Hans-Peter Terno hat die Bühne verlassen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Hans-Peter Terno an seinem Computer
Hans-Peter Terno an seinem Computer
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Mainz (kobinet) Hätte er den Zeitpunkt seines Todes gekannt, hätte Hans-Peter Terno sich bestimmt auf kabarettistische Weise oder mit einem markigen Spruch verabschiedet. Gestern wurde der Meeenzer Charakter, der auch die Behindertenbewegung und vor allem die Mainzer Behindertenpolitik durch sein vielfältiges Engagement mitgeprägt hat, von seinem Assistenten tot im Bett in seiner Wohnung in der Mainzer Altstadt aufgefunden. Eigentlich wollten die beiden wie an jedem Freitag auf dem Mainzer Wochenmarkt einkaufen gehen.

"Ich kann verstehen, dass Ihnen aus Denkmalschutzgründen die von uns geforderte Rampe ein Dorn im Auge ist. Aber, was ich viel weniger verstehe ist, warum hier die elektrischen Leitungen gelegt und das elektrische Licht hier im Gebäude den historischen Charakter völlig verfälscht", hatte der im Laufe seines Lebens erblindete Hans-Peter Terno einmal bei einer zähen Sitzung um die barrierefreie Gestaltung eines historischen Gebäudes in seiner bewährt kabarettistischen Art angemerkt. Nach dieser Aussage war der Knoten geplatzt und eine Lösung gesucht und gefunden worden. Hans-Peter Terno wurde am 2. Dezember 1949 geboren und verbrachte den Großteil seines Lebens in Mainz, das er auch nach seinem Erblinden noch wie seien Westentasche kannte. Als Kind hat er nämlich öfter die Schule geschwänzt und fand es viel interessanter, die Stadt zu erkunden.

Bereits früh hatte Hans-Peter Terno schauspielerische Auftritte, wie es in seiner Biografie heißt, die auf der Seite zu dem von ihm durchgeführten Kabarett im Dunkeln heißt. Aus einer Schauspieler-Familie stammend wirkte er bereits 1951 als knapp zweijähriger in einem Hörspiel mit dem Titel "Kleinkind auf einem Flüchtlingsschiff" mit, ein Titel, der heute nicht aktueller sein könnte. Bis 1964 wirkte er in weiteren Rollen bei Hörspielen mit. In einer Kneipe, die er zwischenzeitlich in Mainz betrieb, gehörten seine Soloprogramme als Kabarettist mit zum Programm. Es folgten viele Auftritte auch in anderen Städten. In den 80er Jahren verlor Hans-Peter Terno langsam seine Sehkraft. Sein Weg führte ihn dann von 1987 bis 1995 nach Spanien, eine Zeit, von der er gerne sprach. Als er Mitte der 90er Jahre völlig erblindet nach Mainz zurückkehrte, hatte er eine schwere Zeit, u.a. auch ohne Krankenversicherung. Die Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz, Marita Boos-Waidosch, erinnert sich noch gut an diese Zeit und vor allem daran, wie Hans-Peter Terno dann wieder Fuß fasste und im Mainzer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) als Peer Counselor begann. In dieser Funktion hat er viele Menschen berührt und ihnen Türen aufgemacht, die für sie selbst zum Teil nicht denkbar waren. Er war u.a. in der Mainzer SPD aktiv und unheimlich gut vernetzt. "Kaum jemand hat so politisch gedacht und so vernetzt agiert, wie Hans-Peter", berichtet Marita Boos-Waidosch. Vor allem erinnern sich viele noch daran, wie sein Blindenhund, den er viele Jahre hatte, immer mitten im Saal lag und zuweilen anfing zu schnarchen. Durch das Gelächter, das dadurch bei so manchen Sitzungen entstand, seien auch diejenigen wieder aktiv geworden, die schon etwas ermüdet waren.

Hans-Peter Terno, der unter anderem von Malu Dreyer 2011 die Staatsmedaillle des Landes Rheinland-Pfalz verliehen bekam und die seltene Auszeichnung mit dem Mainzer Pfennig verliehen bekam, hat noch erlebt, wie das von ihm propagierte Peer Counseling, also die Beratung von behinderten für behinderte Menschen, im Bundesteilhabegesetz mit aufgenommen wurde. Schon vor vielen Jahren hat er zusammen mit Matthias Rösch und Maik Nothnagel einen Berufsverband von Peer CounselorInnen gegründet. Damals war die Zeit für diese Idee noch nicht reif. Heute, da ca. 1.000 Stellen in den neuen Beratungsstellen zur ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung geschaffen werden, hätte Hans-Peter Terno bestimmt viele Ideen, wie dafür gesorgt werden könnte, dass wirklich auch behinderte Menschen eingestellt werden, bzw. wie diese vernetzt werden könnten.

In den letzten Jahren hat Hans-Peter Terno noch täglich an seinem Herzensprojekt, der LandesZeitung RheinlandPfalz gearbeitet und landespolitisch interessante Nachrichten im Internet veröffentlicht. Dieses hatte er nach seiner Pensionierung gestartet, weil er der Ansicht war, dass landespolitische Aspekte der Politik in den Medien viel zu kurz kommen. Seine Erfahrungen mit der Schülerzeitung und seine Lust am Schreiben konnte die Leserinnen nicht nur an seinen Sonntagskommentaren erleben, sondern auch an den täglichen Nachrichten, die er einstellte. Hans-Peter Terno war zwischenzeitlich aber gesundheitlich ziemlich angeschlagen. Sein Sortiment an Medikamenten, dass er in seinem Wohnzimmerschrank aufbewahrte, war beeindruckend und schon einmal ist er dem Tod knapp von der Schippe gesprungen, als er von seinem Assistenten mit massiven Herzproblemen in seiner Wohnung gefunden wurde.

Dieses Mal hat ihn der Tod nicht mehr los gelassen. Wann und wie Hans-Peter Terno bestattet wird, ist noch nicht bekannt, eins dürfte jedoch klar sein, nicht auf der Ebbschen Seite, also nicht in Hessen, denn zwischen den Mainzern und Wiesbadenern gibt es gut gepflegte Vorurteile, die auch Hans-Peter Terno nicht fern waren.

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