Was kein Bluttest klärt

Veröffentlicht am von Kobinet

Foto zeigt Keyan Dahesh
Foto zeigt Keyan Dahesh © Kobinet

Berlin (kobinet) Der Frankfurter Journalist Keyvan Dahesch hat mit einem Kommentar auf der Meinungsseite des Berliner Tagesspiegels kontroverse Reaktionen ausgelöst. Unter der Überschrift "Was kein Bluttest klärt" ging Dahesch auf die Situation von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen ein.

Politiker, Wirtschafts- und Kirchenrepräsentanten könnten das von den Eltern zu Recht verlangte uneingeschränkte Ja zu einem Leben auch mit Schwerstbehinderung erleichtern, wenn sie ihre Appelle mit Taten untermauern würden, so der blinde Journalist, der auch als kobinet-Korrespondent aktiv ist.

"Besonders vor Wahlen versprechen Politiker jeder Couleur stets, alles zu tun, damit behinderte Menschen als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft ein Leben frei von Barrieren führen können. Doch leider müssen Gelähmte, Gehörlose, Amputierte, Blinde oder Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Angehörigen um viele Erleichterungen oft hart kämpfen. Und dies, obwohl die Zahl der Menschen mit Behinderung allein durch das Älterwerden größer wird", so Dahesch.

Städteplaner, Architekten, Hersteller von Bahnen, Bussen, Telefonen und Haushaltsgeräten müssten immer noch mit Engelsgeduld vom Nutzen der Barrierefreiheit überzeugt werden, weiß der Journalist aus alltäglicher Erfahrung:."Um jedes Gesetz müssen gehandicapte Menschen und ihre Selbsthilfeverbände ringen. Denn ihnen fehlt oft Macht. Selbst der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe (CDU), Vater eines mehrfach behinderten Sohnes, hat nur selten eine Möglichkeit, bei der Sozialministerin, bei der er offiziell angesiedelt ist, etwas durchzusetzen."

Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen haben über Jahrzehnte um ein Benachteiligungsverbot in der Verfassung, um Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsgesetze gekämpft, stellt Dahesch fest. "Weil diese Errungenschaften die Hindernisse bei ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Eingliederung wegen der Ignoranz der Verantwortlichen in der Politik, Wirtschaft und Verwaltung nicht entscheidend verringerten, kämpften sie über viele Jahre für eine UN-Konvention, die die Menschen- und Bürgerrechte völkerrechtlich verbindlich ohne Einschränkung auch auf sie zutreffen lässt. Sie gilt seit dem 26. März 2009 auch hierzulande und wird trotzdem nicht konsequent umgesetzt!" sch
 
Dahesch (Foto: Privat)