Lebenshilfe zum Gedenktag am 27. Januar

Veröffentlicht am von Kobinet

Foto zeigt junge Leute am Märchenbrunnen im Friedrichshain
Foto zeigt junge Leute am Märchenbrunnen im Friedrichshain © Kobinet

Berlin (kobinet) Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar erinnert die Lebenshilfe Berlin heute an die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Als angeblich lebensunwertes Leben wurden zwischen 1939 und 1945 hunderttausende Menschen mit Behinderung ermordet. Auf dem Pressefoto der Lebenshilfe sind junge Leute am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain zu sehen. Unter dem Nazi-Regime fanden behinderte Kinder und Jugendliche einen grausamen Tod in den Gaskammern, wurden vergiftet oder mussten langsam verhungern.

Unter der verschleiernden Tarnbezeichnung Euthanasie zu deutsch: schöner Tod führte die NS-Regierung ab Oktober 1939 ein Programm zur systematischen Tötung behinderter Kinder sowie geistig behinderter oder psychisch kranker Erwachsener durch. Die Organisation fiel in die Verantwortung der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heil- und Pflegeanstalten, die ihre Zentrale in der Tiergartenstraße 4 in Berlin hatte. Aus Gründen der Geheimhaltung sprach man von der Aktion T4. Nach Bekanntwerden der Verbrechen in der Öffentlichkeit und dem Widerstand der Kirchen, wurde die Aktion im August 1941 offiziell eingestellt. Nachweislich waren bis dahin mindestens 70.000 Menschen getötet worden. Die als wilde Euthanasie bezeichneten Morde gingen allerdings weiter. Insgesamt fielen in Deutschland und in von deutschen Truppen besetzen Gebieten über 300.000 behinderte und psychisch kranke Menschen der Tyrannei in der NS-Zeit zum Opfer.

Günter Jahn, der Vorsitzende der Lebenshilfe Berlin, hält es für wichtig, im Sinne aller Opfergruppen gemeinsam eine angemessene Form des Gedenkens finden: "Dabei darf es nicht beim Erinnern bleiben. Es gilt, wachsam zu sein, und auch aktuelle Entwicklungen zum Beispiel im Zusammenhang mit bioethischen Fragestellungen aufzugreifen. Das Leben behinderter Menschen darf nie wieder in Frage gestellt werden!

Die Berliner Gedenkveranstaltung wird morgen ab 14 Uhr live aus derm Foyer der Philharmonie als Audiostream auf www.gedenkort-t4.eu übertragen. Zusammen mit geladenen Gästen aus Politik, Kultur und Verbänden der Opferangehörigen lässt Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, vor allem Jugendliche mit und ohne Behinderung zu Wort kommen. Neben der Präsentation einer Berliner Schulklasse, die sich intensiv mit den NS-Massenmorden an behinderten und psychisch erkrankten Menschen auseinandergesetzt hat, finden auch Lesungen mit behinderten Schauspielern und der Angehörigen eines Opfers statt.

Noch bis zum 20. Mai erinnert im Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors die Ausstellung "Im Gedenken der Kinder - die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit" an die medizinischen Verbrechen an kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen. Mehr als 5.000 wurden allein in Kinderfachabteilungen eigens für die Tötung geschaffenen Einrichtungen gequält und ermordet. Sie wurden für Experimente missbraucht und ihre Organe nach dem Tod zu Forschungszwecken verwendet. sch