Flugzeuge künftig ohne Toiletten

Veröffentlicht am von Kobinet

Porträtfoto Sigrid Arnade
Porträtfoto Sigrid Arnade © Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Über barrierefreies Fliegen wurde vergangene Woche in Berlin beraten (kobinet 30.05.08). Neben Berichten Betroffener über ihre Flugerfahrungen ging es um die Inhalte und Umsetzung der EU-Flugverordnung 1107/2006 über Rechte behinderter Flugreisender, die ab Sommer 2008 in allen EU-Mitgliedstaaten gelten wird. Außerdem wurden in drei Workshops die Themen "Barrierefreie Buchung", "Barrierefreie Kabine" sowie "Barrierefreie Servicekette" behandelt.

Für Irritation sorgte der Vorschlag von Dr. Sigrid Arnade, ab sofort alle Flugzeuge gänzlich ohne Toiletten herzustellen. Arnade, die vom Deutschen Behindertenrat als Kontaktperson für die Umsetzung der EU-Flugverordnung benannt worden ist, verspricht sich von Flugzeugen ohne Toiletten Vorteile für alle Beteiligten: Die Fluggesellschaften könnten mehr Passagiere befördern; behinderte Fluggäste würden nicht länger diskriminiert; die Nicht-Betroffenen könnten neue Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig müsse es beim Einchecken freie Pampers für alle geben. Während dieser Vorschlag von anderen Betroffenen unterstützt wurde, plädierten vor allem nicht behinderte TeilnehmerInnen für Flugzeuge mit barrierefreien Toiletten.

Generell sollten Flugkabinen barrierefrei konzipiert werden, was sich auch auf die Informationen für sehbehinderte, blinde und gehörlose Passagiere bezieht, forderten die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppe zu diesem Thema. In einem anderen Workshop wurde ein weiteres häufiges Problem benannt: die Flugverweigerung. So hätten sich Flugkapitäne geweigert, mehrere blinde Menschen oder mehrere Menschen mit Lernschwierigkeiten zu befördern. Um solche Vorkommnisse künftig zu vermeiden, müssten auch PilotInnen in die Schulungen einbezogen werden, die laut EU-Verordnung von Flughäfen und Fluggesellschaften durchzuführen sind.

In der Verordnung werden die Fluglinien und Flughäfen außerdem verpflichtet, bei der Umsetzung mit Verbänden behinderter Menschen zusammenzuarbeiten. In diesem Sinne plädierte Alexander Quegwer, Büroleiter bei Karin Evers-Meyer und Moderator der Veranstaltung, in seinen Abschlussworten dafür, den begonnenen Dialog fortzusetzen. sch




 
Sigrid Arnade