Zu wenig für inklusive Bildung

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Corinna Rüffer
Corinna Rüffer
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Die Unionsparteien und die SPD lassen Schulen hängen, sagt die Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer.

In ihrer Stellungnahme zur Vereinbarung im Entwurf für einen Koalitionsvertrag, Bildung mit mehr als fünf Milliarden Euro aus Bundesgeldern zu fördern, erklärt sie, dass es an der Zeit ist, dass sich Bund und Länder einig werden, wie sie ihrer gemeinsamen Verpflichtung gerecht werden, ein gut funktionierendes inklusives Bildungssystem zu schaffen. Die angehende Koalition lässt eine Chance sausen, wenn sie im Zuge ihrer finanziellen Beteiligung im Bildungsbereich nicht auch mit den Ländern verhandelt, wie Bildung in Deutschland inklusiv wird.

"Behinderte wie nichtbehinderte Kinder haben ein Recht auf guten Unterricht – gemeinsam in einem inklusiven Schulsystem," stellt Rüffer fest und fährt fort, dass es hier an Geld und teilweise auch an politischer Ambition mangelt, wäre seit Jahren klar. Dieser mangelnde Ehrgeiz zeigt sich nun nach ihren Worten auch im Entwurf für den Koalitionsvertrag: Union und SPD wollen sich ganz offensichtlich nicht darum kümmern, dass im Bildungsbereich an den richtigen Stellen Geld zur Verfügung steht, um ein funktionierendes inklusives Bildungssystem auf- und auszubauen.

Die finanzielle Beteiligung des Bundes im Bildungsbereich ist sinnvoll, gerade die Finanzierung von Ganztagsschulen ist auch nach Corinna Rüffers Meinung gut und richtig. "Aber Kinder und Jugendliche sollen nicht nur länger betreut werden können, sondern auch besser", ergänzt sie dazu und fordert deshalb ausreichend Lehrerinnen und Lehrer, die qualifiziert behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichten können. Davon profitieren, wie die Sprecherin der Bündnis-Grünen betont nicht nur behinderte Kinder und Jugendliche - es verbessert den Unterricht insgesamt.

Das Bekenntnis von SPD und Union zu einem Schwerpunkt „inklusive Bildung“ in der Bildungsforschung ändert an den einzelnen Schulen erst einmal nichts. Hier aber drängt es: Die Schulen brauchen nicht nur sanierte Schulklos und Datenkabel – Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf inklusive Bildung.

Lesermeinungen zu “Zu wenig für inklusive Bildung” (1)

Von Annika

Zu diesem Thema habe ich in diesen Tagen im Deutschlandfunk die Meldung eines Lehrers vernommen, dass die "normalen" Schüler der Grundschulen ihr Bildungsziel nicht mehr erreichten, weil die Lehrer sich mit um die behinderten Schüler kümmern müssten.
Wenn das die Eltern der "Normalen" hören, dachte ich mir, bekommen dei Angst, dass ihre Kinder es wegen der Inklusion nicht aufs Gymnasium schaffen.
Als betroffene Mutter, die bald ihr zweites behindertes Kind in die Schule schicken soll, habe ich das Gefühl, dass die Stimmung sich verschlechtert hat und Kinder mit Behinderungen (aber auch andere, die nicht dem Mainstream entsprechen) zu Sündenböcken gemacht werden für ein nicht mehr so gut funktionierendes Schulsystem.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.