Beratung vor CI-Implantation durch Betroffene
Veröffentlicht am von Kobinet
Frankenthal (kobinet) Bevor Eltern von tauben Kindern sich für ein Cochlear Implantant (CI) entscheiden sollen sie die Möglichkeit haben, sich umfassend über Alternativen beraten zu lassen und auch taube erwachsene Menschen kennenzulernen. Dafür tritt der Landesverband der Gehörlosen Rheinland-Pfalz ein und machte dies in einem Gespräch mit Sozialministerin Malu Dreyer deutlich.
Der Landesverband der Gehörlosen Rheinland-Pfalz beobachtet seit Jahren, dass Eltern von tauben Kindern immer noch sehr einseitig beraten werden. Nach der Diagnose von "Taubheit" bei ihren Kindern wird den betroffenen Eltern immer noch keine umfassende, neutrale Beratung zuteil, heißt es in einem Bericht des Landesverbandes über ein Treffen mit Malu Dreyer zum Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Zu einseitig werde auf die Technik gesetzt und das Cochlear-Implantat empfohlen. Die
Eltern erhielten kaum umfassende Informationen über Alternativen wie zum Beispiel den Einsatz von Gebärdensprache. Darum erhebt der Landesverband die Forderung, dass bei den Ärzten, Kliniken, CI-Zentren und Frühförderstellen eine neutrale, umfassende Beratung installiert wird.
"Immer noch wachsen taube Kinder ohne ausreichende lautsprachliche und gebärdensprachliche Förderung auf. Wenn man zu sehr auf die Technik des CI vertraut und keine Gebärdensprache anbietet, kann es sein, dass es trotz CI keine Lautsprachentwicklung gibt und diese Kinder ohne altersgemäße Kommunikation aufwachsen. Wenn Gebärdensprache parallel zur Lautsprache angeboten wird, hat das Kind bei Ausfall der Technik oder mangelnder Lautsprachkompetenz die Gebärdensprache als vollwertige Sprache gelernt, mit der es die Welt begreifen kann und denken kann. Es geht uns um die tauben Kinder, bei denen das CI oder die Versorgung mit Hörgeräten keine altersgemäße Lautsprachentwicklung erzeugt. Taube Kinder haben das Recht auf Bildung in Gebärdensprache", so der Landesgehörlosenverband Rheinland-Pfalz. Bevor die Eltern sich für eine CI-Implantation entscheiden, sollen sie die Möglichkeit haben, sich umfassend über Alternativen beraten zu lassen und auch taube erwachsene Menschen kennenzulernen. In den nordeuropäischen Ländern (Norwegen, Schweden, Dänemark) sei dies bereits institutionalisierte Praxis. moh
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