Werkstätten-Messe in Nürnberg

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Am Mitmachstand zum Bedrucken von Turnbeuteln
Am Mitmachstand zum Bedrucken von Turnbeuteln
Bild: Claudia Kestler

Nürnberg (kobinet) Gestern wurde in Nürnberg eine Werkstätten-Messe eröffnet. Noch bis Samstag präsentiert dabei die Rummelsberger Diakonie in Halle 12 an Stand 347 ihre Produkte und Dienstleistungen. Außerdem gibt es an jedem Tag Mitmach-Aktionen. Beim Eröffnungsrundgang war auch der Ministerialdirigent im bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung anwesend, der sich für die Entwicklung der Werkstatt-Standorte interessierte.

Die Rummelsberger Diakonie begleitet seit mehr als 100 Jahren Menschen mit Behinderung. Neben den Wohnangeboten entwickelten sich mit der Zeit die Arbeitsangebote. Inzwischen gehören zur Rummelsberger Diakonie Werkstätten in Hilpoltstein, Altdorf, Treuchtlingen und Schmeilsdorf (Landkreis Kulmbach). „Die Standortwahl war oft Zufall, weil es Schenkungen gab oder Gebäude oder Flächen angeboten wurden“, erklärte Friedrich Weickmann, der Leiter der Altmühltal-Werkstätten in Treuchtlingen dazu.

Die Beschäftigten präsentieren an der Werkstätten-Messe ihre Produkte und Dienstleistungen. Am Auhof in Hilpoltstein stellen sie unter anderem Dekorationsartikel aus Holz und Ton, Taschen, Schmuck und Gartenmöbel her. Interessierte erhalten am Messestand auch Informationen über Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Noch bis Samstag, 21. April, ist die Werkstätten-Messe täglich von 9 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Am Stand der Rummelsberger Diakonie gibt es jeden Tag Mitmach-Aktionen. 

Lesermeinungen zu “Werkstätten-Messe in Nürnberg” (9)

Von Behindert_im_System

Alle Diskussionen bringen sehr wenig und erhitzen nur die Gemüter welche langsam am Rande der Verzweiflung mit ihren Sorgen und Nöten stehen. Egal wie wir diskutieren, der Anstrich mit den schönsten Überschriften egal welcher Seite, kann und wird niemals eine Lösung für die schwächsten dieser Gesellschaft in so leuchtenden Farben darstellen, dass man sagen kann, es wurde etwas erreicht. Solange sich unsere Vertreter aus Verbänden, Politik und angeblicher freier Wohlfahrt, wo man sich die Frage stellen muss wie man überhaupt auf so eine Bezeichnung kommt, die größten Nutznießer unserer Leiden sind, wird sich wenn überhaupt, sehr wenig ändern.
Es gab mal vor Jahren für die Agenturen für Arbeit welche mit der Verschiebung von schwer vermittelbaren Menschen, welche nichts zur Verschönerung der Statistiken beitragen konnten die Möglichkeit, diese wegen der VERSCHLOSSENHEIT des Arbeitsmarktes vorzeitig mit der Zuständigkeit der DRV zu verrenten. Diesen § 43 SGB VI und dessen Möglichkeit, hat man damals so geändert, da man vermeiden wollte, die DRV ist das Auffangbecken für die Menschen, wo die Agenturen für Arbeit alles abschieben konnten was nicht in ihr Bild passte, also man hat dem ganzen einen Riegel vorgeschoben.
Nun frage ich mich, warum hat man diese Regelung nicht für die Menschen beibehalten, welchen teils schon bei der Geburt, die VERSCHLOSSENHEIT des Arbeitsmarktes mit in die Wiege gelegt wurde?
Wäre es nicht gerecht, dass man unseren schwächsten der Gesellschaft, welche niemals ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit unter Beweis stellen können, eine kleine Rente zu bewilligen und dies ohne wenn und aber?

Wer von Solidarität spricht, der sollte erstmal begreifen wie unterschiedlich dieser Begriff sein kann und auch ist.

Von kirsti

Frau Maubach, mit Ihrem Beitrag vom 20.04. haben Sie natürlich Recht! Es wäre äußerst fatal, wie von den Fachverbänden gefordert, das „Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung“ für den Zugang zur schöngeredeten „Teilhabe am Arbeitsleben“ aufzuheben und die WfbM für alle Behinderten ohne jegliche Beschränkungen zu öffnen. Sie kommt einer „Zwangsrekrutierung“ von Behinderten gleich; frei nach dem Motto: „Wer behindert ist, bestimmen wir.“ – Diese Ungeheuerlichkeit hatte ich nicht bedacht und übersehen. Tut mir leid.
LG Kirsti

Von Gisela Maubach

Dann reden wir ja nun um zwei unterschiedliche Formen von Mindestlöhnen - einmal dem in Höhe von 450 € innerhalb der Petition und einmal dem gesetzlichen Mindestlohn.

Die gesamte Diskussion um einen Mindestlohn ergibt ohnehin nur dann einen Sinn, wenn man auch die Forderung der Fachverbände einbezieht, wonach der Zugang zu einer WfbM nicht von einer Arbeitsfähigkeit abhängig sein soll. Hier wird unter Nr. 3 gefordert, das Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung aufzuheben, so dass auch arbeitsunfähige Menschen mit schwerster geistiger Behinderung in Werkstätten aufgenommen würden und einen Lohn erhielten:

http://www.diefachverbaende.de/files/stellungnahmen/2017-10-18_Forderungen-der-Fachverbaende-fuer-die-19-Legislaturperiode-final_END.pdf

Wer über einen Mindestlohn in Werkstätten diskutiert, muss dies berücksichtigen, denn das hieße, dass auch Menschen ohne (!) irgendeine Arbeitsleistung einen Mindestlohn erhielten.

Man kann nicht einerseits das Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung aufheben und gleichzeitig für alle - auch die dann ohne zu arbeiten zusätzlich in die Werkstätten kämen - einen Mindestlohn fordern.

Die Diskussion ergibt keinen Sinn, wenn dieser Personenkreis dabei ausgeschlossen wird, denn er ist Bestandteil des Systems.

Von kirsti

(Teil 2)
Betriebsräten unmöglich macht, für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingung und für eine Übernahme in den Beschäftigungsbetrieb einzutreten.“

Jedes Ding hat somit meiner Meinung nach zwei Seiten: Das System der Sonderwelten, incl. der WfbM und/oder Förderstätten sollten insgesamt vollkommen überdacht und der UN- BRK entsprechend gestaltet werden. Unser Grundgesetz mit Artiklel 3 möge da endlich Wirkung entfalten.

Insoweit gehen wir vollkommen konform.

LG Kirsti

Von kirsti

Ihr Beitrag in voller Länge:

Lesermeinungen zu “Werkstattbeschäftigte besser entlohnen”

Von Gisela Maubach
Dienstag, 20. März 2018 17:18
Vor mehr als 2 Jahren folgender kobinet-Leserbrief von mir:

Die Träger der Werkstätten begründen den fehlenden Arbeitnehmer-Status und den Hungerlohn in ihren Werkstätten mit dem Anspruch auf Grundsicherung.

Folgendes Zitat

„In Werkstätten beschäftigte behinderte Menschen erhalten wegen ihrer dauerhaften vollen Erwerbsminderung zur Sicherstellung ihres Lebensunterhalts Leistungen der Grundsicherung oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Zudem erhalten sie in der WfbM rehabilitative Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.“
findet man hier auf der Seite der Lebenshilfe:

https://www.lebenshilfe.de/de/themen-recht/artikel/Keine-Auswirkungen-des-Mindestlohngesetzes-auf-WfbM.php

Anders wird der Arbeitnehmerbegriff, der für den Mindestlohn entscheidend ist, vom EuGH definiert, was in diesem Artikel von Sabine Wendt nachzulesen ist:

http://www.reha-recht.de/fachbeitraege/beitrag/artikel/beitrag-b14-2015/

Wörtlich heißt es dort:

„Nach diesem EuGH-Urteil wird es das für die Reform des Bundesteilhabegesetzes federführende Ministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) schwerer haben, die Ausweitung des arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnisses über anerkannte WfbM auf vergleichbare Einrichtungen zu rechtfertigen, die wie sogenannte „virtuelle WfbM“ als reine Verleihbetriebe tätig sind.[13] Während die Behindertenverbände sich in dieser Frage in Schweigen hüllen, sind es ehemalige Verbandsvertreter, die die notwendige Debatte über die Reform dieses Rechtsverhältnisses führen.[14] Klar ist, dass das Sonderrechtsverhältnis die von allen gewünschte Integration von Werkstattbeschäftigten in den allgemeinen Arbeitsmarkt behindert, da sie auch langjährig auf Außenarbeitsplätzen der WfbM-Beschäftigten eine Teilhabe an der innerbetrieblichen Demokratie im Beschäftigungsbetrieb verwehrt und es Schwerbehindertenvertretungen (Teil 1)

Von Behindert_im_System

Hier nochmal für Interessenten:

Behinderte Menschen in europäischen Behindertenwerkstätten sind unionsrechtlich Arbeitnehmer – Anmerkung zu EuGH, Urt. v. 26.03.2015, C-316/13 (Rs. Fenoll)

http://www.reha-recht.de/fachbeitraege/beitrag/artikel/beitrag-b14-2015/

Von Gisela Maubach

@ kirsti

Kann den Link leider nicht öffnen, aber ich habe immer die gleiche Meinung vertreten, die da lautet:

Diejenigen, die in den Werkstätten eine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung erbringen, sollen dafür auch leistungsgerecht (!) entlohnt werden. Das dürfte im Einzelfall deutlich über 450 € hinausgehen.

Diejenigen, die sich an der Produktion in den Werkstätten nicht ansatzweise beteiligen können, sollten auch keinen Mindestlohn bekommen - und zwar nicht nur, weil der Begriff Lohn damit ad absurdum geführt würde, sondern weil der recht hohe Freibetrag bei der Grundsicherung dazu führen würde, dass Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen deshalb von ihren Eltern/Betreuern in Werkstätten untergebracht würden, weil es sich finanziell "lohnt".
Und je größer der finanzielle Anreiz, desto größer wird auch die Forderung der Eltern aus anderen Bundesländern, dass auch dort das NRW-Modell eingeführt wird - also dass auch arbeitsunfähige Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen in Werkstätten aufgenommen werden (weil es im Gegensatz zur Tagesförderstätte dort einen "Lohn" auch ohne Arbeitsleistung gibt).

Die Folge wäre die bundesweite Abschaffung der Tagesförderstätten und die vorrangige (!) Unterbringung in der WfbM.

Würde ich meinen geistig schwerstbehinderten Sohn wieder in der WfbM betreuen lassen, hätte er jeden Monat etwa 100 € mehr zum Leben, obwohl er nicht die geringste Arbeit leisten kann.
Bei einem WfbM-Mindestlohn in Höhe von 450 € würde sich dieser Betrag noch deutlich erhöhen.

Für diesen Personenkreis wäre die WfbM also die einzige Möglichkeit, die existenzsichernden Leistungen stark anzuheben - auch ohne die Fähigkeit, arbeiten zu können.

Anstatt einen finanziellen Anreiz für (!) die Unterbringung in einer WfbM zu fordern, sollten wir uns eher gegen die Vorrangigkeit dieser Einrichtung wenden . . . und für eine leistungsgerechte (!) Entlohnung derer, die die Leistung dort tatsächlich erbringen!

Von kirsti

Sehr geehrte Frau Maubach

da Beiträge zu "wenig Lohn für gute Arbeit" gesperrt ist, passt mein Leserbrief durchaus hierunter:

Am 20. März 2018 erinnerten Sie, Frau Maubach, an Ihren Leserbrief vor zwei Jahren

https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/37754/Werkstattbesch%C3%A4ftigte-besser-entlohnen.html

Anders wird der Arbeitnehmerbegriff, der für den Mindestlohn entscheidend ist, vom EuGH definiert, was in diesem Artikel von Sabine Wendt nachzulesen ist:

http://www.reha-recht.de/fachbeitraege/beitrag/artikel/beitrag-b14-2015/

Wie passt Ihre vor kurzem noch wiederholte Stellungnahme zum „Mindestlohn“, der für den Arbeitnehmerbegriff von Bedeutung sei und vice versa der „Mindestlohn“ für den „Arbeitnehmerbegriff“ mit Ihrer jetzigen ablehnenden Stellungnahme zusammen? Seit dem 20. März 2018 ist knapp ein Monat [!] vergangen.
LG

Anders wird der Arbeitnehmerbegriff, der für den Mindestlohn entscheidend ist, vom EuGH definiert, was in diesem Artikel von Sabine Wendt nachzulesen ist:

http://www.reha-recht.de/fachbeitraege/beitrag/artikel/beitrag-b14-2015/

Von Behindert_im_System

Man darf anmerken, das nicht übersehen werden konnte, wohin der Zug, Budget für Arbeit fährt. Aus einigen persönlichen Gesprächen konnte aber auch selbst mit einem Budget für Arbeit von den Betroffenen eine gewisse Zukunftssicherheit nicht so einfach bestätigt werden. Menschen mit denen ich persönlich gesprochen habe erzählten auch, das für sie bewilligte Budget für Arbeit, wäre auf zwei Jahre befristet und sie wären aber froh darüber erstmal aus einer Werkstatt entflohen zu sein, auch wenn es vielleicht keine gesicherte Zukunft bedeuten könnte?
Es gab auch vereinzelte Gespräche mit Gruppenleitern oder sonstigen Verantwortlichen welche an so manchem Stand anzutreffen waren, die aber und man merkte es sehr häufig, noch nicht so richtig erkannt haben, was eigentlich bei einem Budget für Arbeit für ein Unterschied zum Werkstattplatz sein soll, wenn beides sich nur für den behinderten Menschen über viel Geld realisieren lässt?
Was mich aber sehr gestört hat, das mit dem neuen Teilhabegesetz Bildungseinrichtungen für den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt wie Pilze aus dem Boden schießen, wo zum Teil Quereinsteiger in zwei Jahren Umschulung zum "Arbeitserzieher" so die Bezeichnung, mit entsprechender Förderung ( Arbeitsamt etc. ) welche das alles sehr interessant finden, ausgebildet werden.
Allein der Begriff " Arbeitserzieher " ist für mich so etwas verachtendes, als wenn man Menschen mit Behinderung erst zur Arbeit erziehen müsste, da man von einer brauchbaren wirtschaftlichen Verwertbarkeit ausgeht.

Bleiben wir bei unserer Erkenntnis, "schlimmer geht immer" und schlimmer kann's noch kommen!!!

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.