Überrascht vom Berlinale-Erfolg mit "Touch me Not"

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Christian Bayerlein
Christian Bayerlein
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Berlin/Koblenz (kobinet) Für Christian Bayerlein aus Koblenz war die diesjährige Berlinale etwas ganz besonderes. Denn er wirkte im Film "Touch Me Not" mit, der zu seiner großen Überraschung den Hauptpreis, den goldenen Bären als besten Film, gewonnen hat. Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Intimität in seinen vielen Facetten. Nachdem Christian Bayerlein mittlerweile eine üble Grippe überstanden hat, sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit ihm, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Sexualität und Behinderung beschäftigt und in der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen aktiv ist.

kobinet-nachrichten: Die Berlinale war dieses Jahr etwas ganz besonderes für Sie. Warum?

Christian Bayerlein: Der Film "Touch Me Not" war ein Beitrag im Wettbewerb bei der Berlinale. Zu unserer großen Überraschung haben wir dann auch noch den Hauptpreis, den goldenen Bären als besten Film gewonnen. Damit hätte von uns niemand gerechnet. Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Intimität in seinen vielen Facetten. Dabei geht es darum, zu erkunden, wie verschiedene Menschen mit Hindernissen in Bezug auf Intimität umgehen. Das Thema Sexualität und Behinderung, ein Herzensanliegen von mir, spielt dabei auch eine große Rolle und es wird ein positives Körperbild behinderter Menschen gezeichnet.

kobinet-nachrichten: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie in dem Film mitwirken konnten und welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Christian Bayerlein: Ich habe die Regisseurin Adina Pintilie schon vor einigen Jahren auf einem gemeinsamen Workshop Besuch über Intimität auf einem Festival für Kunst und Sexualität kennengelernt. Dabei hat es zwischen uns sofort künstlerisch "gefunkt" und wir haben beschlossen, in ihrem Projekt zusammen zu arbeiten. Damals war noch gar nicht klar, in welche Richtung der Film uns bringen sollte, es gab lediglich eine grobe Projektskizze. Der Film ist sowieso sehr experimentell und nicht in die Kategorien dokumentarisch oder Fiktion einzuordnen. Vielmehr bewegt er sich an der fließenden Grenze zwischen Realität und Spielfilm. In einem jahrelangen Prozess haben wir mittels Tagebuchaufgaben, später auch zusammen mit meiner Freundin, verschiedene Thematiken untersucht und das Thema Intimität erörtert. Die eigentlichen Dreharbeiten waren dann sehr kurz und haben nur etwa anderthalb Wochen gedauert. Wir haben in Leipzig, Halle und Crimmitschau gedreht. Weitere Dreharbeiten, allerdings ohne meine Freundin und mich, fanden dann in Bulgarien und in Rumänien statt.

kobinet-nachrichten: Wie aufwändig und anstrengend waren die Filmaufnahmen und all das, was nun damit zusammen hängt?

Christian Bayerlein: in erster Linie war es für uns total spannend. Ich bin ja kein ausgebildeter Schauspieler und für mich waren die Arbeiten vor der Kamera etwas sehr Neues. Ich habe zwar schon etwas Erfahrung mit Dreharbeiten fürs Fernsehen, aber Dreharbeiten für die große Leinwand sind dann doch etwas ganz anderes. Außerdem haben wir viele ganz tolle Menschen kennengelernt und wir haben wirklich gute Beziehungen aufbauen können, etwas sehr wertvolles!

kobinet-nachrichten: Geht es jetzt direkt nach Holliwood oder was steht als nächstes an?

Christian Bayerlein: Nein, bisher habe ich keinen Anruf aus Hollywood bekommen. Aber das Thema Intimität und Sexualität aus der Sicht behinderter Menschen interessiert mich natürlich weiterhin auch künstlerisch. Momentan arbeite ich an einem Performance-Theater-Projekt zusammen mit dem Autor Ingo Niermann. Das Stück heißt "Army of Love". Dabei geht es darum, mittels einer "Heilsarmee" Liebe und Sexualität allen Menschen verfügbar zu machen. Wir haben diese Performance 2016 einmal in Wiesbaden auf der Biennale aufgeführt und jetzt sind wir damit Ende Mai in Posen in Polen. Darauf freue ich mich schon sehr.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.