Klare Regeln für Rillen und Noppen
Veröffentlicht am von Kobinet
Berlin (kobinet) Seit Anfang Oktober 2011 ist die novellierte DIN 32984 "Bodenindikatoren im öffentlichen Raum" in Kraft. Diese Norm legt Anforderungen für Bodenindikatoren und sonstige Leitelemente fest, um damit die Sicherheit und Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen im öffentlichen Raum zu verbessern. Darauf weist der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband in seinem Newsletter DBSV-direkt hin.
Im Mai 2000 war die erste Bodenindikatorennorm erschienen. Wichtige Weichen waren darin gestellt worden. Bald jedoch entdeckte man schwerwiegende Mängel in Bezug auf Funktionalität und Wahrnehmbarkeit der Bodenindikatoren. Hinzu kamen steigende Anforderungen an die selbstständige Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen, bedingt durch den wachsenden Verkehr. Nachdem es in verschiedenen Bundesländern zu Bestrebungen gekommen war, eigene Lösungen für Blindenleitsysteme zu entwickeln, war es dringend erforderlich, ein einheitliches System der Orientierungshilfen festzulegen, heißt es in DBSV-direkt.
Auf Anregung des DBSV wurde daher 2005 die Novellierung der Norm beschlossen. Der zuständige DIN-Normenausschuss "Kommunikations- und Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte" berief einen Arbeitskreis unter Leitung von Dr. Klaus Behling, der möglichst viele unterschiedliche Kompetenzen zusammenführen sollte. Zehn Mitglieder umfasste der Arbeitskreis schließlich: Vertreter der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe (3), der Deutschen Bahn AG (1), der Betonindustrie (1), der Straßen- und Verkehrsverwaltungen (1), der Behindertenbeauftragten (2), der Lichttechnik (1) sowie der Blinden- und Mobilitätslehrer (1).
Die wichtigsten Neuerungen der DIN 32984
Die neue Norm gliedert sich in einen Produktenteil (Beschreibung der Profilstrukturen, der Maße, der Anforderungen an die taktile und visuelle Erkennbarkeit) und in einen Anwendungsteil zum Einsatz der Bodenindikatoren im öffentlichen Raum. Ein wichtiger Punkt ist die Wahrnehmbarkeit der Bodenindikatoren: Es werden grundlegende Anforderungen an die Taktilität und den visuellen Kontrast formuliert und Mittel aufgezeigt, um die erforderlichen Kontrastwerte zu erreichen.
Die Profilmaße der Bodenindikatoren wurden stark vergrößert, ein Noppenprofil wurde ergänzt. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die Funktionen der Profile zu differenzieren: Das Rippenprofil wird vorwiegend als Leitstreifen und zur Anzeige der Gehrichtung an Querungsstellen eingesetzt. Das Noppenprofil dagegen wird überall dort verwendet, wo eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert ist, etwa bei Abknickungen oder Verzweigungen im Leitstreifen, bei Querungsstellen, Treppen, Hindernissen oder Gefährdungen. Speziell für Planer und Architekten beschreibt die Norm typische Situationen und stellt Standardlösungen vor.
Zusammen mit den in den vergangenen Jahren überarbeiteten oder neu erstellten Normen, wie der DIN 18040-1 "Barrierefreies Bauen, Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude", der DIN 18040-2 "Barrierefreies Bauen, Teil 2: Wohnungen", der DIN 32975 "Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Bereich zur barrierefreien Nutzung", ist die Bodenindikatorennorm eine weitere wichtige Voraussetzung zur Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Nun kommt es nach Ansicht von DBSV-direkt darauf an, dass die neue Systematik konsequent angewendet wird, damit sich blinde und sehbehinderte Menschen auf einheitliche Orientierungshilfen verlassen können.
Bestellinfo:
Die DIN 32984 kann beim Beuth-Verlag für 129,10 Euro als Schwarzschrift oder zum Download (allerdings nicht barrierefrei) bestellt werden. moh
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