Lobbyismus der Hilfsmittelindustrie gut?

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Andreas Vega bei einer Demo in Berlin
Andreas Vega bei einer Demo in Berlin
Bild: sch

München (kobinet) Der Verein Lobbycontrol hat sich zur Aufgabe gemacht, den Einfluss von Industrie und vermögenden Lobbyisten auf die Abgeordneten des Bundestages sowie die politischen Parteien öffentlich zu machen. Nach den aktuellen Auswertungen gab es im Wahljahr 2017 die meisten Großspenden für die CDU und für die FDP. Bei der letzteren Partei fällt auch der Unternehmer Hans-Georg Näder, Chef des Prothesen- und Rollstuhlherstellers Otto Bock, durch seine großzügige Überweisung an die Liberalen auf, berichtet heute kobinet-Korrespondent Andreas Vega:

Wie die Welt/N24 am ersten Weihnachtsfeiertag in ihrer Onlineausgabe berichtete, gingen im Bundestagswahljahr 2017 Spenden in Höhe von rund 5,5 Millionen € an die im Bundestag vertretenen Parteien. Hans-Georg Näder, der Chef des Hilfsmittelherstellers Otto Bock, ließ der FDP insgesamt 200.000 € in zwei Tranchen überweisen. Noch im September spendete Näder auch 100.000 € an die CDU.

Gegenüber der Welt/N24 führte der großzügige Spender aus: „Egal, ob in der Regierung oder in der Opposition: Ich bin sicher, dass die FDP wirtschaftspolitische Akzente setzen wird und unterstütze sie. Als Familienunternehmer fühle ich mich in der Partei pudelwohl, und das geht vielen meiner Unternehmerkollegen genauso.“ Der freie Wettbewerb schaffe die ökonomische Grundlage, um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. „Dafür tritt die FDP ein.“

Für viele Menschen mit Behinderung erscheint diese Denke höchst paradox. Gerade die CDU und die FDP stehen für einen restriktiven Kurs der Krankenkassen gegenüber Patienten. Immer wieder werden Anträge auf Hilfsmittel, trotz einiger gesetzlicher Änderungen, von den Krankenkassen boykottiert und verweigert. Gerade der Firma Otto Bock mit ihren hochwertigen und innovativen Produkten entsteht dadurch ein erheblicher Verlust, weil rezeptierte Produkte oft nicht übernommen werden. Eigentlich sollte der Chef von Otto Bock seinen Einfluss geltend machen, um eine bedarfsgerechte Versorgung der Patienten durch die Krankenkassen durchzusetzen.

Die Parteispenden lassen sich in der Parteispenden-Datenbank von Lobbycontroll abfragen.

Lesermeinungen zu “Lobbyismus der Hilfsmittelindustrie gut?” (2)

Von Tomtom

Diese Hr.Mäder symbolisiert doch hervorragend den Zeitgeist. Vom Leid anderer profitieren , jede Art von Subvention mitnehmen, sich als " heldenhafter, sozialer Engel "und Wohltäter inszenieren und dabei die " fettlebigste Sause " gönnen die möglich ist.
Nur die" Kulisse" hat sich in den letzten 200 Jahren geändert , aufgeführt wird immer dasselbe Stück !

Von DanielM

Wie selbst das Manager-Magazin am 25.8.2017 berichtet zieht der derzeitige Inhaber von Otto Bock, Hans Georg Mäder, große Summen aus dem Unternehmen ab, um sich damit "teure" Hobbies leisten zu können. So was nennt sich dann "asoziales" Verhalten, da er das Geld lieber in die eigene Tasche steckt bzw. an Parteien gibt, die der "Industrie" nahe stehen anstatt das Geld für "soziale" Projekte sinnvoll zu verwenden.
Hierdran kann man sehr gut sehen wie "sozial" bzw. "asozial" teilweise Inhaber von Unternehmen für behinderte Menschen sind. Geld regiert die Welt.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/otto-bock-inhaber-hans-georg-naeder-zieht-hohe-summen-aus-firma-ab-a-1164387.html

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