Bewusstseinsbildung per Anschlag eingefordert

Veröffentlicht am von Kobinet

Die Vereinsvertreter vor dem Leipziger Landratsamt
Die Vereinsvertreter vor dem Leipziger Landratsamt © Kobinet

Leipzig (kobinet) In einer gemeinsamen Aktion der Interessenvereinigung für Körperbehinderte des Muldentales und des Muldentaler Assistenzvereines hefteten gestern Vertreterinnen und Vertreter beider Vereine ein Blatt mit dem Artikel 8 der Behindertenrechtskonvention an die Eingangstüre des Landratsamtes Leipzig.

Gleichzeitig wurde Landrat Dr. Gerhard Gey auch eine Unterschriftenliste zur Untermauerung der Forderung übergeben.

Damit soll nach deren Aussage auf die noch fehlende Bewusstseinsbildung für die Rechte von Menschen mit Behinderungen aufmerksam gemacht werden. Im Vergleich zur Reformation in den Zeiten von Martin Luther, in der Menschen sich ihre "Reformation erst erkämpft haben, gilt in Deutschland und damit auch im Landkreis Leipzig bereits seit nunmehr zwei Jahren die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, kurz BRK, in der die Rechte der Menschen mit Behinderungen festgeschrieben sind. Und zwar vorbehaltlos.

In einer gemeinsamen Presseerklärung teilen beide Vereine mit: "Die Bewusstseinsbildung muss wie im Bund von der Bundesregierung im Landkreis Leipzig von der Verwaltung des Landratsamtes ausgehen. Dieses ist leider nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Verwaltung mit dem Landrat Dr. Gerhard Gey an der Spitze unternimmt nichts, um diese Bewusstseinsbildung zu schärfen. Sie lässt vielmehr unter anderem vom Kreisparlament eine der BRK widersprechende Fahrtkostenrichtlinie für Schwerbehinderte beschließen, sie gesteht Menschen mit Assistenzbedarf nicht die ihnen zustehenden Leistungen zu, sie erlässt für blinde Menschen Bescheide, die diesen nach der BRK auch in einer ihnen geeigneten Form (z.B. in Braille-Schrift oder in einem Audio-Format) zur Verfügung zu stellen wären, aber dies nicht sind. Diese Beispiele könnte man unbegrenzt fortsetzen. Deshalb fordern die genannten Vereine anlässlich des Europaweiten Protesttages der Behinderten am 5. Mai auch im Landratsamt des Landkreises Leipzig ein Umdenken hin zu einer inklusiven Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen mit Menschen ohne Behinderunges auf gleicher Augenhöhe stehen können.

Weiter regen die genannten Vereine zum wiederholten Mal gemeinsam mit dem Kreisbehindertenbeirat einen Runden Tisch zur Umsetzung der BRK im Landkreis Leipzig an. Wichtige Themen dieses Runden Tisches könnten z.B. sein:

  • inklusive Kindererziehung

  • inklusive Schulbildung

  • Selbstbestimmt Leben in den eigenen vier Wänden, auch im Alter

  • barrierefreie Städte im Landkreis (Zielvereinbarungen nach dem SGB IX)

  • barrierefreier ÖPNV
Die betroffenen Vereine und Verbände des Landkreises Leipzig sind zu einer engen Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden im Landkreis Leipzig bereit. Dass das Landratsamt des Landkreises es durchaus versteht, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einzubeziehen, zeigt das jährliche Beispiel der Muldentaler Radlertour, an der jedes Jahr eine Gruppe Rollstuhlfahrer offiziell teilnimmt. Wenn dieses Beispiel Gemeinsam als Vorzeigeprojekt auf andere Teile der Gesellschaft ausgebaut wird, dann kann sich der Landkreis Leipzig in den nächsten Jahren zu einer wirklich inklusiven Gemeinschaft entwickeln." gba