NS-Verbrechen an behinderten Menschen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Verena Bentele bei der Kranzniederlegung am 27.01.2017
Verena Bentele bei der Kranzniederlegung am 27.01.2017
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Der morgige Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert auch an die systematische Ermordung behinderter Menschen. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele, stellte heute fest: „Immer wieder muss ich auch heutzutage erleben, dass Menschen darüber urteilen, welches Leben als lebenswert oder besonders wertvoll angesehen wird und welches nicht. Das ist in meinen Augen die Grundlage für Gräueltaten, wie sie im Nationalsozialismus geschehen konnten. Mit dem Gedenken setzen wir ein wichtiges Zeichen für Respekt und Toleranz, damit sich die Geschichte nicht wiederholt."

Zu den Opfern systematischer Ermordung der Nationalsozialisten gehörten Menschen, die als wertlos, als „lebensunwert", als „nutzlose Esser" deklariert wurden. Bis zu 300.000 Menschen mit sogenannten geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderungen wurden im sogenannten „Euthanasie"-Programm ermordet, zuvor oftmals zwangssterilisiert wie noch einige tausend Menschen mit Beeinträchtigungen darüber hinaus. Im letzten Jahr stand besonders der hunderttausendfache Mord an unschuldigen kranken oder beeinträchtigten Menschen im Mittelpunkt des Gedenkens im Deutschen Bundestag.

Dieses Jahr findet die Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am 31. Januar statt. Am gleichen Tag legt die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Gedenken der Opfer mit Beeinträchtigungen um 11 Uhr am Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie"-Morde einen Kranz nieder. In der Tiergartenstraße 4 ist während der NS-Zeit die „Aktion T4" geplant und koordiniert worden.

Lesermeinungen zu “NS-Verbrechen an behinderten Menschen” (2)

Von Annika

Ich möchte ergänzen, dass das um sich greifende rechte Gedankengut letzlich auch nicht vor Menschen mit Behinderungen Halt machen wird. Inklusion fängt mit der inneren Einstellung an!
Das Erwünschtsein z.B. bei Menschen mit Down Syndrom gibt es vor der Geburt eher nicht (siehe Pränataldiagnostik). Später dann soll eine Inklusion erfolgen. Was ist denn das für eine Botschaft- auch für Leute, die nichts damit zu tun haben???
Sind sie jetzt gewollt oder vielleicht doch nicht?

Von Gisela Maubach

Zitat aus dem Beitrag:

„Immer wieder muss ich auch heutzutage erleben, dass Menschen darüber urteilen, welches Leben als lebenswert oder besonders wertvoll angesehen wird und welches nicht."

Richtig - heute erleben wir zwar keine Euthanasie-Morde mehr, aber als Mutter eines Menschen mit schwerer geistiger Behinderung stelle sich seit Jahren sehr deutlich eine Unterscheidung zwischen "brauchbaren" (= arbeitsfähigen) und "nicht brauchbaren" Menschen mit Behinderungen fest.

Wer heutzutage kritisiert, dass darüber geurteilt wird, welches Leben als wertvoll angesehen wird und welches nicht, darf nicht gleichzeitig darüber hinwegsehen, dass "nicht brauchbare" Menschen mit Behinderung vorrangig in Sondereinrichtungen in "Gruppen mit vergleichbarem Bedarf" untergebracht werden (unter Missachtung des Rechts auf Inklusion), obwohl sie durch ihr Verhalten deutlich machen können, dass sie außerhalb dieser Sondereinrichtung eine Lebensqualität haben könnten!

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