Wie der Staat Behinderte arm hält

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Constantin Grosch mit Assistenten in einer Bibliothek
Constantin Grosch mit Assistenten in einer Bibliothek
Bild: NDR/Panorama

Hamburg (kobinet) Constantin Grosch, einer der fünf Erstunterzeichner der Petition mit einem Vorschlag für die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin, hat zusammen mit Nancy Poser Auskunft am 19. Dezember in Panorama gegeben. "Rollstuhlfahrer: Wie der Staat Behinderte arm hält" war der Titel ihres Beitrags im ältesten politischen Magazin des deutschen Fernsehens.

Wer als Behinderter auf Hilfe angewiesen ist, muss Assistenz im Alltag selbst bezahlen. Vom Gehalt bleibt oft nur etwas mehr als Sozialhilfeniveau. Constantin Grosch, der Jura-Student aus Hameln, will das ändern. Nancy Poser wurde mit Jura-Prädikatsexamen Richterin am Amtsgericht in Trier. Obwohl sie einen guten Job hat, wird sie nie Geld zurücklegen können für große Ausgaben wie etwa eine Kreuzfahrt, Reparaturen an der Wohnung oder für die Altersfürsorge, so der Panorama-Bericht

Lesermeinungen zu “Wie der Staat Behinderte arm hält” (2)

Von Arnd Hellinger

Mittlerweile finde ich es schon mehr als fragwürdig, ja beängstigend, dass in den behindertenpolitisch relevanten Medien in letzter Zeit zwar ständig über die - durchaus berechtigten - Anliegen "voll arbeitsfähiger" Behinderter berichtet und diskutiert wird, die AutorInnen dabei aber Alljene ignorieren, die sich wegen ihrer Behinderung eben NICHT (oder auch nicht mehr) am Prozess der Erwerbsarbeit beteiligen KÖNNEN.

Dazu gehören nicht nur die von Frau Maubach et al. hier zu Recht immer wieder vorgetragenen Fälle, sondern auch Leute wie ich selbst, bei denen die Behindeerung mit zunehmendem Alter (44) immer stärker in den Alltag eingreift, so dass eine regelmäßige Erwerbsarbeit mit viel zuviel Stress verbunden ist. In diese Kategorie fallen beispielsweise auch noch Menschen mit fortgeschrittener MS oder Muskeldystrophie...

Es darf einfach keine Behinderten 1., 2. und 3. Klasse geben - hier müssen wir auch untereinander (wieder) deutlich solidarischer denken und agieren! Die UN-BRK gilt schließlich für ALLE, oder?

Von harle

@Panorama @Nancy Poser @Constantin Grosch … - und allen @kobinet-Lesern

O ja doch! Menschen, mögen sie auch noch so verschieden behindert, krank oder NICHT behindert und krank sein, haben eins gemeinsam: ein angeborenes Verlangen nach Sinn, Ziel und Zweck. Dieses Bedürfnis, den Sinn des Lebens zu verstehen, scheint für unsere psychologische Entwicklung und unserer Behindertenbewegung ebenso wichtig zu sein, wie zum Beispiel das Trinken und Essen und Schlafen für unsere biologische Entwicklung.

Obwohl viele von uns, im Besonderen viele NICHT-behinderte Menschen, nie bewusst zugeben würden oder glauben möchten, dass unser Leben wirklich seinen eigenen Sinn hat, weiß unser Unbewusstes doch, weswegen wir hier sind: es verschafft sich Gehör und übermittelt uns Botschaften durch Träume, Eingebungen und tiefe innere Sehnsüchte. Der Ruf unseres Schicksals manifestiert sich in unseren grundlegenden Neigungen und Fähigkeiten – den verborgenen Kräften hinter unserer Persönlichkeit, egal ob behindert oder NICHT-behindert, ob krank oder nicht-krank. Diese Neigungen und Tendenzen bestimmen unseren Werdegang, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und beeinflussen Qualität und Richtung unseres Lebens.

Bis wir den verborgenen Sinn erkannt und uns damit in Einklang gebracht haben, kommt uns unser Leben häufig wie ein Puzzle vor, in dem einige Teile fehlen; wir haben Gefühl, als seien wir für ‚etwas Bestimmtes‘ hier, können es aber nicht recht greifen. Wir arbeiten, genießen unsere Freizeit, essen, schlafen, verdienen Geld, wenn wir so denn eine Arbeit haben oder Arbeiten können oder es dürfen, geben Geld aus und erleben jeder unser Teil an Erfreulichen und Unerfreulichen, aber die grundlegende Erkenntnis, welchen Sinn unser Leben mit oder ohne Behinderung hat, mag uns trotzdem versagt bleiben.

Wahrhaftig, so ist es!: „Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“ Welche auch immer.

Streiten und Kämpfen wir solidarisch im Miteinander weiter darum um das Bessere und vertrauen wir darauf, dass Gesellschaft und Politik doch noch schneller und wirksamer zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 findet.

Frohe Weihnachten!

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