Auf dem Weg zum Freedom Drive nach Straßburg
Veröffentlicht am von Kobinet
Mainz (kobinet) Auf dem Weg zum Freedom Drive nach Straßburg machte gestern eine norwegische Delegation in Mainz halt und informierte sich über die deutsche Behindertenpoliti. Vom 12. bis 15. September finden in Straßburg eine Vielzahl von Veranstaltung und am 14. Dezember eine große Demonstration statt, zu der das Europäische Netzwerk zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen einlädt und seiner Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe und bedarfsgerechter Assistenz Nachdruck verleiht.
Gerade rechtzeitig vor Beginn des Treffens der norwegischen Delegation von ULOBA, einer Assistenzgenossenschaft aus der Nähe von Oslo, mit Dr. Corina Zolle vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) und Ottmar Miles-Paul, dem rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten klarte der Himmel auf, so dass das Treffen auf der Terrasse des Integrationshotels Inndependence stattfinden konnte. Nachdem Dr. Corina Zolle ihre Geschichte erzählt und die Situation von behinderten Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind in Deutschland geschildert hatte, hagelte es von den norwegischen Freedom Drivern eine Vielzahl von Fragen. Auf Unverständnis stieß dabei nicht nur die Tatsache, dass es in der Regel sehr schwer ist, aus Behinderteneinrichtungen auszuziehen und die Assistenz oft vor Gericht erkämpft werden muss, sondern auch die Tatsache, dass das Einkommen und Vermögen von Assistenznutzern angerechnet wird. "Das klingt fast ein bisschen so, wie in Bulgarien", meinte ein Mitglieder der norwegischen Situation, der schilderte, dass in Norwegen die herkömmlichen Behinderteneinrichtungen gesetzlich verboten sind und behinderte Menschen dort maximal 200 Euro von ihrem Einkommen für Kosten der Assistenz einsetzen müssen.
Der rheinland-pfälzische Landesbehindertenbeauftragte Ottmar Miles-Paul erklärte das deutsche System der Ausgleichsabgabe und die vielfältigen Aktivitäten in Rheinland-Pfalz, mit denen versucht wird, auch behinderten Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf das Leben mitten in der Gemeinde zu ermöglichen. "Dies ist noch ein langer Weg und nicht nur eine Frage des Geldes. Es gibt noch sehr viele Widerstände von den Leitungen und den Beschäftigten von Einrichtungen, den Eltern, den Kostenträgern, aber auch von den behinderten Menschen selbst, die oft keine Alternativen als das bisherige Leben in einer Behinderteneinrichtung kennen. Umso erfreulicher ist es, dass es diese Woche gelungen ist, einer Frau mit sehr hohem Unterstützungsbedarf den Auszug aus einer Einrichtung in eine eigene barrierefreie Wohnung mit der nötigen Assistenz zu ermöglichen", so Ottmar Miles-Paul. Er wünschte den Freedom DriverInnen viel Erfolg in Straßburg, denn behinderte Menschen bräuchten einen kräftigen Rückenwind für die Selbstbestimmung und Gleichstellung von der Europäischen Union.
Dr. Corina Zolle warb dafür, dass der Kampf für eine bedarfsgerechte und einkommens- und vermögensunabhängige Assistenz weiter geführt wird, auch wenn man zuweilen das Gefühl habe, gegen Windmühlen anzukämpfen. moh
Die Kooperation Behinderter im Internet e.V. (kobinet)
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