Hannover ist kaum behindertengerecht

Veröffentlicht am von Kobinet

BILD zeigt Doris Schröder-Köpf im Rollstuhl
BILD zeigt Doris Schröder-Köpf im Rollstuhl © Kobinet

Hannover (kobinet) Wie wenig behindertengerecht eine Stadt sein kann, merken Menschen ohne Behinderung erst, wenn sie es, in einen Rollstuhl gesetzt, selbst ausprobieren. Auf Einladung von partizip e.V. haben das jetzt Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur getan. Als prominenteste Teilnehmerin war die sozialdemokratische Landtagskandidatin Doris Schröder-Köpf dabei, wie die Bild-Zeitung berichtete.

Renate Weidner und Ralph Büsing vom Verein partizip e.V. wollen Multiplikatoren für das Thema Barrierefreiheit gewinnen. Das haben sie mit ihrer Stadterkundung im Rollstuhl geschafft. Nach vier Stunden im Rollstuhl kamen die Probanden erschöpft und voller neuer Eindrücke von ihrer Exkursion zurück.

Schwielen und Blasen an den Handballen, steife Beingelenke und die Aussicht auf einen gehörigen Muskelkater am nächsten Morgen waren die ersten Kommentare in der sich anschließenden Reflexionsrunde.

Meistens sind es Kleinigkeiten, die über die Zugänglichkeit von Orten entscheiden, so Ralph Büsing, der selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Diese Erfahrung teilten die Teilnehmer, die in Zweier-Teams in der Stadt unterwegs waren. Sie alle haben diesen Selbsttest sehr ernst genommen und viele Eindrücke mitgenommen.

In einer Haupteinkaufsstraße sind die meisten Geschäfte nur über Stufen erreichbar. Blickkontakte und Gespräche ließen den Nacken schmerzen. Eine Kinderperspektive hätten sie eingenommen und seien zum Teil auch so behandelt worden, war zu hören. Erfahrungen mit Umkleidekabinen und Behindertentoiletten sorgten für viel Unverständnis. Ebenso wie die Nutzung des Öffentlichen Pesonennahverkehrs, den sie zum Teil nur unter echter Angst nutzen konnten.

Am Ende des Tages stand auch die Erkenntnis, dass es vielmehr Mobilitätsbeeinträchtigte gibt, als alle angenommen hatten. sch