Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung der Werkstätten

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Cornelia Rundt
Cornelia Rundt
Bild: Sozialministerium Niedersachsen

Hannover (kobinet) Etwa 32.000 Menschen mit Behinderungen sind in Niedersachen im Berufsbildungs- oder Arbeitsbereich in Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt. Niedersachsen will möglichst vielen von ihnen den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen und will die Leistungsangebote der Werkstätten zu einer inklusiven beruflichen Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention sowie des Bundesteilhabegesetzes weiterentwickeln.

Daher haben letzte Woche Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt sowie Vertreterinnen und Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen, der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit und des Niedersächsischen Landkreistages die "Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung der Werkstätten für behinderte Menschen in Niedersachsen" unterzeichnet. "Dies ist ein weiterer Schritt hin zu einer inklusiven beruflichen Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen", betonte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt. "Damit sind wir dem Ziel, die UN-Behindertenrechtskonvention in Niedersachsen mit Leben zu füllen, wieder ein Stück näher gekommen."

Um den Menschen mit Behinderungen ihren Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ebnen, bündeln die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner ihre Aktivitäten und ihre Möglichkeiten der Unterstützung, indem sie zum Beispiel fachliche Standards zur Werkstatt-Arbeit vereinbart haben. "Die Weiterqualifizierung der beruflichen Bildung durch gleiche Qualitätsstandards in den niedersächsischen Werkstätten für behinderte Menschen ist von enormer Bedeutung", so Prof. Burghardt Zirpins, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. "Eine individuelle angepasste berufliche Bildung und Förderung für alle Personenkreise in der Werkstatt ist uns dabei wichtig", so Zirpins weiter.

Die Werkstätten für behinderte Menschen wollen sich noch enger mit ortsansässigen Betrieben vernetzen. "Die Menschen mit Behinderung werden nun noch näher an den Arbeitsmarkt herangeführt. Davon profitieren sie ganz direkt: Alle, die den Berufsbildungsbereich der Werkstätten abschließen, erhalten darüber ein Zertifikat. Dieses Zertifikat ist ein Zeichen der Wertschätzung für die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse – und für Arbeitgeber ein klarer Nachweis für die erreichten Qualifikationen", erläuterte Bärbel Höltzen-Schoh, Vorsitzende der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit.

"Die Partner gewährleisten Rahmenbedingungen für eine Werkstattarbeit, die die unterschiedliche Leistungsfähigkeit und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten jeder und jedes Einzelnen berücksichtigen", erklärte Ministerin Rundt. Durch eine angemessene Förderung, Assistenz und Arbeit sollen die beruflichen Perspektiven, der soziale Status, das Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität der Menschen mit Behinderungen verbessert werden. Das individuelle Wunsch- und Wahlrecht ist dabei zu berücksichtigen.

"Wir müssen auf die sich verändernden Bedarfe durch Personenzentrierung, Inklusionsausrichtung und Sozialraumorientierung reagieren", erläuterte Klaus Wiswe, Vizepräsident des Niedersächsischen Landkreistages. "Die Strukturverantwortung erfordert", so Wiswe weiter, "dass der Wandel im System der Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen in einem fortlaufenden Anpassungsprozess gestaltet wird, damit auch zukünftig eine bedarfsgerechte Förderung der Menschen mit Behinderung erfolgt." Dazu wollen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Erklärung neue Konzepte entwickeln und gemeinsam mit den weiteren Kooperationspartnern (Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Niedersächsisches Kultusministerium, Niedersächsischer Städtetag sowie Industrie- und Handelskammern, Landwirtschaftskammern und Handwerkskammern) in einem regelmäßigen Dialog Möglichkeiten der Weiterentwicklung erörtern.

Lesermeinungen zu “Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung der Werkstätten” (9)

Von TINA

Alternative Fakten?

Obwohl ein Übergang so gut wie nicht im untersten PROMILLEBEREICH (1,7 ‰) stattfand, attestierte der Landtag in Hannover den WfbM "ausgezeichnete Arbeit" wie folgt:

"Der Landtag stellt fest: Die Werkstätten für behinderte Menschen (WFbM) in Niedersachsen leisten ausgezeichnete Arbeit... bei der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt." (Drs. 17/5902 vom 08.06.2016)
www.landtag-niedersachsen.de/ps/tools/download.php?file=/ltnds/live/cms/dms/psfile/docfile/51/17_6995584120283d079.pdf

FAKTENCHECK unter
www.behindertenbeauftragte-niedersachsen.de/PI140616.html

Von TINA

"Niedersachsen will möglichst vielen von ihnen den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen..."

Klingt alles sehr "blumig" - mit keinerlei Übergangsquoten aus WfbM hinterlegt. Darüber berichtete Wontorra am 21.06.2016 (0,17 Prozent = 1,7 Promille!), d.h. Stagnation seit über zehn Jahren, unter
www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/33992/Quote.htm

Von kirsti

Herr Heineker, das war eigentlich auch gar nicht so ernst gemeint; sondern eher Ironie: 6 Arbeitsplätze auf wie viele Plätze in Werkstätten?

Von Uwe Heineker

@kirsti

diese "Verbesserungen" sind leider nur Einzelfälle, die man fast mit der Lupe suchen muss

Von kirsti

Herr Heineker, Sie haben übersehen, dass Verbesserungen für Behinderte heute schon in Realität ist.

Denn in Mecklenburg-Vorpommern wurden, wie kobinet am 30.03. berichtete, sechs Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen geschaffen:

„Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese hat in Tutow im Landkreis Vorpommern-Greifswald zur Eröffnung des dortigen CAP-Marktes einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 235.000 Euro übergeben. In dem Integrationsprojekt mit Einkaufsmarkt und angeschlossenen Backshop ist die Beschäftigung von 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geplant,
wovon sechs schwerbehindert sind.“

Von Uwe Heineker

Nachtrag:

Wieder einmal werden - wie schon oft in der Vergangenheit - menschenrechtswidrige Zustände in Werkstätten angeprangert, aber auch Lösungsmöglichkeiten in Richtung einer grundlegenden Änderung der Strukturen in diesen Einrichtungen aufgezeigt und gefordert.

Ob dies auch in absehbarer Zeit gelingt, bezweifel ich - denn: weder Werkstatt-Träger noch die Politik sind überhaupt nicht gewillt, daran etwas zu ändern. Dies zeigt sich aktuell besonders deutlich im neuen Bundesteilhabegesetz, das den Status quo der Werkstätten sogar weiterhin festschreibt.

Hierzu hintergründig auch sehr lesenswert:

https://www.brandeins.de/archiv/2016/das-neue-verkaufen/behindertenwerkstatt-werkstattbericht/

Von Elli Wilfling

Toll! Dabei dachte ich eigentlich, die Werkstätten wären schon lange verpflichtet, so zu arbeiten. Wie sonst könnten sie ihr Ziel, Menschen mit Behinderung wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterzubringen, erfüllen ?

Von Behindert_im_System

Sehr geehrter Herr Heineker,

wundert Sie etwa so eine Entwicklung? Die Erklärung von heute schafft doch erst den Grundstein über neue Wege und eventuell erreichbarer Ziele. Man kann doch niemals erwarten, das wichtige Erklärungen dann auch erkennbar sofort umgesetzt werden. Dies wäre zu viel verlangt, denn eine Erklärung mit der Absicht auch zu handeln braucht seine Zeit, will man nicht aus den letzten 10 Jahren die Erkenntnisse vernachlässigen, denn diese sollen ja dann den Grund oder Leitsatz der nächsten Erklärung widerspiegeln. Fortsetzung folgt!

Von Uwe Heineker

Vor 10 Jahren wurde die "Deutzer Erklärung" ( http://www.sozialpsychiatrie-mv.de/PDF/DeutzerErklaerung.pdf ) mit ähnlicher Zielrichtung und Forderungen an die Politik gerichtet - mit Null Auswirkungen ...

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