Veröffentlicht am 07.10.2026 07:31 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Beispielkarte aus dem Karten-Set Foto: LVKM
STUTTGART (kobinet)
Der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM) hat eine deutsche Version des Kartenspiels „Karten für Inklusion“ entwickelt. Das Spiel, das ursprünglich 2018 von der britischen Organisation UNLIMITED veröffentlicht wurde, soll spielerisch Barrieren erkennen und Lösungen für mehr Teilhabe entwickeln helfen. Rechtzeitig zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen wurde die deutsche Version seit Mai bei Veranstaltungen erprobt.
Veröffentlicht am 07.10.2026 07:11 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Maurice Schmidt im Wettkampf Foto: Kevin Voigt / DBS
FRECHEN (kobinet)
Die Paralympics in Los Angeles sind plötzlich ganz nah: Im Rollstuhlfechten beginnt diese Woche nicht nur die EM, sondern auch die Qualifikationsphase für die Paralympischen Spiele 2028. Mit acht Athletinnen und Athleten startet das deutsche Team ab Donnerstag in Wales in die Wettkämpfe – und gibt sich selbstbewusst. „Wir reisen zum ersten Mal als eines der Favoritenteams an. Alle sind sehr stark, im Team wie im Einzel“, berichtet Bundestrainer Alexander Bondar. Vom 6. bis zum 11. Oktober findet die EM im walisischen Cardiff statt, ab dem 8. Oktober steigen die deutschen Athletinnen und Athleten in die Gefechte ein. Bondar traut jedem Mitglied seines Teams eine Medaille zu, vor allem, da die Motivation in diesem Jahr besonders hoch sein dürfte. „Wer jetzt eine Medaille holt, hat sehr gute Chancen, bei den Paralympics in LA dabei zu sein „, sagt der Bundestrainer.
Anlässlich der ersten Lesung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe (1. KJHSRG) am 8. Oktober 2026 im Deutschen Bundestag fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) einen Bürokratieabbau für Berufsbildungswerke. Tobias Schmidt, Vorsitzender der BAG BBW, begrüßt zwar das Ziel der Reform, die Kinder- und Jugendhilfe inklusiver zu gestalten. Gleichzeitig verlangt er eine Klarstellung in § 45 SGB VIII zur Betriebserlaubnispflicht. Berufsbildungswerke bieten berufliche Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote nach dem SGB III für Jugendliche mit Behinderungen an, ergänzt durch Wohn- und Betreuungsangebote, die auch von Minderjährigen genutzt werden. Alle Angebote der Berufsbildungswerke werden von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und fachlich geprüft, so Schmidt.
Veröffentlicht am 07.10.2026 05:21 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Infozeichen Foto: Susanne Göbel
Berlin (kobinet)
„Im Januar 2025 hat der Bundestag einen wegweisenden Beschluss mit dem Titel ‚Opfer von NS-Euthanasie und Zwangssterilisation – Aufarbeitung intensivieren‘ gefasst. Mit diesem Beschluss wurde die Bundesregierung aufgefordert, ein Projekt zu initiieren, um bundesweit Patient*innenakten und Personalunterlagen der Täter*innen zu lokalisieren, zu sichern und zu konservieren. Dieses Projekt soll flankiert werden durch eine Fachtagung, die Möglichkeiten diskutieren soll, wie diese Akten der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Außerdem sollen die Gedenkstätten an den Orten der ehemaligen ‚T4‘-Tötungsanstalten nachhaltig unterstützt werden. Vom 30. Oktober bis zum 1. November 2026 findet die Herbsttagung des ‚Arbeitskreises zur Erforschung der nationalsozialistischen “Euthanasie“ und Zwangssterilisation in der Bremer Landesvertretung in Berlin statt“, heißt es auf der Internetseite des Landesbehindertenbeauftragten von Bremen, Arne Frankenstein, der zu dieser Veranstaltung mit einlädt.
Veröffentlicht am 07.10.2026 05:16 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
261006_MIA_Dusel Foto: MIA Akademie
München (kobinet)
Politische Empfehlungen in die Praxis bringen: Wie berufliche Teilhabe junger Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung konkret gelingen kann, stand im Mittelpunkt des Besuchs von Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, bei der MiA-Akademie (Münchner inklusive Arbeitswelt) in München. Im Ausbildungscafé Café MiA auf dem Campus Don Bosco/Salesianum tauschte sich Jürgen Dusel vor kurzem mit Fachleuten über Qualifizierung, duale Ausbildung und den Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt aus. Dabei wurde deutlich: Einige der Forderungen aus Jürgen Dusels Teilhabeempfehlungen für eine inklusivere Gesellschaft, die er 2024 der Bundesregierung übergab, werden bei MiA bereits erfolgreich umgesetzt.
Veröffentlicht am 06.10.2026 17:29 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
261005_AGG_Arnade Foto: Screenshot von der Übertragung des Bundestages omp
Berlin (kobinet)
„Wissen Sie, meine Damen und Herren, dass wir als behinderte Menschen Angst haben? Wir haben Angst davor, dass sich die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Rechtsextremen nach Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend auch gegen uns Menschen mit Behinderungen richtet. Aus der Geschichte wissen wir, wohin schleichende Entmenschlichung führen kann. In den bildungspolitischen Vorhaben der AfD in Sachsen-Anhalt erleben wir mit der Ausgrenzung behinderter Kinder und von Kindern mit Migrationshintergrund die konkreten Anfänge dieser perfiden Strategie. Wir haben Angst, aber noch hoffen wir, dass der demokratische Rechtsstaat uns schützt. Deshalb bitte ich Sie als unsere Legislative hier und heute: Schützen Sie uns und andere benachteiligte Gruppen besser vor Diskriminierung. Sie haben die Hebel dafür in der Hand. Ein potentiell wirksamer Hebel ist das AGG, das leider Lücken aufweist, die Sie schließen können.“ Mit diesen Worten hat sich Dr. Sigrid Arnade vom NETZWERK ARTIKEL 3 bei der Anhörung zur Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) am 5. Oktober 2026 an die Mitglieder des Rechtsausschuss des Bundestages gewandt. Heute, ein Tag später, ist nach der Wahl eines AfD Vertreters als Landtagspräsident und eines weiteren AfD Vertreters als Landtagsvizepräsident in Sachsen-Anhalt wahrscheinlich nicht nur mit den Stimmen des BSW, sondern auch aus der CDU diese Angst nicht geringer geworden. Die Hoffnung, dass die Abgeordneten des Deutschen Bundestages am Ende doch noch eine Gesetzesreform zu einem wirklich besseren und wirksamen Schutz vor Diskriminierungen verabschiedet, bleibt dennoch bis zuletzt bestehen.
Am 8. Oktober 2026 wird der Bundestag in zweiter und dritter Lesung über einen fraktionsübergreifenden Antrag zur Auswertung der Nutzung vorgeburtlicher Bluttests (NIPT) auf Trisomie beraten. Hintergrund ist, dass der Test, der seit Juli 2022 in begründeten Einzelfällen von den Krankenkassen übernommen wird, zunehmend flächendeckend in Anspruch genommen wird – entgegen der gesetzgeberischen Absicht. Der Antrag verlangt daher eine Überprüfung der Nutzungspraxis. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe fordert die Abgeordneten auf, dem Antrag zuzustimmen. Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und ehemalige Bundesgesundheitsministerin, betont: „Aktuelle Zahlen belegen, dass der NIPT schon jetzt zur Regeluntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge geworden ist – ganz entgegen dem Willen des Gesetzgebers. Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen fühlen sich dadurch diskriminiert.“
Veröffentlicht am 06.10.2026 12:48 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Logo VdK Deutschland Foto: VdK Deutschland
BERLIN (kobinet)
Am 7. Oktober 2026 will das Bundeskabinett die Pflegekommission offiziell einsetzen. Der Sozialverband VdK kritisiert, dass die aktuellen Reformpläne die Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen nicht verbessern würden. Vielmehr drohten Einschnitte, etwa beim Zugang zu Pflegegraden oder bei der Verhinderungspflege, während der Bund seinen Zuschuss zur Pflegekasse bis 2028 aussetze. Gleichzeitig steige der Druck auf Beitragszahlende und die Eigenanteile, so der Verband.
Veröffentlicht am 06.10.2026 09:59 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Landkarte Lage Baden-Württenberg in Deutschland Foto: Gemeinfrei https://de.wikipedia.org/wiki/Flaggen_und_Wappen_der_L%C3%A4nder_der_Bundesrepublik_Deutschland
Singen (kobinet)
„Baden-Württemberg ist ein Flächenland und jeder Landkreis und jede Stadt hat nach wie vor andere Vorstellungen wie die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt und wie die Teilhabe am Leben mit der Eingliederungshilfe unterstützt werden soll. Wie steht es mit der Barrierefreiheit an öffentlichen und privaten Gebäuden, die Zugänglichkeit in Arztpraxen, Beratungsstellen, Restaurants, der Volkshochschule, etc.? Wie können Menschen mit Behindeurung in Baden-Württemberg am Leben teilhaben, was hindert sie und wo gibt es gute Beispiele?“ Darum soll es nach Ansicht von Britta Schade u.a. beim ersten Treffen für eine eventuelle Gründung einer LIGA Selbstvertretung für Baden-Württemberg gehen. Die langjährig behindertenpolitisch Engagierte lädt daher zu einer Auftaktveranstaltung für interessierte behinderte Menschen aus Baden-Württemberg zur eventuellen Gründung einer LIGA Selbstvertretung am 14. Oktober 2026 um 18.00 online via ZOOM ein. „Das Online-Treffen soll einen Raum für Austauch und Vernetzung geben und eine Themensammlung für Aktivitäten in Baden-Württemberg und Planungen für das weitere Vorgehen liefern“, betonte Britta Schade.
Veröffentlicht am 06.10.2026 07:36 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
KI mit Brandenburger Tor mit Aufschrift BGG? unter großer Lupe Foto: Juliane Harms mit KI gestaltet
Berlin (kobinet)
Wo ist eigentlich der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) geblieben? Diese Frage wird immer wieder an die Redaktion der kobinet-nachrichten gerichtet und ist keinesfalls unberechtigt. Denn nachdem am 22. Juni 2026 begleitet von massiven Protesten der Behindertenbewegung vom Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales im Paul-Löbe-Haus des Bundestages durchgeführt wurde, herrscht Funkstille über den weiteren Fortgang der Beratungen und den konkreten Zeitplan für die abschließende Beratung und Verabschiedung des Gesetzes im Plenum des Deutschen Bundestages. Es wäre wohl nicht das Behindertengleichstellungsgesetz mit seiner unendlichen Geschichte von Ankündigungen, Verzögerungen, Blockaden durch Ministerien wie das Wirtschaftsministerium und nicht zufriedenstellener Regelungen in Sachen konkrete Verbesserungen zur Barrierefreiheit, wenn es in der Zielgeraden des Gesetzgebungsverfahrens nicht auch wieder haken würde, ließ vor kurzem der Sprecher der LIGA Selbstvertretung, Ottmar Miles-Paul, verlauten. Und auch der Redaktion der kobinet-nachrichten ist nicht mehr bekannt, außer, dass verschiedene Akteur*innen vor allem aus der SPD innerhalb der Regierungskoalition um nötige Verbesserungen ringen. Wenn das Gesetz noch im Herbst der Reformen verabschiedet und dabei hoffentlich entscheidet verbessert wird, wie es die LIGA Selbstvertretung und viele Behindertenverbände fordern, könnte dieses Gesetzgebungsverfahren letztendlich als Rohrkrepierer enden, wie viele befürchten oder sich je nach Einschätzung angesichts des schlechten Gesetzentwurfs vielleicht sogar freuen würden.
Veröffentlicht am 06.10.2026 07:11 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Close-up of a blue directional sign for accessible parking amidst urban greenery. Foto: Caleb Oquendo
LEMWERDER (kobinet)
Ob ein Museumsbesuch Spaß macht und zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, entscheidet sich oft an Details: eine Stufe am Eingang, ein fehlender Aufzug, kein barrierefreies WC. Diese Angaben sind auf vielen Museumswebsites schwer zu finden. Das Projekt „Museums Atlas“ will da als kostenloser und unabhängiger Museumsführer weiterhelfen. Es wird für jedes Museum einheitlich und vergleichbar recherchiert über stufenlose Zugänge für Besucher mit Rollstuhl, Aufzüge, ein barrierefreies WC oder das Vorhandensein von Behindertenparkplätzen, wie den freien Eintritt für Begleitpersonen, Assistenz- und Blindenführhunde oder das Vorhandensein von Tastmodellen und Führungen in Gebärdensprache, Leichte Sprache beziehungsweise Audiodeskription. Informationen dazu stehen auf dieser Internetseite zur Verfügung.
Veröffentlicht am 06.10.2026 06:06 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Symbol Ausrufezeichen Foto: ht
Berlin (kobinet)
Bereits am 8. Oktober 2026 soll zu später Stunde im Plenum des Deutschen Bundestags die erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe (Erstes Kinder- und Jugendhilfestrukturreform-Gesetz – 1. KJHSRG) eingebracht und debattiert werden. Innerhalb kurzer Zeit haben sich 22 Verbände und Organisationen an einer fachpolitischen Aktion beteiligt und haben einen gemeinsamen Zwischenruf an die Mitglieder der relevanten Bundesgremien, die beiden Staatssekretärinnen im BMBFSFJ sowie Frau Bundesministerin Prien zur geplanten Reform des Kinder- und Jugendhilferechts versandt. Der verbändeübergreifende Zwischenruf trägt den Titel „Keine Mitteilungspflicht des Jugendamtes an Familiengerichte, wenn Eltern Hilfen im Kinderschutz ablehnen!“ Darin weisen die unterzeichnenden Fachverbände und Expert*innen mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass die in einem Halbsatz unter Nr. 1 eingefügte Formulierung einen massiven Eingriff sowohl in das hilfeorientierte System der Kinder- und Jugendhilfe als auch in die professionelle Handlungsautonomie der Jugendämter darstellt und die Änderung aus fachlichen und verfassungsrechtlichen Gründen abgelehnt wird.
Diejenigen, die sich ein Bild über die verschiedenen Positionen zur Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verschaffen wollen, für die könnte die Aufzeichnung der Anhörung zum Gesetzentwurf der Bundesregierung und zu einem Antrag der Linksfraktion des Rechtsausschuss vom 5. Oktober 2026 interessant sein. Nun wurde die gesamte Aufzeichnung der Anhörung ins Internetangebot des Deutschen Bundestages mit weiteren Informationen zu den Stellungnahmen der einzelnen Sachverständigen und zum Gesetzentwurf eingestellt. Wann der Gesetzentwurf und eventuelle Änderungsanträge abschließend im Bundestag beraten werden und abgestimmt wird, darüber liegen den kobinet-nachrichten noch keine Informationen vor.
Veröffentlicht am 06.10.2026 05:01 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Meinung
261006_Fensterblick_NRW Foto: KSL.NRW
Gelsenkirchen (kobinet)
„Menschenrechte brauchen gesellschaftliche Aufmerksamkeit: Unsichtbarkeit schützt nicht vor Gewalt. Sie schützt nur davor, sie wahrnehmen zu müssen. Es muss ein breites gesellschaftliches Bewusstsein für die besondere Bedrohungslage von Menschen mit Behinderungen durch rechte Kräfte geschaffen werden.“ So heißt es in einem Blogbeitrag mit einer Stellungnahme von M. Butschkau L. Bertelmann, M. Zebrowski, A.Wohlfahrt und M. Seger von der Koordinierungsstelle des Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben NRW in der Reihe Fensterblick NRW.
Veröffentlicht am 05.10.2026 14:20 von Hans-Willi Weis in der Kategorie Meinung
Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün. Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet)
„Lasst uns jetzt über unsere Ängste gemeinsam miteinander reden“, diesem jetzt auch in der Behinderten-Community geäußerten Bedürfnis kann ich nur zustimmen! Genau so hätte ich es mir auch bei den Ängsten während der extremen Hitzetage- und wochen gewünscht.
Veröffentlicht am 05.10.2026 12:28 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Logo Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm) Foto: Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm)
DÜSSELDORF (kobinet)
Für den Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) stellt das am 30. September 2026 von der Bundesregierung beschlossene Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) einen enormen Rückschritt für pflegende Angehörige dar. Insbesondere wirkt sich die Abschaffung der flexiblen Entlastungsleistungen verheerend für Eltern von Kindern mit Behinderung aus. „Wer ohne Pause pflegt, wird schnell selbst zum Pflegefall“, erklärt Beate Bettenhausen, Vorsitzende des bvkm. „Gerade Eltern von Kindern mit Behinderung, die ihre Kinder oft über viele Jahrzehnte in der eigenen Häuslichkeit pflegen, sind enormen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Sie brauchen deshalb dringend immer wieder Auszeiten und sind darauf angewiesen, dass die Pflege ihres Kindes in dieser Zeit durch vertraute Bezugspersonen sichergestellt wird.“
Vertreter*innen des Bündnis AGG Reform Jetzt!, das für eine wirksame Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eintritt, haben am heutigen 5. Oktober 2026 vor der Anhörung zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur AGG Reform die gesammenten Unterschriften an Abgeordnete des Deutschen Bundestages übergeben. Insgesamt haben bisher über 55.000 Unterstützer*innen die Petition mit dem Titel „Echter Schutz vor Diskriminierung – für ein wirksames Gleichbehandlungsgesetz“ übergeben. Natalie Rosenke von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung hat den kobinet-nachrichten kurz nach der Übergabe der Petition zugesandt.
Veröffentlicht am 05.10.2026 12:20 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Wappen Bundesland Freistaat Bayern Foto: Gemeinfrei, public domain
MÜNCHEN (kobinet)
Das Sozialministerium des Freistaates Bayern ruft federführend die Autismusstrategie Bayern ins Leben. Das Motto dieser Strategie lautet „Autismus: So vielfältig wie das Leben“. Im Rahmen der Kampagne werden in allen sozialen Medien Informationen verbreitet, es wird einen Film, Clips in den Sozialen Medien und weitere Informationsmaterialien geben. Ziel ist es, Maßnahmen umzusetzen, die die Lebensverhältnisse der Betroffenen nachhaltig zu verbessern und einen Bewusstseinswandel herbeizuführen. Wesentlicher Bestandteil der Strategie ist ein regelmäßiger Runder Tisch Autismus, der die Umsetzung begleitet. Diese Autismusstrategie wurde heute im Bayerischen Sozialministerium vorgestellt und startet noch in diesem Monat eine crossmediale Aufklärungskampagne.
Veröffentlicht am 05.10.2026 09:24 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Katrin Gensecke Foto: Katrin Gensecke
MAGDEBURG (kobinet)
Am 6. Oktober 2026 konstituiert sich der Landtag von Sachsen-Anhalt neu. Katrin Gensecke, Co-Bundesvorsitzende der AG Selbst Aktiv der SPD, wird als eine von acht SPD-Abgeordneten wieder dabei sein. Sie wurde mit einem besseren Ergebnis als vor fünf Jahren wiedergewählt. Als Sprecherin für Menschen mit Behinderungen will sie weiterhin für Barrierefreiheit, Inklusion und Partizipation kämpfen. Dies sei angesichts der starken AfD-Fraktion mit 39 Mandaten, die Inklusion als „gescheitertes Experiment“ beenden möchte, besonders wichtig, so Gensecke.
Veröffentlicht am 05.10.2026 09:05 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
261004_Köln_Marathon Foto: privat
Köln (kobinet)
Bei R(h)ein Inklusiv gingen Menschen mit und ohne Behinderung beim Köln Marathon am 4. Oktober 2026 gemeinsam an den Start. Sie wollten damit deutlich machen: Behinderung, Leistung und Spaß am Sport schließen sich in keiner Weise aus. R(h)ein Inklusiv ist eine bunte Gemeinschaft mit einem einzigartigem Wir-Gefühl: „Zusammen sind wir stark!“ Ins Leben gerufen wurde der inklusive Staffel-Marathon von der DGUV und der Deutschen Sporthochschule Köln. Beim Köln-Marathon 2016 startete R(h)ein Inklusiv erstmals – damals mit insgesamt sieben inklusiven Staffeln. Ein Jahr später waren es bereits 21 Staffeln, die gemeinsam die Marathon-Strecke absolvierten und heute 37 Staffeln.
Veröffentlicht am 05.10.2026 08:57 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Dr. Sigrid Arnade in Berlin Foto: ISL e.V.
Berlin (kobinet)
„Die jüngsten Wahlergebnisse haben das Land erschüttert. Viel ist von der Gefährdung unserer Demokratie und unserer Werte die Rede – zu Recht. Wenn man dann diesen mutlosen Gesetzentwurf liest, fragt man sich aber doch, worum die demokratischen Parteien und ihre Vertreter*innen wirklich besorgt sind: Geht es tatsächlich um die demokratischen Werte oder eher um ihre Mandate? Die Novellierung des AGGs wäre eine wunderbare Gelegenheit zu demonstrieren, worin die Vorteile eines demokratischen Gemeinwesens bestehen. Der Schutz der Würde aller Bürger*innen könnte verbessert werden; die Gleichheit aller Menschen könnte betont werden; Minderheiten könnten besser vor Diskriminierungen geschützt werden. Letzteres ist gerade angesichts des Erstarkens rechtsextremistischer Kräfte wichtiger denn je. Wir verstehen nicht, weshalb der Deutsche Bundestag so eine Steilvorlage, die Vorteile eines demokratischen Gemeinwesens zu demonstrieren und unsere Werte effektiv zu schützen, geradezu ignorant verstreichen lässt. Wen wundert da noch das schwindende Vertrauen in die einstigen Volksparteien?“ Diese Vorbemerkung hat die renommierte Behindertenrechtlerin Dr. Sigrid Arnade ihrer Stellungnahme zur heute am 5. Oktober 2026 von 11:30 – 13:30 Uhr stattfindenden Anhörung zum Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und zu einem Antrag der Bundestagsfraktion der LINKEN mit dem Titel „Antidiskriminierungsstelle des Bundes stärken – Diskriminierungsschutz erweitern“ vorweggestellt, zu der sie als Sachverständige eingeladen ist.
Veröffentlicht am 05.10.2026 07:00 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Zur Woche des Sehens in den Kölner Museen Foto: Museumsdienst Köln
KÖLN (kobinet)
Der Museumsdienst Köln bietet zur diesjährigen Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober ein umfangreiches Programm in den Kölner Museen an. Dieses umfasst Führungen in sieben Museen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Angebote sind kostenfrei, ein (ermäßigter) Eintritt ist zu entrichten. Nähere Informationen sind dazu auf dem Webportal des Museumsdienstes Köln zu erfahren.
Veröffentlicht am 05.10.2026 05:50 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Bundestag im Herbst Foto: Irina Tischer
Berlin (kobinet)
Um das Monitoring zur Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests geht es am 8. Oktober 2026 in einer auf 35 Minuten angesetzten Debatte und Beschlussfassung im Plenum des Deutschen Bundestages. Nach der bisher vorliegenden Tagesordnung des Bundestagsplenums steht dieser Punkt unter Tagesordnungspunkt 13 ab 16:15 Uhr an. „Der Bundestag stimmt am Donnerstag, 8. Oktober 2026, nach halbstündiger Aussprache über einen Antrag von 110 Abgeordneten aus den Fraktionen CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke mit dem Titel ‚Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums‘ ab. Der Antrag wurde im Gesundheitsausschuss beraten. Dem Bericht des Ausschusses zufolge haben sich dessen Mitglieder einvernehmlich dafür ausgesprochen, eine Abstimmung im Plenum des Bundestages herbeizuführen“, heißt es dazu im Informationssystem des Deutschen Bundestages zur anstehenden Beratung und Abstimmung.
„Seit vier Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen den Bluttest auf Trisomie 13, 18 und Trisomie 21 – das Downsyndrom. Laut Zahlen der Barmer Krankenkasse aus dem Jahr 2024 lässt mittlerweile etwa jede zweite Schwangere ihr Kind auf genetische Auffälligkeiten testen“, heißt es in einem am 1. Oktober 2026 veröffentlichten Beitrag des Deutschlandfunk zur Thematik mit vielen Hintergrundinformationen.
Heute, am 5. Oktober 2026 befasst sich der Deutsche Bundestag in einer öffentlichen Anhörung von 11:30 – 13:30 Uhr mit der geplanten Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Kurz vor der Anhörung übergibt das Bündnis AGG Reform-Jetzt! die Petition mit dem Titel „Echter Schutz vor Diskriminierung – für ein wirksames Gleichbehandlungsgesetz“ mit über 55.000 Unterschriften an Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Die Unterzeichner*innen fordern eine umfassende Nachbesserung des Gesetzentwurfs. Die Petition macht deutlich: „Gerade jetzt braucht es mehr Schutz vor Diskriminierung“, heißt es in einer vom Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) verbreiteten Presseinformation im Vorfeld der Anhörung, die online über das Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestages live übertragen wird. Eine der Sachverständigen bei der Anhörung wird Dr. Sigrid Arnade sein, die sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung benachteiligter Gruppen und die Achtung der Menschenrechte einsetzt. Sie hat schon vor der Verabschiedung des AGG vor 20 Jahren für ein solches Gesetz gestritten.
Veröffentlicht am 05.10.2026 05:10 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Logo: Gute Nachrichten zur Inklusion Foto: Marleen Soetandi
Karlsfeld (kobinet)
„Moritz Nickl hat das Fragile-X-Syndrom – und besuchte als erster Schüler mit geistiger Behinderung die Regelschule in Karlsfeld. Der Edeka-Marktleiter seines Praktikums war so begeistert, dass er ihm eine Stelle anbot.“ So heißt es in einem Beitrag vom 21. September 2026 des Merkur, auf den Markus Ertl die kobinet-nachrichten aufmerksam gemacht hat. Damit hat er auf den kürzlich veröffentlichten IGEL-Podcast zu fünf Jahre gute Nachrichten zur Inklusion reagiert. Der Merkur-Beitrag von Verena Möckl trägt den Titel „Ärzte prophezeiten, er werde nie schreiben und lesen: Jetzt hat Moritz (17) aus Karlsfeld ein Jobangebot“ und reiht sich in eine Reihe von ursprünglich negative Prognosen gegenüber behinderten Menschen ein, die nicht der späteren Realität entsprachen.
Veröffentlicht am 04.10.2026 07:10 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
René Perner, Beisitzer im Wahlvorstand des Campus Lebenshilfe Berlin, im Interview mit dem ZDF Foto: Dennis Lenz
BERLIN (kobinet)
Am 20. September hatte Berlin gewählt. Auf dem Campus der Lebenshilfe Berlin hatten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam das Wahllokal geleitet und anschließend die Stimmen ausgezählt. Selbstverständlich sollte dabei auch sein, dass pflegende Familien die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, Ziel der Lebenshilfe bleibt, wie betont wird, dass Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich und gleichberechtigt politisch teilhaben können. Link zur ZDFheute-Sendung vom 20. September 2026 mit einem Bericht zu dieser Wahl bei der Lebenshilfe Berlin (ab Minute 2:40)
Veröffentlicht am 04.10.2026 07:00 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
DR Fahrkartenautomat. Deutsche Reichsbahn ticket issuing machine, July 1993 Leipzig. von sludgegulper Foto: sludgegulper (Creative Commons BY-SA 2.0)
BERLIN (kobinet)
Der Deutsche Caritas-Verband bezeichnet den Tankrabatt als Bezuschussung fossiler Brennstoffe bei gleichzeitiger Preiserhöhung für das Deutschlandticket als eine „ökonomische und klimasozialpolitische Fehlentscheidung.“ Die vorgestellte Preiserhöhung für das Deutschlandticket mit Verweis auf gestiegene Personal- und Energiekosten versteht der Caritas-Verband als Ausdruck fehlenden politischen Willens: „Die Zuschüsse von Bund und Ländern für das Deutschlandticket sind auf jeweils 1,5 Mrd. Euro pro Jahr gedeckelt. Dass es hier aber finanzielle Spielräume gegeben hätte, zeigt der Tankrabatt. Für dieses nachweislich nicht wirksame, kurzfristiger Instrument werden 2,5 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt, obwohl damit die Spritpreise nicht effizient gesenkt und vielmehr die Gewinne der Erdölbranche gesteigert werden. Der nachhaltige Ausbau des ÖPNV und die Verbesserung seiner Tarifstrukturen, beispielsweise durch ein Deutschlandticket FamilyPlus zur kostenlosen Mitnahme von Kindern wären fiskal- und klimapolitisch wirksame und richtige Weichenstellungen.“
Veröffentlicht am 04.10.2026 06:05 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Meinung
Sonntag_Jennifer_2026 Foto: Jennifer Sonntag
Halle (kobinet)
„Ich seh noch alles vor mir, hör wie der Arzt mir sagte, ‚von dieser Krankheit wird man blind.“ So beginnt der Song von Danger Dan mit dem Titel „Dass es hier so schön ist“. Dieser Song hat Jennifer Sonntag nicht nur daran erinnert, wie es bei ihr war, als sie diese Botschaft in ihrer Jugend bekam. Auf Facebook hat sie ermuntert durch den Song von Danger Dan einen kleinen Einblick ihrer Geschichte von der Nachricht über die bevorstehende Erblindung, ihre Zeit als Punkerin bis hin zu ihrem Wirken als Sozialpädagogin, Journalistin und in Sachen Empowerment gegeben. Dank der Zustimmung von Jennifer Sonntag veröffentlichen die kobinet-nachrichten im Folgenden den Beitrag von Jennifer Sonntag.
Veröffentlicht am 03.10.2026 10:15 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Paragraphenzeichen unter einer Lupe vor rosafarbenem Hitnergrund Foto: H. Smikac
BERLIN (kobinet)
Die Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer (Bündnis 90/Die Grünen) hat die Bundesregierung in einer schriftlichen Anfrage gefragt, ob Kostenträger das Persönliche Budget gegen den Willen von Antragstellenden verweigern und sie stattdessen ins Dienstleistungsmodell zwingen dürfen. Dies berührt die Einhaltung des Wunsch- und Wahlrechts nach § 9 SGB IX. Die Anfrage findet sich auf Seite 58, Frage 84 der Drucksache. Christina Schwarting, selbst von der Praxis betroffen, berichtet, dass ihr trotz günstigerer und passgenauerer Lösungen durch Persönliches Budget mit Lohnabrechnungsservice und Budgetassistenz seit vier Jahren die Leistung verweigert wird. Stattdessen werde sie in die Versorgung durch einen Pflegedienst gezwungen – obwohl in ihrem Stadtviertel weder ausreichend Personalkapazitäten noch ein passendes Leistungsangebot für Pflege- und Assistenzleistungen vorhanden seien. Durch die erzwungene Dienstleistungslösung habe sie schwere körperliche, seelische und finanzielle Schäden erlitten. Schwarting regt an, über den Zwang ins Dienstleistungsmodell statt der Gewährung eines Persönlichen Budgets durch Kostenträger im Bereich der ambulanten Pflege und Eingliederungshilfe zu berichten. Sie verweist darauf, dass kobinet bereits über ähnliche Problemlagen wie Zwangspooling in Wohngruppen berichtet habe.
Veröffentlicht am 03.10.2026 10:12 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Logo Der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-Württemberg Foto: Der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-Württemberg e.V.
STUTTGART (kobinet)
Zum gestrigen Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit haben der Paritätische Baden-Württemberg und die LAG Täter*innenarbeit Häusliche Gewalt BW (LAG TäHG BW) eine verlässliche und strukturelle Finanzierung von Gewaltprävention gefordert. Gewaltfreiheit erfordere, zusätzlich zum Ausbau der Betroffenenhilfe bei den Verantwortlichen für Gewalt zu intervenieren, betonen die Verbände. Eine auskömmliche und dauerhafte Finanzierung einer flächendeckenden Täter*innenarbeitsstruktur sei hierfür unverzichtbar. Gewaltprävention und Opferschutz seien zwar gesetzlicher Auftrag, doch Präventionsangebote gegen unterschiedliche Formen von Gewalt seien derzeit auf zeitlich befristete Förderprogramme, Projektmittel, kommunale Zuschüsse oder Eigenmittel der Träger angewiesen. Dies erschwere langfristige Personalplanung, den Aufbau verlässlicher Strukturen und eine flächendeckende Versorgung. Gewalt trete in verschiedenen Kontexten auf und wiederhole sich ohne nachhaltige Intervention.
Veröffentlicht am 03.10.2026 10:07 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Charming urban street with outdoor seating and lush greenery under a clear sky. Foto: Mohamed B.
BERLIN (kobinet)
Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. hat gestern Empfehlungen zur Gestaltung inklusiver Sozialräume veröffentlicht. Inklusion sei eine Gemeinschaftsaufgabe, die neben der kommunalen Daseinsvorsorge das Engagement der gesamten Gesellschaft erfordere, heißt es zur Begründung. Die inklusive Ausrichtung von Sozialräumen fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt und stärke die sozialen Hilfesysteme. Inklusion finde vor allem im Nahraum von Kommunen und Quartieren statt. Damit sie gelinge, müssten Leistungen und Angebote im Sozialraum aufeinander abgestimmt und für alle Menschen zugänglich sein, so der Deutsche Verein. Notwendig seien eine handlungsfeldübergreifende Gesamtstrategie sowie Vernetzung und Kooperation aller Akteure im Sozialraum.
Veröffentlicht am 03.10.2026 06:20 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Logo zum Diskriminierungsschutz des NETZWERK ARTIKEL 3 Foto: NW3, Michael Möller
Erfurt / Berlin (kobinet)
Der äusserst umstrittene Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) steckt nach der Anhörung im Bundestag vom 22. Juni 2026 weiterhin in der Abstimmung der Koalitionsfraktionen fest und die Anhörung zur minimalistisch ausgestalteten Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) findet am 5. Oktober 2026 im Rechtsausschuss des Bundestages statt. Bei beiden Gesetzen geht es für behinderte Menschen darum, ob endlich wirksame und einklagbare Regelungen zur Herstellung von Barrierefreiheit und für angemessene Vorkehrungen privater Unternehmen gesetzlich verankert werden. Warum dies so wichtig ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Erfurt. Wie mdr Aktuell berichtet wurde dort ein Nutzer eines Rollators beim Erfurter Oktoberfest nicht ins Festzelt gelassen. Die Ansage war dabei klar, dass da niemand mit vier Rädern reinkomme.
Veröffentlicht am 02.10.2026 10:09 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
261001_Freedom_Drive_begun Foto: ENIL
Brüssel (kobinet)
„No More Excuses – Our Time is NOW!“ Unter diesem Motto, das in deutsch übersetzt „Keine weiteren Ausreden – Unsere Zeit ist Jetzt!“ bedeutet, fanden vom 29. September bis 1. Oktober 2026 eine Reihe von Veranstaltungen und eine Demonstration zum Freedom Drive in Brüssel statt. Zur Demonstration, die zum Europäischen Parlament führte, hatte das Europäische Netzwerk zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen (European Network on Independent Living, ENIL) aufgerufen. Bereits seit 2003 demonstriert die europäische Interessenvertretung für ein selbstbestimmtes Leben behnderter Menschen immer wieder mittels des Freedom Drive für Gleichstellung und Selbstbestimmung. „Menschen mit Behinderungen protestieren vorm EU-Parlament für ein selbstbestimmtes Leben. Aktivist Florian Sanden kritisiert geplante Sozialkürzungen“, heißt es in der Einleitung eines Interviews von Andrea Schöne von der Tageszeitung taz, das diese mit Florian Sanden von ENIL angesichts der aktuellen Proteste in Brüssel führte. Der taz-Beitrag steht unter der Überschrift: „Hunderttausende wollen nicht mehr fremdbestimmt werden“.
Veröffentlicht am 02.10.2026 07:31 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
REHADAT Logo Foto: REHADAT
KÖLN (kobinet)
REHADAT bietet ab sofort eine zentrale Übersicht für Jobcoaches am Arbeitsplatz an, um Menschen mit Behinderungen, Arbeitgeber sowie Beratungsstellen die Suche nach qualifizierten Ansprechpersonen zu erleichtern. Zum Start am 1. Oktober 2026 umfasst das Verzeichnis Jobcoaches aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen. Weitere Bundesländer sollen in den kommenden Monaten folgen. Das Angebot richtet sich an alle Beteiligten der beruflichen Teilhabe. Die zuständigen Inklusionsämter stellen die Daten der Jobcoaches bereit und prüfen diese. Jobcoaching am Arbeitsplatz findet direkt am Arbeits- oder Ausbildungsplatz statt. Ziel ist die Entwicklung passgenauer Lösungen für den Arbeitsalltag, um die selbstständige Ausübung der Arbeit zu fördern und das Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren.
Veröffentlicht am 02.10.2026 07:11 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
Logo des Landesverband Bayern der Gehörlosen Foto: Landesverband Bayern der Gehörlosen
MÜNCHEN (kobinet)
Der Gehörlosenverband München und Umland e. V. (GMU) hat die Trägerschaft des Projekts DeafPal übernommen. Das Projekt zielte ursprünglich darauf ab, die grundlegende Palliativversorgung für taube Menschen zu verbessern. Entwickelt wurde es als Forschungsprojekt der Hochschule Landshut unter der Leitung von Prof.in Dr. Uta Benner und Prof.in Dr. Sabine Fries. DeafPal entstand in partizipativer Zusammenarbeit mit tauben Menschen, deren Erfahrungen und Perspektiven direkt in die Umsetzung einflossen. Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst lief das Projekt von Januar 2021 bis Dezember 2023 und wurde bis Juni 2024 verlängert. Nun stellt die GMU eine überarbeitete Website unter www.deafpal.de bereit. Ein Schwerpunkt liegt auf Inhalten in Deutscher Gebärdensprache (DGS): Aktuell sind 30 Gebärdensprachvideos zum Thema Palliativversorgung verfügbar, weitere sind in Planung.
Veröffentlicht am 02.10.2026 07:06 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
Logo der Bundesagentur für Arbeit Foto: BA
Nürnberg (kobinet)
Die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen in Deutschland bleibt anhaltend hoch. Auch wenn im September 2026 der Höchstwert von 194.164 arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen mit 193.329 leicht unterschritten wird, ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen in den letzten Jahren in Deutschland unverkennbar. Im September 2025 waren beispielsweise über 8.000 schwerbehinderte Menschen weniger arbeitslos gemeldet als derzeit. Im September 2025 lag diese noch bei 185.269, wie aus den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Ein Blick zurück in die Zeit vor der Corona-Pandemie zeigt, wie dramatisch sich die Situation schwerbehinderter Menschen am Arbeitsmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat. Im September 2019 waren mit 153.538 fast 40.000 schwerbehinderte Menschen weniger arbeitslos gemeldet als heute.
Die 28 Berufsförderungswerke (BFW) mit rund 100 Standorten verzeichnen eine steigende Nachfrage nach beruflicher Rehabilitation, bedingt durch den demografischen Wandel und veränderte Anforderungen der Arbeitswelt. Besonders bei psychischen oder chronischen Erkrankungen benötigen immer mehr Menschen Unterstützung für einen beruflichen Neustart. Wie der Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke (BV BFW) mitteilt, gelingt über 78 Prozent der Absolventinnen und Absolventen nach ihrer Rehabilitation der Weg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Veröffentlicht am 02.10.2026 06:51 von Hartmut Smikac in der Kategorie Nachricht
red cross Foto: planet_fox
BERLIN (kobinet)
Die Bundesregierung hat den Gesetzentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) beschlossen. Damit beginnt das parlamentarische Verfahren zur Neuordnung der Pflegeversicherung. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht Licht und Schatten: Begrüßt wird die Rücknahme der Absenkung von Rentenansprüchen pflegender Angehöriger und die Beibehaltung der gestaffelten Leistungszuschüsse in stationären Pflegeeinrichtungen. Unterstützt wird auch die geplante fachliche Pflegebegleitung und Stärkung der Prävention und Rehabilitation. Allerdings sieht das DRK bei der langfristigen Finanzierung der Pflege weiterhin grundlegenden Handlungsbedarf. „Die Pflege steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig wird die Finanzierung der Versorgung für Pflegebedürftige, Angehörige und Einrichtungen zunehmend schwieriger. Deshalb brauchen wir eine Reform, die nicht nur kurzfristig die Pflegeversicherung stabilisiert, sondern die Pflege dauerhaft verlässlich absichert“, sagt Christian Reuter, Generalsekretär des DRK.
Veröffentlicht am 02.10.2026 06:05 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Nachricht
260807_Petition Foto: Bündnis AGG Reform Jetzt!
Berlin (kobinet)
Die Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) biegt mit der am 5. Oktober 2026 stattfindenden Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages von 11:30 bis 13:30 Uhr, die auch im Parlamentsfernsehen des Bundestages übertragen wird, in die Zielgerade ein. Um den Druck für eine längst überfällige und nötige echte Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zu erhöhen, hat das Bündnis AGG Reform Jetzt! von über 120 Organisationen im August 2026 eine Petition gestartet, die mittlerweile von über 55.000 Menschen unterstützt wird. Das Bündnis AGG Reform Jetzt!, das die Petition am 5. Oktober 2026 kurz vor der Anhörung zum Gesetzentwurf im Paul-Löbe-Haus übergeben wird, wirbt dafür, noch möglichst viele weitere Unterstützer*innen der Petition zu gewinnen. Denn erheblicher Druck ist nötig, um echte Verbesserungen im Gesetzgebungsverfahren zu erreichen.