen Atem braucht. Durch unseren Zusammenschluss, der eine dauerhafte Einrichtung werden soll, wollen wir gewährleisten, dass dieser Prozess langfristig und personenunabhängig begleitet werden kann", erklärte Arne Frankenstein, der von den Bremer Verbänden behinderter Menschen in den Rundfunkrat von Radio Bremen entsandt wurde, gegenüber den kobinet-nachrichten.