Inklusion in Euerbach nicht erwünscht

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Norbert Sandman vor der Treppe zum Ratssaal in Euerbach
Norbert Sandman vor der Treppe zum Ratssaal in Euerbach
Bild: BSK

Euerbach (kobinet) Bürgerinnen und Bürger aus Euerbach, die aufgrund einer Behinderung oder altersbedingt auf einen barrierefreien Zugang zum Sitzungssaal der Gemeinde angewiesen sind, haben in der 3000-Seelen-Gemeinde das Nachsehen. Ihre Teilnahme an Veranstaltungen im Gemeindesaal des Rathauses verhindern drei Stufen im Foyerbereich des Rathauses. Darauf weist der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) hin.

Bereits vor vier Jahren hat der Euerbacher Norbert Sandmann den Bürgermeister seiner Gemeinde auf diese Situation hingewiesen und um Abhilfe gebeten. An den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und den zahlreichen Veranstaltungen im Gemeindesaal kann er nicht teilnehmen. An den Treppen im Rathaus ist für den Rollstuhlfahrer Endstation. Alle Versuche, für diesen diskriminierenden Zustand von den Entscheidungsträgern im Rathaus, im Gemeinderat und im Landratsamt eine Lösung einzufordern, scheiterten bislang. Auch Sandmanns Lösungvorschlag, einen Hublift für zirka 8.000 Euro zu installieren wurden ignoriert. Dagegen präsentierte die Gemeinde geplante Umbaukosten für einen separaten Zugang zum Gemeindesaal in Höhe von 37.000 Euro.

Begründet wurden alle Absagen mit den Baukosten, mit der geringen Nachfrage von Menschen mit Behinderung an Gemeinderatssitzungen und mit dem Hilfsangebot der Gemeinderatsmitglieder, wonach sich Rollstuhlfahrer die Stufen hochtragen lassen könnten. "Als Mensch mit Behinderung habe ich auch in Bayern das Recht, auf die allgemein übliche Weise ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe an Gemeinderatssitzungen teilnehmen zu dürfen", sagt Sandmann.

Seit Jahren engagiert sich der Euerbacher Norbert Sandmann ehrenamtlich als Fachmann für Barrierefreiheit und Inklusion in zahlreichen Gremien. Er engagiert sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen weit über die Grenzen seiner Gemeinde Euerbach hinaus, unter anderem im Fachteam Barrierefreiheit beim Bundesverband Selbsthilfe Körpebehinderter, BSK, heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes. Für den BSK ist die Sache eindeutig: Nach dem Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetz in Artikel 10 sind Behörden und sonstige öffentliche Stellen des Freistaates verpflichtet, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten, ihre Integration zu fördern und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. "Das dogmatische Verhalten der Verantwortlichen in dieser Gemeinde ist für uns nicht nachvollziehbar", betont Peter Reichert, Pressesprecher des BSK. Für ihn steht der Werbeslogan der Gemeinde "Leben auf dem Land in der Gemeinde Euerbach heißt Lebensqualität" im Fall des Gemeindesaales im Gegensatz zur Realität. "Ein klarer Widerspruch, gerade wenn Euerbach damit wirbt, dass die größte Bevölkerungsgruppe in der Gemeinde die Senioren sind", betont Peter Reichert. Der BSK-Bereich Schweinfurt, der sich für die Rechte von Menschen mit Körperbehinderung in der Region einsetzt,  wird einen barrierefreien Zugang zum Sitzungssaal für alle BürgerInnen mit und ohne Behinderung in Euerbach weiter einfordern.

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