10 Jahre Budget für Arbeit in Niedersachsen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Zahl 10
Zahl 10
Bild: ht

Berlin (kobinet) Petra Wontorra, die niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, macht auf das zehnjährige Jubiläum des Budgets für Arbeit in Niedersachsen aufmerksam. "Das Land hatte 2008 als eines der ersten Bundesländer mit dem Budget für Arbeit ein Modell entwickelt, welches den Übergang von Beschäftigten aus einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt", erläutert Petra Wontorra und ergänzt: "Mit dem Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes zum 1. Januar 2018 ist das Budget für Arbeit jetzt bundesweit möglich.“

Menschen, welche die Aufnahmevoraussetzungen für eine WfbM erfüllen, können mit dem Budget für Arbeit den eigenständigen Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt einschlagen. Lohnkostenzuschüsse können gewährt werden, wenn ein gültiger Arbeitsvertrag über ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit einer tarifvertraglichen oder ortsüblichen Entlohnung vorliegt. In Niedersachsen wurde das neue Recht seit Juli 2017 weiterentwickelt. In Ausnahmefällen können Fahrtkosten zum Arbeitsplatz teilweise übernommen werden. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die die Beschäftigungsquote bereits erfüllen, können in Niedersachsen zwei Jahre lang zusätzlich einen monatlichen Zuschuss von 250 € erhalten.

Menschen mit Behinderungen, die ein Budget für Arbeit in Anspruch nehmen wollen, können sich an die überörtlichen Träger der Sozialhilfe wenden. Die Interessenbekundung ist auch über den Werkstattträger und andere Leistungsanbieter möglich. Werkstattträger sollen Menschen mit Behinderungen bei einem Wechselwunsch in das Budget für Arbeit beraten und können den Übergang mit geeigneten Maßnahmen, wie Begleitung und Anleitung, fördern. Interessierte können sich auch an die Reha-Ansprechpartnerinnen und -partner bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wenden oder sich von den „Ergänzenden unabhängigen Beratungsstellen“ (EUTB) beraten lassen, berichtet Petra Wontorra.

Die Landesbehindertenbeauftragte hofft, dass das Budget für Arbeit deutschlandweit bekannter wird. Sie appelliert an Unternehmen und Menschen mit Behinderungen, sich gezielt zu informieren und neue Chancen zu ergreifen.

Lesermeinungen zu “10 Jahre Budget für Arbeit in Niedersachsen” (3)

Von Sven Drebes

Hallo Kirsti,

müsste man, Ihrer Logik folgend, dann nicht auch Aspirin vorwerfen, dass es nicht gegen Beinbrüche hilft? Keine Frage, das Budget für Arbeit löst bei weitem nicht alle Probleme, eines aber eben doch, nämlich das, dass Menschen, die als "dauerhaft voll erwerbsgemindert" gelten, keinen Zugang zu Lohnkostenzuschüssen haben, wenn sie das schaffen, was das Ziel des WfbM-Systems ist. Deshalb halte ich es für genauso falsch, es zum Allheilmittel zu erklären, wie, es zu verteufeln.

Von kirsti

Was hat das „Budget für Arbeit“ für einen Sinn, wenn wie aus einer bereits geschlossenen Diskussion im Forum zum Reha- Recht hervorgeht, ein Krefelder Bürger in einer WfbM nachfragt, um einem behinderten Werkstattbeschäftigten einen Arbeitsplatz für Gartenarbeit auf 450,- Basis anzubieten, und dabei auf brüske Ablehnung seitens der Werkstatt stößt?

Dieses Beispiel demonstriert doch eindrucksvoll, welche Einstellung gegenüber „ihren“ Behinderten in den Werkstätten vorherrscht. Und diese ist nun wie von Geisterhand durch das Instrument „Budget für Arbeit“ beseitigt?

Welch ein Irrtum!

Von kirsti

Um das hochgelobte „Budget für Arbeit“ – aus der Außensicht - mal zu entzaubern:

Voraussetzung ist nach § 61 SGB IX (neues BTHG)

1. die Werkstattfähigkeit – für Nicht-Eingeweihte: WfbM- Fähigkeit. Aber: auch ohne „Budget für Arbeit“ besteht für die WfbM die Verpflichtung, Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren.
Frage: Was ist denn nun neu am „Budget für Arbeit“?

2. der konkrete Nachweis des WfbM- Beschäftigten über einen Arbeitsplatz in Form der konkrten Vorlage eines Arbeitsvertrags außerhalb der Werkstatt, um den wird sich die WfbM wohl kaum selbst kümmern wird, sondern dies obliegt dem Einzelnen, oder?

Andernfalls hätte sich die WfbM schon früher auf Grund ihrer Verpflichtung, Beschäftigte für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren, um diesen Arbeitsplatz gekümmert.

3. Kritik:
3.1 Es gibt – ja wirklich, kaum zu glauben – Menschen, die nicht „werkstattfähig“ sind, da sie nicht arbeiten können.
3.2 Es gibt – ja wirklich, kaum zu glauben – Menschen, die zwar schwerbehindert sind, aber für eine Werkstatt für Behinderte nicht taugen, da sie „überqualifiziert“ sind. Wäre Herr Hawking in einer WfbM gut aufgehoben? Entschuldigung: dieser Vergleich musste zur Darstellung der Absurdität des „Budgets für Arbeit“ genannt werden.

Welches Menschenbild haben die „Macher“ des Bundesteilhabegesetzes incl. des gepriesenen „Budgets für Arbeit“ von Behinderung?


Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.