Fast jeder zweite Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen!

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

100 Euro Schein
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Bild: omp

Berlin (kobinet) Als Beleg des Scheiterns bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen über den Anstieg der Sozialhilfeleistungen für Pflegebedürftige (Hilfe zur Pflege). Der Verband macht auf eigene Berechnungen aufmerksam, wonach mittlerweile fast die Hälfte der in Heimen lebenden Menschen auf Sozialhilfe angewiesen ist. Der Paritätische fordert die Einsetzung eines Runden Tisches für eine grundlegende Revision der Pflegeleistungen.

"Das Ziel der sozialen Pflegeversicherung, Menschen im Falle der Pflegebedürftigkeit zuverlässig vor Armut zu schützen, ist komplett gescheitert. Nicht einmal zwanzig Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung ist die Sozialhilfe für Pflegebedürftige in Heimen quasi zum Regelfall geworden und die Pflegeversicherung damit ad absurdum geführt", kritisiert der Pflegeexperte und Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes Werner Hesse. Nach eigenen Berechnungen des Verbandes sind mittlerweile über 40 Prozent der Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen.

Der Paritätische fordert die Einsetzung eines Runden Tisches von Politik, Pflegekassen und Wohlfahrtsverbänden, um die Pflegeleistungen neu zu organisieren. "Wir brauchen einen kompletten Neuanfang und müssen das System vom Kopf auf die Füße stellen. Wir können nicht an einem System festhalten, das nachweislich nicht funktioniert und Menschen massenhaft in Armut stürzen lässt, sobald sie pflegebedürftig werden. Hier sind alle verantwortlichen Akteure in der Pflicht, neue Lösungen zu entwickeln", so Werner Hesse.

Lesermeinungen zu “Fast jeder zweite Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen!” (3)

Von EK

@behindertenrecht : Richtig. Und die Tatsache, daß die Pflegeversicherung nur teilweise für die Kosten aufkommt, dient wiederum als Grundlage für die beliebte und scheinheilige Argumentation der Pflegebranche, daß die Pflegeversicherung ja keine "Vollkasko-Versicherung" sei, deshalb keine menschenwürdige Pflege "refinanziert" sei. Als ob Betroffene/Angehörige/Sozialamt nicht das volle Heimentgelt aufstocken würden....!!!

Von behindertenrecht

Warum Pflegebedürftige in Heimen auf Sozialhilfe angewiesen sind, liegt vorallem daran, daß bei vollstationärer Pflege die Pflegeversicherung -deren Leistungen gesetzlich nicht vermögensabhängig sind - nur teilweise für die Pflegekosten aufkommt . Ebenso bei teilstationärer Pflege und das die Sozialhilfe erst "einspringt" , wenn vorhandenes Vermögen verbraucht ist, sodaß auch für mögliche Erben nichts übring bleibt .

Von EK

Kompletter Neuanfang klingt auffallend richtig! Hierzu gehören an den "Runden Tisch" aber nicht nur Politik, Pflegekassen und Wohlfahrtsverbände, sondern auch Betroffenenverbände und Angehörigenverbände sonst kann es kein Neuanfang sein sondern bleibt das Geklüngel das es schon immer war.

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