Pflege bei Demenz in Heimen unzureichend

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Drei rote Ausrufezeichen
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Bild: ForseA e.V.

Berlin (kobinet) Ohne die Unterstützung von Angehörigen ist die Pflege von Menschen mit Demenz im Heim oft nicht sichergestellt, sagt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Selbsthilfe Demenz und beruft sich dabei auch auf den am 1. Februar vom Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen veröffentlichten fünften Qualitätsbericht zur Pflege.

In diesem Bericht heißt es: „Die Qualität der Pflege hat sich in den letzten Jahren, gemessen an den geprüften Qualitätskriterien, verbessert. Nicht zuletzt haben hierzu die externen Qualitätsprüfungen des MDK beigetragen.“ Am Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) häufen sich dagegen die Berichte über unzureichende Pflege, insbesondere in stationären Pflegeeinrichtungen. Angehörige und Pflegekräfte berichten am Alzheimer-Telefon über Personalmangel, Vernachlässigung und unwürdige Zustände. Die DAlzG bezweifelt deshalb, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Vorhaben ausreichen werden, diese Situation tatsächlich zu verbessern.

Besonders bedenklich ist das Untersuchungsergebnis, dass der Anteil der Bewohner, die einen starken Gewichtsverlust erleiden, seit dem letzten Pflege-Qualitätsbericht deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, bei denen das Gewicht gar nicht kontrolliert wurde, von etwa 10 Prozent auf fast ein Viertel der Bewohner angestiegen. Menschen mit Demenz machen inzwischen mehr als 70 Prozent der Pflegeheimbewohner aus. Sie haben aufgrund ihrer Erkrankung ein besonders hohes Risiko für Unterernährung. Eine zunehmende Zahl von Angehörigen berichtet, dass sie selbst jeden Tag ins Pflegeheim gehen, um ihren demenzkranken Angehörigen Essen anzureichen. Angesichts des Personalmangels kann dies von den vorhandenen Pflegekräften nicht geleistet werden. Angehörige wagen es deshalb oft gar nicht, Urlaub zu machen oder zu einer benötigten Kur zu fahren. Sie haben Sorge, dass ihr Familienangehöriger im Heim nicht ausreichend versorgt wird.

In seinem Bericht kommt der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes außerdem zu dem Ergebnis, dass bei Pflegeheim-Bewohnern mit Demenz zu 98,8 % die Angehörigen beziehungsweise Bezugspersonen in die Planung der Pflege und sozialen Betreuung einbezogen würden. Dies widerspricht den Erfahrungen vieler Angehöriger, die häufig berichten, dass das Pflegepersonal noch nicht einmal Zeit für ein Gespräch über den aktuellen Gesundheitszustand hat.

Auch beim Einsatz von Medikamenten werden Angehörige offenbar oft nicht einbezogen. Bärbel Schönhof, 2. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, erklärte dazu: „Aufgrund der Häufung solcher Berichte stellt sich die Frage, ob die Qualität der Pflege in den Heimen tatsächlich besser geworden ist oder ob die Heime möglicherweise in erster Linie ihre Pflegedokumentationen optimiert haben. Angesichts dieser Situation haben wir erhebliche Zweifel, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Vorhaben im Bereich Pflege ausreichen werden, die Qualität spürbar zu verbessern. Wir fordern deshalb, dass in einer Nationalen Strategie mit allen Akteuren gemeinsam daran gearbeitet wird, die Situation für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu verbessern.“

Heute leben in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr 60 Prozent davon leiden an einer Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzkranken wird bis 2050 auf drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

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