Runder Tisch Heimkinder soll Unrecht aufarbeiten

Veröffentlicht am von Kobinet

Foto zeigt Antje Vollmer
Foto zeigt Antje Vollmer © Kobinet

Berlin (kobinet) Im Deutschen Bundestag kommt morgen erstmals ein "Runder Tisch Heimkinder" zusammen. Unter Leitung der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen) soll das Unrecht in deutschen Kinderheimen der frühen Bundesrepublik aufgearbeitet werden. Das hat der Petitionsausschuss des Bundestags im November nach zahlreichen Eingaben Betroffener beschlossen.

Unter den Delegierten sind Vertreter des Vereins der Heimkinder, vom Bundesfamilienministerium, von den Ländern, von konfessionellen und nicht konfessionellen Heimträgern. Bis Ende 2010 soll ein Abschlussbericht über das Schicksal von ehemaligen Heiminsassen vorgelegt werden, die als Kinder und Jugendliche in den 50er und 60er Jahren in westdeutschen Erziehungsheimen brutalen Erziehungsmethoden, Zwangsarbeit und sexuellen Übergriffen (Schläge im Namen des Herrn) ausgesetzt waren.

"Am Ende muss man auf viele Fragen eine Antwort für die Opfer finden, die sich durch diese Heime für ihr Leben geschädigt fühlen. Auch die Überprüfung rechtlicher Regelungen gehört dazu", sagte Antje Vollmer am Wochenende in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Der Runde Tisch sei kein Tribunal, eher eine Art Wahrheitskommission. "Wer mitdiskutiert, ist am Ende auch für das Ergebnis mitverantwortlich."

Nach Ansicht von Vollmer wäre es falsch, jetzt so schnell wie möglich, die Frage der Entschädigung klären zu wollen. Das würde zu Abwehr und Blockaden führen. "Mein Ziel ist ehrgeiziger. Es sollte am Ende auch die Zeit und das Handeln der Beteiligten in dieser Zeit verstanden werden", so die Grünen-Politikerin. Einen Anspruch der Opfer auf Entschädigung wollte sie aber nicht ausschließen: "Der Auftrag des Petitionsausschusses hat nichts ausgeschlossen, aber auch nichts garantiert."

Für die Opfer ist die Bereitschaft, auch über Entschädigungen zu diskutieren, die zentrale Forderung an den Runden Tisch. Verstimmt waren die ehemaligen Heimkinder im Vorfeld darüber, dass die christdemokratische Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in einem inoffiziellen Brief verlauten ließ, man strebe die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds nicht an.

Ergebnisoffen diskutiert wird nun zweimal monatlich am Runden Tisch. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, die auch eine Anlaufstelle für alle Betroffenen anbietet, die ihr Schicksal darstellen wollen. sch

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Antje Vollmer