Mehr Attraktivität durch deutliche Lohnsteigerungen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

VDBA Logo
VDBA Logo
Bild: VDBA

Berlin (kobinet) Deutliche Lohnsteigerungen in der Langzeitpflege sind eine wichtige Voraussetzung für die Attraktivität des Pflegeberufes, sagt der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) Die jüngste Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unterstreicht erneut die Forderung des VDAB, dass die Höhe der Löhne und Gehälter in der Langzeitpflege deutlich angehoben werden müssen. Neben besseren rechtlichen Rahmenbedingungen sei dies ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Berufes vor allem im Vergleich zu anderen Tätigkeiten.

Dazu Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des VDAB: „Natürlich ist die Höhe des Gehalts gerade in der Langzeitpflege nur einer von den Gradmessern, worin sich die Wertschätzung für einen Beruf zeigt. Ihn zu unterschätzen hieße jedoch, die Lebenswirklichkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ignorieren. Tatsächlich haben sie nach wie vor einen hohen Nachholbedarf im Vergleich zum den Fachberufen aller Branchen.

Das IAB stellt fest, dass der Median der monatlichen Bruttoentgelte der Vollzeit-Fachkräfte in der Altenpflege zwischen 2012 und 2016 um 9,4% gestiegen ist. Gegenüber den Fachkräften aller Branchen ist dies eine leicht überdurchschnittliche Steigerung. Diese haben ein Plus 8,6%. Das sieht auf den ersten Blick gut aus. Aber nur auf den ersten Blick. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn die absoluten Zahlen betrachtet werden. Der Lohnabstand der Fachkräfte in der Altenpflege zur den Fachkräften aller Branchen betrug 2012 im Bundesschnitt 489 Euro pro Monat. 2016 war er auf 512 Euro angestiegen.

Wie wir alle wissen, lebt niemand von Prozenten.“ Als völlig unakzeptabel bezeichnet der VDAB Lohnunterschiede zwischen Ost und West. Der Abstand zu Lasten der Mitarbeiter in den neuen Ländern liege bei rund 20%. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung sei dies ein Armutszeugnis für unser System. Auch das beweist, dass die Kostenträger gefordert sind, es den Einrichtungen zu ermöglichen, ihren Mitarbeitern endlich angemessene Entgelte zahlen zu können. Ebenso wenig akzeptabel seien die Entgeltunterschiede zwischen den Bundesländern. Wer als Fachkraft in der Altenpflege in Niedersachsen arbeite, bekomme dafür monatlich gut 2.400 Euro. Wer in den Nachbarländern Hamburg oder Nordrhein-Westfalen pflege, erhalte jedoch über 2.800 Euro für dieselbe Arbeit. Auch hier sollten sich nach Ansicht des VDAB die Kostenträger ihrer Verantwortung für eine angemessene Entlohnung der Pflegekräfte bewusster werden.

Wie groß die Lücke zwischen den Sonntagsreden der Politiker und der Lebenswirklichkeit in den Pflegediensten sei, habe sich erneut im Zuge der sogenannten Pflegestärkungsgesetze gezeigt. Dazu Thomas Knieling: „Es ist schon ein großes Stück Selbstverleugnung im Spiel, wenn sich allen voran die Regierungsparteien im Bundestagswahlkampf darin überbieten, die bedeutsame Rolle der Professionelle Pflege in der Gesellschaft zu betonen und dieselben Politiker noch kurz davor die Vergütung für die Beratungsbesuche beim Bezug von Geldleistungen gesetzlich auf höchstens 23,00 bzw. 33,00 Euro in den höheren Pflegegraden begrenzt haben. Zugleich wurde die Selbstverwaltung verpflichtet, dafür Qualitätsstandards festzulegen. Das ist pflegepolitische Heuchelei, denn es ist offensichtlich, dass zu diesem Preis keine umfassende qualitative Beratung von Pflegebedürftigen möglich ist. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wieviel der Politik die Leistung von Pflegekräften auch finanziell tatsächlich wert ist!“

Lesermeinungen zu “Mehr Attraktivität durch deutliche Lohnsteigerungen” (2)

Von Gisela Maubach

Das Wort "Wertschätzung" macht doch die ganze Scheinheiligkeit des Themas deutlich.

Meinem 30-jährigen Sohn, der seine Geburt nur mit Hilfe von Intensivmedizin überlebt hatte und seitdem unter epileptischen Anfällen und schwerster geistiger Behinderung leidet, wechsele ich nun seit eben diesen 30 Jahren die Windeln und habe seinen extrem hohen Betreuungs- und Pflegebedarf (Pflegegrad 5) täglich 24 Stunden an 7 Tagen pro Woche gedeckt - abgesehen von Schul- und sehr lückenhaften WfbM-Besuchen.

Wenn ich diese Tätigkeit nun im Alter von 60 Jahren in andere Hände geben möchte, werde ich vom Kostenträger wie eine Schmarotzerin behandelt und werde in Gerichtsverfahren gezwungen.

Obwohl ich zusätzlich noch teilzeit-erwerbstätig bin, so dass ich die Leistung ALG II noch nie in Anspruch nehmen musste, wird meine zu erwartende Rente im 3-stelligen Bereich bleiben.

Soviel zum Begriff "Wertschätzung" . . .

Von kirsti

„Deutliche Lohnsteigerungen in der Langzeitpflege sind eine wichtige Voraussetzung für die Attraktivität des Pflegeberufes, sagt der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) Die jüngste Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unterstreicht erneut die Forderung des VDAB, dass die Höhe der Löhne und Gehälter in der Langzeitpflege deutlich angehoben werden müssen. Neben besseren rechtlichen Rahmenbedingungen sei dies ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Berufes vor allem im Vergleich zu anderen Tätigkeiten.“

Den Sinn des obigen Artikels verstehe ich nicht. Sind wir inzwischen zu Lobbyisten des „Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB)“ geworden? Bedeutet dies, dass wir uns auf den endgültigen Weg in Richtung „Pflege in Alten- und Behindertenheimen“ aufgemacht haben und uns mit stationär vor ambulant abfinden? Setzen wir uns nicht mehr uneingeschränkt für Assistenz in unserem eigenen und/oder selbst gewählten Wohnumfeld ein? Wenn ich irgendetwas falsch verstanden haben sollte, bitte um Aufklärung.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.