Gut vorbereitet für Beratung zum Budget für Arbeit

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: kobinet/omp

Jena (kobinet) Das Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen hat sich nicht nur fachlich gut auf das bundesweite Inkrafttreten der Regelungen zum Budget für Arbeit im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes am 1. Januar 2018 vorbereitet. Die Beratungsstelle verzeichnet auch schon erste Erfolge. Und dies nicht zuletzt, weil ein Sozialhilfeträger in der Region dies im Vorfeld des Inkrafttreten der gesetzlichen Regelungen gut unterstützt hat. Dies erfuhr kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul im Interview mit Ines Muskalla vom Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (JZsL).

kobinet-nachrichten: Seit 1. Januar diesen Jahres gilt das Budget für Arbeit bundesweit. Das dürfte auch auf Ihre Beratungsarbeit vor Ort in Thüringen Auswirkungen haben?

Ines Muskalla: Ja, wir hatten auch schon im letzten Jahr mehrere Anfragen. Ein Sozialhilfeträger in der Region hat sogar 2017 schon ein Budget bewilligt, weil es ja "2018 sowieso kommt". Wir haben uns fachlich vorbereitet und können jetzt konkrete Unterstützungsangebote unterbreiten. Auch die Stadt Jena ist sehr an der Förderung von Alternativen zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) interessiert.

kobinet-nachrichten: Wie ist das genau gelaufen, dass behinderte Menschen so schnell ein Budget für Arbeit in Anspruch nehmen und ihre Arbeit außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen aufnehmen konnte?

Ines Muskalla: Zum Inkrafttreten der Regelungen zum Budget für Arbeit im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes ist es uns pünktlich zum 1. Januar 2018 gelungen, eine Person mit dem Budget für Arbeit aufzunehmen, jedoch handelt es sich dabei nicht um das erste Budget, das wir begleiten. Bereits 2009 haben wir gemeinsam mit einer Familie ein Budget für Arbeit erkämpft. Die Ratsuchende, welche jetzt frisch dazu gekommen ist, kam letztes Jahr zu uns in die Beratungsstelle. Hierbei wurde uns zunächst von der Ratsuchenden erzählt, dass sie im Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet, jedoch schnellstmöglich eine Alternative zur Werkstatt sucht. Weiterhin berichtete man uns, dass das Thema Budget für Arbeit bereits länger im Raum stand, jedoch sich von Seiten der Ämter nichts gerührt hat. Daraufhin entschieden sich die Ratsuchende und der bereits vorhandene Betrieb dafür, Druck zu machen. Sie erfuhren vom JZsL und baten uns um Unterstützung. Wir halfen bei der Konzeptentwicklung und freuen uns, dass der Antrag auf das Budget für Arbeit durch die Agentur für Arbeit bewilligt wurde. Seit dem 1. Januar 2018 übernehmen wir die übergreifende Kompetenzbildung. Wir bieten dem/der Budgetnehmer/in die Möglichkeit, innerhalb einer Gruppe bestimmte Schlüsselqualifikationen zu entwickeln oder zu vertiefen. Der Betrieb übernimmt parallel dazu die berufliche Qualifizierung.

kobinet-nachrichten: Welche Vorteile bringt das Budget für Arbeit aus Ihrer Sicht?

Ines Muskalla: Das Budget für Arbeit ermöglicht es Menschen mit einer Behinderung einen selbstbestimmten Weg ins Arbeitsleben einzuschlagen. Es bietet ihnen die Möglichkeit, nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu arbeiten, sondern auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Besondere am Budget für Arbeit ist, dass es auf die Person individuell abgestimmt werden kann. Benötigt Der- oder Diejenige mehr Unterstützungsbedarf, kann dies über das Budget gefördert werden. Gleichzeitig entlastet es die Arbeitgeber/innen. Diesen wird die Angst davor genommen, Menschen mit Behinderung einzustellen, oftmals befürchten diese Mehrkosten bzw. Mehraufwand. Mit dem Budget für Arbeit können diese Ängste aufgefangen werden.

kobinet-nachrichten: Gibt es Nachteile?

Ines Muskalla: Bisher sind uns keine bekannt. Allerdings müssen die Eltern sehr engagiert sein. Wo das nicht der Fall ist, fehlt die ermutigende Beratung für Interessenten gerade aus dem Umfeld der Werkstätten und Schulen.

kobinet-nachrichten: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass sich die Türen der Werkstätten für behinderte Menschen breitflächig zu sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt öffnen, bzw. was müsste dafür noch getan werden?

Ines Muskalla: Zunächst einmal muss ich sagen, dass es nicht so einfach ist, etwas zu den Chancen zu sagen. Der Grund hierfür ist, dass sich noch sehr viel verändern muss, sowohl auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, als auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und den zuständigen Ämtern, wie der Agentur für Arbeit oder dem Sozialamt. Öffentlichkeitsarbeit ist hier ein wichtiger Punkt, wenn nicht sogar der wichtigste, denn das Budget für Arbeit muss bei den Arbeitgebern, Mitarbeiter/innen in einer Werkstatt und Berater/innen in Ämtern ankommen. Obwohl das Rückkehrrecht in die Werkstatt und die Sozialversicherung nunmehr geregelt ist, wird den Interessenten immer noch Angst gemacht, dass es für sie keinen Weg zurück gibt, wenn das Arbeitsverhältnis scheitert. Hier haben auch wir noch viel zu tun.

kobinet-nachrichten: Die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung wird auch die Landschaft in Thüringen verändern, wann geht es bei Ihnen mit der Beratung so richtig los?

Ines Muskalla: Der Landesverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Thüringen konnte bereits am 1. Januar beginnen. Für die Stadt Jena und den Saale Holzlandkreis geht es wahrscheinlich am 1. April los. Neben einigen Anlaufschwierigkeiten, die sich aus dem Bescheid ergeben haben, sind wir aber doch sehr froh, dass wir nunmehr gut planen können und nicht auf die wesentlich geringe Ausstattung unserer Beratungsstelle im Rahmen freiwilliger Leistungen angewiesen sind. Es hat auch bereits ein erstes Treffen mit anderen ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTBs) in Thüringen stattgefunden, denn Vernetzung ist sehr wichtig.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.