Noch 14 Tage bis zur Bundestagswahl

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Matthias Grombach
Matthias Grombach
Bild: sch

Berlin (kobinet) Für Matthias Grombach, der vier Jahre lang gegen seinen Willen in einem "Heim" leben musste bis er sich seine Persönliche Assistenz und das Leben in einer eigenen Wohnung erkämpft hat, ist es selbstverständlich zur Bundestagswahl zu rollen. Er hofft auf ein gutes Bundesleistungsgesetz. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihm am Rande einer Tagung der Bundesinitiative Daheim statt Heim in Berlin.

kobinet-nachrichten: Du bist dafür bekannt, dass du für deine Rechte kämpfst. Wirst du am 22. September auch an der Bundestagswahl teilnehmen? Und wenn, kommst du in dein Wahllokal mit deinem Elektrorollstuhl rein?

Matthias Grombach: Zur Wahl werde ich auf jeden Fall gehen, das habe ich bisher immer gemacht. Bis jetzt bin ich auch immer rein gekommen. Ich weiß nur noch nicht genau, ob mein Wahllokal dieses Mal barrierefrei ist, weil ich seit der letzten Wahl umgezogen bin und jetzt ein neues Wahllokal habe. Da werde ich mich auf jeden Fall noch schlau machen.

kobinet-nachrichten: Wenn du deine Stimme abgibst, was ist dir dabei wichtig, was sich in Deutschland ändert?

Matthias Grombach: Es ist wichtig, dass es ehrlich ist, dass es sozial ist, das wären schon mal zwei wichtige Punkte. 

kobinet-nachrichten: Was wünscht du dir in behindertenpolitischer Hinsicht für die nächste Legislaturperiode?

Matthias Grombach: Auf jeden Fall ein Bundesleistungsgesetz mit einkommens- und vermögensunabhängigen Leistungen, das viele Menschen mit verschiedenen Behinderungen erreicht. Ich wünsche mir, dass wirklich mal gehandelt und nicht nur gesprochen wird. 

 

kobinet-nachrichten: Du selbst hast eine Geschichte hinter dir, in der du gehandelt hast. Du hast dir den Weg aus dem Heim in die eigene Wohnung mühsam erkämpft. Wie war dieser Prozess und hast du ein paar Tipps für Andere, die das auch wollen?

Matthias Grombach: Der wichtigste Tipp ist glaube ich, erst einmal sich das zuzutrauen und durchhalten. Es war sehr schwierig und auch sehr leidvoll. Es hat mich sehr viele schlaflose Nächte gekostet und ich habe sehr viel dazu gelernt. Man muss einfach am Ball bleiben, darf sich nichts gefallen und sich nicht diskriminieren lassen. Das ist das Wichtigste - und sich Freunde suchen und mit denen das gemeinsam durchstehen.

kobinet-nachrichten: Wie viele Jahre warst du im Heim?

Matthias Grombach: Ich war vier Jahre im Heim.

kobinet-nachrichten: Und jetzt willst du wahrscheinlich wieder zurück - oder?

Matthias Grombach: Auf keinen Fall - Nein! Es ist ein so großer Unterschied, dass ich jetzt wirklich ein selbstbestimmtes Leben habe und eben auch die Dinge machen kann, die ich gerne möchte. Wenn ich das mit davor vergleiche, wo ich nur eingesperrt war, um es mal auf den Punkt zu bringen. Das ist wie Tag und Nacht, dieser Unterschied. 

kobinet-nachrichten: Vielen Dank und viel Glück bei der Wahl.

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