Aus Hungerlöhnen dürfen keine Hungerrenten werden

Veröffentlicht am von Kobinet

Foto zeigt Adolf Bauer
Foto zeigt Adolf Bauer © SoVD

Berlin (kobinet) Der Sozialverband Deutschland hat heute auf seiner 90-Jahr-Feier in Berlin die Einführung eines Mindestlohns gefordert. Verbandspräsident Adolf Bauer erklärte: "Soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Gesellschaft - diesen Werten seiner Vorgängerorganisation Reichsbund ist der SoVD auch heute zutiefst verpflichtet. Dies gilt gerade in Zeiten, in denen die Folgen eines massiven Sozialabbaus und einer globalisierten Wirtschaft spürbar werden."

Heute vor 90 Jahren, am 23. Mai 1917, gründeten Kriegsbeschädigte den Reichsbund und forderten Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Gegründet wurde der Verband als starke Interessenvertretung der Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen, deren soziale Lage katastrophal war. Die Kleinstrenten der Kriegsopfer reichten kaum zum Leben. Eine Wiedereingliederung in Arbeit fand nicht statt. Der Reichsbund setzte u. a. die gesetzliche Pflicht für Arbeitgeber durch, pro hundert Beschäftigte einen Kriegsbeschädigten zu gleichem Lohn einzustellen. "Das war der Beginn einer Beschäftigungspflichtquote für schwerbehinderte Menschen und der Ursprung der modernen Behindertenpolitik", so Bauer.

Schon in den Anfangsjahren entwickelte sich der Reichsbund zu einer Organisation, die sich für umfassende Sozialreformen einsetzte. Der Reichsbund löste sich 1933 selbst auf, um der Überführung in den NS-Kriegsopferverband zuvorzukommen. 1946 wurde der Reichsbund wieder neu gegründet. Die Umbenennung in Sozialverband Deutschland (SoVD) erfolgte 1999.

"Der SoVD fordert die Bundesregierung zu einer Rentenpolitik auf, die die materielle Sicherheit im Alter wieder in den Mittelpunkt stellt. Wir brauchen eine Rentenpolitik, die eine Gesamtstrategie verfolgt. Dazu gehören die Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung und die Einführung von Mindestsicherungselementen für langjährig Versicherte. Denn es darf nicht sein, dass die Friseurin oder der Lagerarbeiter, die jahrzehntelang in die Rentenversicherung eingezahlt haben, im Alter zum Sozialamt geschickt werden", betonte Bauer.

"Wir warnen vor der Gefahr einer wieder ansteigenden Altersarmut. Niedrig- und Armutslöhne stellen im Zusammenwirken mit dem sinkenden Rentenniveau ein ganz besonderes Risiko für Altersarmut dar. Aus Hungerlöhnen dürfen keine Hungerrenten werden. Deshalb fordert der SoVD die Einführung eines Mindestlohns. Der Mindestlohn ist ein zentraler Baustein für eine Gesamtstrategie gegen Altersarmut." sch

Weitere Informationen zur Verbandsgeschichte sowie die Rede von SoVD-Präsident Bauer zur 90-Jahr-Feier auf www.sovd.de

 
Bauer © SoVD